Trotz Verdi und Virus: Es wird zwei verkaufsoffene Sonntage geben

mlzGrünes Licht aus Wirtschaftsministerium

Gerne würden Dorstens Kaufleute und Markthändler ihren Kunden etwas Besonderes bieten. Late-Night-Shopping etwa. Das wird es aber nicht geben. Dafür verkaufsoffene Sonntage.

Dorsten

, 17.10.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manfred Hürland vertritt die Belange der Dorstener Interessengemeinschaft Altstadt (DIA) in der Öffentlichkeit. Sein jüngstes Rundschreiben an die Mitglieder vom 8. Oktober klang vielversprechend: Am 26. November und 3. Dezember, jeweils donnerstags, sollten Wochenmarkt-Händler länger in der Altstadt präsent sein - und die Geschäfte für das Late-Night-Shopping bis 21 Uhr öffnen.

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Am Donnerstag kam dann aber überraschend eine Nachricht des Einzelhandelsverbandes dazwischen. Demnach sind verkaufsoffene Sonntage trotz Widerstands der Gewerkschaft Verdi möglich. Bis zu fünf Mal dürfen Geschäfte in NRW sonntags öffnen, hieß es auch aus dem Wirtschaftsministerium. Diese Sicherheit wollten die Dorstener Kaufleute haben: „Wir werden aufs Late-Night-Shopping verzichten und dafür noch zwei verkaufsoffene Sonntage in Dorsten anbieten“, kündigte Manfred Hürland am Freitag an.

Einzelhandel kämpft um seine Existenz

Der Einzelhandel kämpft in Dorsten wie auch anderswo darum, sich zu behaupten. Deshalb reagiert die DIA besonders empfindlich auf die Kampfansage der Gewerkschaft Verdi. Sie droht Veranstaltern laut DIA-Rundschreiben Klagen an, wenn beispielsweise Aktionssonntage oder Ereignisse stattfinden sollen, die über die üblichen Ladenöffnungszeiten hinausreichen. „Amazon hat 24 Stunden geöffnet, Verdi vertritt eine hinterwäldlerische Position“, sagt Hürland.

Das waren noch Zeiten, als die Kufenflitzer unbeschwert ihre Kurven auf der Eisfläche auf dem Marktplatz drehen konnten.

Das waren noch Zeiten, als die Kufenflitzer unbeschwert ihre Kurven auf der Eisfläche auf dem Marktplatz drehen konnten. Die DIA ist noch dran, ob es eine Neuauflage in diesem Jahr geben wird. © Jana Kolbe (A)

Michael Sievers, Gewerkschaftssekretär Verdi-Bezirk Mittleres Ruhrgebiet (Fachbereich Handel), widerspricht: „Das angeführte Argument mit Amazon greift aus meiner Sicht absolut nicht. Auch bei Amazon wird sonntags nicht gearbeitet.“ Der Anteil des Internethandels am Gesamtumsatz im Einzelhandel liege überdies bei nur elf Prozent. Eine Trennung zwischen Internethandel und stationärem Handel gebe es „heute immer weniger“. Werde am Wochenende Umsatz gemacht, sinke dieser in den kommenden Wochen, sagt Sievers.

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Und er fügt hinzu: „Die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten und auch Sonntagsöffnungen haben in der Vergangenheit nicht zu einer Sicherung von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitarbeitsplätzen geführt. Stattdessen lässt sich bilanzieren, dass der Anteil an Teilzeitbeschäftigung und geringfügiger Beschäftigung gestiegen ist. Nur noch 36,9 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Einzelhandel in Vollzeit.“

Signal aus dem Wirtschaftsministerium in Düsseldorf

Auf Anfrage hieß es aus dem Wirtschaftsministerium in Düsseldorf, dass weiterhin das Ladenöffnungsgesetz gilt. „Damit können Kommunen grundsätzlich auch weiterhin verkaufsoffene Sonntage im Zusammenhang mit örtlichen Festen, Märkten, Messen oder ähnlichen Veranstaltungen festsetzen. Dabei muss eine Kommune aber zusätzlich zu den bekannten Voraussetzungen auch die Hygiene- und Infektionsschutzstandards nach der Coronaschutzverordnung beachten. So macht z.B. die aktuelle Verordnung besondere Vorgaben für Weihnachtsmärkte im Hinblick auf Hygiene und Infektionsschutz.“

Ob eine örtliche Veranstaltung Grundlage für einen verkaufsoffenen Sonntag sein kann, liege in der Entscheidung der Kommune. „Einheitliche Vorgaben gibt es auch wegen der unterschiedlichen örtlichen Verhältnisse und Veranstaltungen nicht.“

Das Beste hoffen und alle Möglichkeiten ausreizen

Manfred Hürland hält das Vorgehen von Verdi für „nicht fair“, lässt sich aber auch durch Drohgebärden der Gewerkschaft nicht abschrecken. „Wir werden die Termine für die Sonntage mit der Stadt noch abstimmen müssen. Kleinere begleitende Aktionen sind trotz der Coronaschutz-Verordnung möglich.“

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