Gewaltexzesse befeuern Nachfrage nach Pfefferspray

Rasanter Absatz

Seitdem ein tierisch entfesselter Männer-Mob in Köln hilflose Frauen attackiert hat, ist die Nachfrage nach Pfefferspray in Dorsten rasant gestiegen. Das Dorstener Unternehmen von Robert und Hermann Göbbeler, spezialisiert auf Sicherheitstechnik, meldet den Ausverkauf des chilischarfen Sprühstoffes.

Dorsten

, 12.01.2016, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
 Dutzende Flaschen Pfefferspray stehen  bei einem Waffenhändler in Frankfurt am Main im Regal. Gerade beim Pfefferspray verzeichnet der Fachhandel in jüngster Zeit eine massive Umsatzsteigerung.

Dutzende Flaschen Pfefferspray stehen bei einem Waffenhändler in Frankfurt am Main im Regal. Gerade beim Pfefferspray verzeichnet der Fachhandel in jüngster Zeit eine massive Umsatzsteigerung.

Weitere Lieferungen des begehrten Abwehrsprays, das auf Basis von feurigem Chilischotenfleisch hergestellt wird und sonst „100 bis 200 Euro Umsatz jährlich bescherte“, stellt die Firma Göbbeler von der Plaggenbahn der interessierten Kundschaft bis Ende der Woche in Aussicht. Indes: „Das Abwehrspray darf nur zur Tierabwehr eingesetzt werden“, erläutert Kai Prase, Geschäftsführer der Herstellerfirma „Deftec“ (Defense Technology) mit Sitz in Frankfurt. „Menschen darf man damit nicht angreifen“, warnt der Unternehmer vor missbräuchlichem Einsatz. Juristisch gesehen machten sich die Nutzer damit nämlich einer Körperverletzung strafbar. Das hält die seit der Gewaltexzesse gegen Frauen in Köln verängstigte Kundschaft aber nicht davon ab, das Pfefferspray „für alle Fälle“ zu ordern.

Interessantes Phänomen

Fachleute hätten für das Phänomen der rasenden Nachfrage nach Abwehrmitteln, das Kai Prase seit September 2015 in Deutschland beobachtet, und das zu einer gewaltigen Aufrüstung mit Pfefferspray in vielen deutschen Handtaschen und Haushalten geführt habe, den Begriff Xenophobie: „Das ist ein genetisch abgespeichertes, überlebensdienliches Programm, das den Menschen vor der Übernahme ihrer Territorien durch andere, fremde Völker schützt.“ Die für Januar atypisch hohe Nachfrage nach dem teuflisch brennenden Inhaltsstoffen Capsicum oder Oleoresin im Chili beobachtet Prase nämlich schon seit mehr als einem halben Jahr und hält die Erklärung eines Psychiaters zur humangenetisch „programmierten Fremdenfeindlichkeit“ persönlich für schlüssig.

65.000 Sprühköpfe abarbeiten

Als Geschäftsmann begrüßt er natürlich die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach dem Produkt aus seinem Haus: „Normalerweise können wir 4000 Sprühköpfe pro Woche herstellen, seit Dezember haben wir einen Rückstand von 65.000 Sprühköpfen, den wir jetzt abarbeiten“, verdeutlicht Prase den schwunghaften Absatz und die große Nachfrage. Die Polizei beobachtet diese Entwicklung sehr defensiv und mit gemischten Gefühlen. Polizeipressesprecher Michael Franz: „Mit dem Einsatz von Pfefferspray entkräfte ich keine gefährliche Situation. Wenn ich das Spray ziehe, besteht die Gefahr, dass mir die Sprühflasche entwunden und gegen mich eingesetzt wird.“ Er empfiehlt, in Gefahrensituationen „die Beine in die Hand zu nehmen“ oder wahlweise andere Passanten persönlich anzusprechen und lautstark dazu aufzufordern, die Polizei zur Hilfe zu rufen. 

Grundsätzlich muss das Spray gesetzliche Anforderungen erfüllen, damit es keine verbotene Waffe darstellt. Der Reizstoff im Spray muss in Deutschland als gesundheitlich unbedenklich zugelassen sein und ein Prüfzeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt enthalten. Pfefferspray darf ausschließlich zur Verteidigung gegen einen Angriff durch einen Menschen eingesetzt werden. Der Einsatz von Pfefferspray erfüllt immer den Tatbestand einer gefährlichen Körperverletzung. Wer Pfefferspray einsetzt, um einem anderen Menschen zu schaden, macht sich somit strafbar. Der Einsatz kann nur gerechtfertigt sein, wenn Sie sich in einer Notwehrsituation oder Notlage befinden.

 

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