Hamsterkäufe: Haben wir nichts aus den Fehlern im Frühjahr gelernt?

mlzMeinung

Wie beim ersten Lockdown im Frühjahr gibt es wieder leere Supermarkt-Regale. Warum wir nicht ein zweites Mal in die Hamsterkauf-Falle tappen sollten - ein Kommentar.

Dorsten

, 21.10.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sind zurück – die Hamster. Ich meine nicht die kleinen, possierlichen Nager, die sich die Backentaschen vollpacken und mit ihrer Nahrung ins Nest rennen. Ich meine die aufrechtgehenden Hamsterkäufer, die ihre Einkaufswagen übervoll machen mit Mehl, Nudeln, Tiefkühlkost, Konserven und Toilettenpapier. Offenbar greift die Angst wieder um, die viele Menschen schon im Frühjahr gepackt hat, als die Pandemie Europa das erste Mal in den Würgegriff nahm. Nun also wieder, wenn auch im kleineren Maßstab: der Kampf ums Klopapier.

Warum verleiten die Corona-Fallzahlen zum Klopapier-Kauf?

Ich könnte lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Lachen darüber, dass sich offenbar ein Großteil der Menschen angesichts eines Virus‘, das die Atemwege befällt, zuerst mit seinen Ausscheidungen beschäftigt. Aber im Grund ist es doch traurig, dass die zweite Welle eindrucksvoll beweist, dass der Mensch wohl nicht sehr lernfähig ist. Wie sonst ist zu erklären, dass jetzt wieder Panik ausbricht und auf Vorrat Seife und Toilettenpapier gebunkert werden?

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Lieferengpässe sind das Resultat der Hamsterkäufe

Die erste Hamsterkauf-Welle hat doch bewiesen, dass die erhöhte Nachfrage erst die Lieferengpässe schürt. In meinem örtlichen Supermarkt wurde extra Klopapier aus Osteuropa beschafft, als im Frühjahr die Regale leer waren. „Zur Strafe“ oder als erzieherische Maßnahme, ganz wie Sie es sehen wollen, rechnete der Marktleiter die zusätzlichen Beschaffungskosten auf den Endpreis drauf. Gut 5 Euro kostete dann die handelsübliche Packung. Noch im Hochsommer stapelte sich dort das Klopapier aus Osteuropa.

Solidarität belohnt jeden Einzelnen

Die großen Einzelhandelsunternehmen versuchen den Druck rauszunehmen, indem sie die Kunden beruhigen: Ausreichend Lagerbestände seien vorhanden, die Warenversorgung stabil. Ausreichend sind die Bestände aber nur, wenn die Hamsterkäufer-Population klein bleibt.

Kaufland appelliert deshalb an die Vernunft der Verbraucher: „Wenn jeder nur das kauft, was er braucht, ist auch genug für alle da.“ Dem kann ich mich nur anschließen: Seien Sie solidarisch, kaufen Sie nur das, was sie wirklich brauchen. Damit verhalten Sie sich nicht nur uneigennützig, auch Sie selbst profitieren davon. Und zwar in dem Moment, wo die Mehrheit den Appell beherzigt und das Toilettenpapier nicht aus Osteuropa rangeschafft werden muss und für den doppelten Preis angeboten wird.

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