Wahlanalyse: Die Gewinner und Verlierer in einem „schwarzen“ Dorsten

mlzKommunalwahl 2020

Die CDU und Bürgermeister Tobias Stockhoff sind die Gewinner der Kommunalwahl in Dorsten. Aber deswegen sind ja nicht alle anderen Parteien und Kandidaten automatisch Verlierer.

Dorsten

, 14.09.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Damit hatten wir nie gerechnet. Ein Traum ist für uns in Erfüllung gegangen.“ Das sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Bernd Schwane am Wahlabend merklich ergriffen. Die Wiederwahl von Tobias Stockhoff war keine Überraschung, das „überwältigende Ergebnis“ aber schon. Und dass die Christdemokraten alle 22 Wahlbezirke gewinnen würden, konnte sowieso niemand ahnen.

SPD verliert auch die Hochburgen

Selbst alte Hochburgen der SPD in Hervest oder Wulfen-Barkenberg fielen in „schwarze Hände“. Und so kommt es, dass eine „rote Bank“ wie Ali Sen künftig nicht mehr im Rat ist, weil er auf der Reserveliste weit hinten stand. Das gleiche Schicksal ereilte den bisherigen stellvertretenden Bürgermeister Jan Kolloczek.

Die Reserveliste der Sozialdemokraten zog nur bis Position acht. Den letzten Platz im Stadtrat sicherte sich der Rhader Achim Schrecklein.

Der bisherige stellvertretende Bürgermeister Jan Kolloczek (SPD) fehlt künftig im Stadtrat.

Der bisherige stellvertretende Bürgermeister Jan Kolloczek (SPD) fehlt künftig im Stadtrat. © Jürgen Moers

Das beste Ergebnis für die CDU, wenn man das überhaupt so sagen kann, erzielten die beiden Lembecker Heinrich Pettenpohl und Newcomer Nicklas Kappe mit mehr als 70 Prozent der Stimmen. Da konnte selbst Bürgermeister Tobias Stockhoff in seinem Wulfener Wahlbezirk nicht ganz mithalten (69,1 Prozent).

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Als Gewinner durften sich am Sonntagabend auch die Grünen fühlen, auch wenn sie insgeheim mit einem Ergebnis um die 15 Prozent geliebäugelt hatten. Ihr Bürgermeisterkandidat Mauritz Hagemann war zwar chancenlos, nannte aber trotzdem die 13,2 Prozent, die seine Partei bei der Ratswahl holte, „historisch“. Hagemann kam in seinem Altstadt-Wahlbezirk immerhin auf 18 Prozent, das beste Einzelergebnis der Grünen, und überflügelte dort sogar den SPD-Konkurrenten Markus Langbein.

Wulfen-Barkenberg ist keine AfD-Hochburg

Ein solcher Prestigeerfolg blieb dem designierten Fraktionsvorsitzenden Torsten Huxel versagt. Der Barkenberger erhielt im „schwierigen“ Wahlbezirk 7 exakt eine Stimme weniger als AfD-Bürgermeisterkandidat Marco Bühne. Dessen 11,9 Prozent waren das mit Abstand beste Einzelergebnis der AfD.

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Auffällig allerdings auch: Stadtweit bekam die AfD einen höheren Stimmenanteil (6,2 Prozent) als ihr Spitzenkandidat (5,4 Prozent). Und: Bei der Europawahl im vergangenen Jahr hatte die AfD in den Barkenberger Stimmbezirken deutlich höhere Ergebnisse erzielt.

Die Linke und die FDP unter „Sonstige“

Von einem „schwarzen Abend“ sprach SPD-Spitzenkandidat Friedhelm Fragemann am Sonntag. Seine Partei hatte gerade 17 Prozentpunkte und sieben Sitze gegenüber 2014 verloren. Auch FDP und Die Linke haben die Hälfte ihrer Sitze eingebüßt - von zwei auf einen. Die Enttäuschung bei Lutz Ludwig und Wilhelm Zachraj war nachvollziehbar.

Da tröstet es auch wenig, dass Die Linke letztlich 23 Stimmen mehr bekam als die Liberalen. In den offiziellen Statistiken der Stadt Dorsten wurden beide Parteien nur noch unter „Sonstige“ geführt. Mehr Bedeutungslosigkeit geht wohl kaum.

Die PARTEI feiert Prestige-Erfolg

Als Sieger fühlte sich hingegen Die PARTEI. Bürgermeisterkandidat Simon Rodriguez Garcia freute sich nicht nur über zwei Sitze im Rat und „ein besseres Ergebnis als etablierte Parteien“, sondern auch, dass die Neulinge in zwei Wahlbezirken in Holsterhausen, wo u.a. auch Rodriguez selbst antrat, die AfD überflügeln konnten. „Jetzt wissen wir, welche Stadtteile wir in den nächsten Jahren noch entnazifizieren müssen.“

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