Gleichstellungsbeauftragte verteidigt die Frauenkulturtage

Bilanz-Interview

Mit der Ausstellungseröffnung "Frau, trau dich!" in der Kultur-Werkstatt-Wulfen Am Brauturm endeten am vergangenen Samstag die 26. Frauenkulturtage 2011 in Dorsten. Im Interview sprach Gleichstellungsbeauftragte Vera Konieczka über gute und verbesserungswürdige Aspekte dieser traditionellen Kooperationsveranstaltung.

DORSTEN

von Von Anke Klapsing-Reich

, 27.03.2011, 15:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei unsere Leserumfrage "Halten Sie die Frauenkulturtage noch für zeitgemäß" stimmten 82 Prozent mit "Nein". Hat Sie dieses Ergebnis überrascht, Frau Konieczka?

Nein, eigentlich nicht. Umfragen dieser Art provozieren derartige Ergebnisse. Ich hatte im Vorfeld mit rund 20 Prozent Zustimmung gerechnet. Ansonsten halte ich es mit dem 1990 verstorbenen, ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky, der folgende Empfehlung gegeben hat: Zwei Dinge sollte man nicht mehr zur Diskussion stellen, wenn sie einmal in trockenen Tüchern sind - die Abschaffung der Todesstrafe und die Einführung des Frauenwahlrechts.

Hier ging es aber nicht um das Frauenwahlrecht, sondern um die Frauenkulturtage. Was könnte Ihrer Meinung nach daran als nicht mehr zeitgemäß angesehen werden? Diese Frage habe ich mir auch gestellt und daraufhin eine Produktanalyse erstellt. 1. Die Frauenkulturtage gibt es seit 26 Jahren in Dorsten. Damit sind sie das älteste Kooperationsprojekt der Stadt, das auf Netzwerken basiert. Das ist ein hochanständiges Geschäft. 2. Kultur ist ein wesentlicher Bestandteil, auch das ist hochanständig. 

Nein, das ist mein dritter Punkt in der Anlayse. Am Thema kann es auch nicht liegen. Damit sind wir hochaktuell gewesen. Mindestlöhne und Quoten sind in aller Munde. Erst kürzlich stellte die Sachverständigenkommission in ihrem Gutachten zum Ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung fest, das es bis zur echten Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern noch ein weiter Weg ist. Es wird nur nicht immer wahrgenommen.

Wie erklären Sie sich dann die Skepsis? Es kann nur das Wort "Frau" sein, das den Anstoß erregt. Denn sehen Sie mal: Die Veranstaltungen sind ja nicht extra für die Frauenkulturtage erfunden. Sie werden von vielen Gruppen und Institutionen auch in anderen Zusammenhängen mit anderem Blickwinkel angeboten. Das funktioniert seit vielen Jahren. Aber sobald das Ganze unter "Frauenkultur" firmiert, wird Skepsis laut. Frau wird in Frauenmode und Ehefrau als schönes Wort wahrgenommen. Aber "Frau" alleine verweist auf das Geschlechterverhältnis und fordert häufig Widerstand, vor allem von Männern, heraus.Am 12. März wurden die Frauenkulturtage eröffnet, am 26. März endeten sie. Ist der Zeitraum nicht zu lang? Der Zeitraum ist abhängig von den Gruppen, die sich mit ihren Angeboten einbringen möchten. Solange dieses Interesse und Engagement da ist, werde ich keinen ausgrenzen. In diesem Jahr ist zum Beispiel der Dorstener Kunstvernoch neu hinzu gekommen. Das spricht in meinen Augen für das Projekt.Welche Veranstaltungen liefen diesmal richtig gut? Bei der Eröffnungsveranstalung mit der Kabarettistin Sia Korthaus zählten wir mit rund 270 Leuten Besucherrekord. Die Ausstellung "Frauendurcheinander" von Laula Plaßmann im Alten Rathaus ist ebenfalls klasse angekommen. Ein großer Renner war auch die ausverkaufte kulinarische Krimi-Lesung im Haus der Familie.Und was lief nicht so toll? Die politischen Themen fanden wenig Aufmerksamkeit. Das tut mir in der Seele weh, denn die Veranstaltungen waren durchweg mit guten Referentinnen besetzt.Welche Verbesserungsmöglichkeiten haben Sie für sich aus Ihrer Analyse gezogen? Ich überlege, ob man im Programm ausführlicher die Veranstaltungen erläutern sollte, damit das Augenmerk mehr auf die Inhalte gelenkt wird. Außerdem werde ich mehr Gebrauch von der Präsentation und Ankündigung im Internet machen.

 

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