Markus Große Geldermann und seine Schwester Bianca stehen vor den massiven Wasseransammlungen. © Guido Bludau
Auf der Brey/Orthöver Weg

Haus am See? Immobilienbesitzer haben nahe am Wasser gebaut

Anlieger im Neubaugebiet Bückelsberg-Ost glauben, dass sie ein „Haus am See“ gebaut haben. Von überall her komme Wasser. Die Stadt erklärt, woher es kommt - und wie es wieder verschwindet.

Auf einem Feld neben dem Neubaugebiet Bückelsberg Ost in Wulfen sammelte sich nach langanhaltenden Regenfällen im Januar und der Schneeschmelze Mitte Februar viel Wasser auf dem gegenüberliegenden Feld. Im Bereich Orthöver Weg/Auf der Brey bildete sich ein See. Das empfinden einige Anlieger als bedrohlich.

„Teilweise läuft das Wasser schon über die Straße und sucht sich seinen Weg“, sagt Anwohner Markus Große Geldermann, der nun seit drei Jahren zusammen mit seiner Familie dort wohnt.

Erst nach Wochen soll das Wasser wieder abgeflossen sein

„Bereits im September des letzten Jahres hat sich Regenwasser in einem ähnlichen Ausmaß hier gesammelt und ist erst nach Wochen wieder abgeflossen“, berichtet Markus Große Geldermann. Damals sei das Wasser langsam in sein und das Haus seiner Nachbarn gesickert und habe den Keller 20 Zentimeter tief unter Wasser gesetzt. Die Schäden seien bei beiden Parteien gut sichtbar. „Die Farbe bröckelt von den Kellerwänden in den Neubauten.“

Die Stadt bestätigt, dass es Auf der Brey/Orthöver Weg zu Wasseransammlungen gekommen sei. „Es hat aber keinen Überlauf vom Feld über die Straße auf Wohngrundstücke mit vollgelaufenen Kellern gegeben“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne.

Geländetopografie weist Besonderheiten auf

Das Gelände im Neubaugebiet Bückelsberg-Ost weist unbestritten Besonderheiten auf. „Das neu gebaute Teilstück der Straße Auf der Brey hat ein Gefälle vom Orthöver Weg weg, der Acker dagegen hat ein Gefälle in Richtung Orthöver Weg. Dort, wo sich gegenläufige Gefälle treffen, ist es bei der Schneeschmelze in der vergangenen Woche auf gefrorenem Boden zu einem geringfügigen Übertritt des Wassers auf die Straßenfläche gekommen“, erklärt der Stadtsprecher weiter.

Auf dem angrenzenden Feld sammelt sich das Schmelzwasser.
Auf dem angrenzenden Feld sammelt sich das Schmelzwasser. © Guido Bludau © Guido Bludau

Das Wasser sei aber ohne Probleme von der Regenwasserkanalisation aufgenommen. „Die Stadt Dorsten geht davon aus, dass sich ein solches Phänomen auch an anderen Stellen im Stadtgebiet als außergewöhnliches Ereignis bemerkbar gemacht hat“, erläutert Ludger Böhne.

Straße liegt 50 Zentimeter höher als das private Feld

Im Anfangsbereich der Straße „Auf der Brey“ werden Wasseransammlungen sichtbar, weil das neue Teilstück der Straße Auf der Brey im Bereich des Orthöver Weges rund 50 Zentimeter höher liegt als das private Feld. Am 17. Februar, als unser Fotograf vor Ort die Bilder gemacht hat, konnte das Tauwasser auf den noch gefrorenen Böden nicht ausreichend schnell versickern – und hat sich gestaut.

Über die Ablaufrinne nahe der Straßenmitte gelangt das Regenwasser in die Kanalisation.
Über die Ablaufrinne nahe der Straßenmitte gelangt das Regenwasser in die Kanalisation. © Bludau © Bludau

„Bei den vollgelaufenen Kellern dürfte es sich eher um eine grundsätzliche Problematik von Bodenverhältnissen und Grundwasser handeln“, sagt Ludger Böhne. Grundwasserspiegel sollten immer bei Errichtung von Häusern ausreichend durch die Bauherren beachtet werden. Problemen könne man später gegebenenfalls noch durch eine fachgerechte Abdichtung von Kelleraußenwänden begegnen. Die betroffenen Anlieger Auf der Brey haben aufgerüstet: Eine Tiefenpumpe läuft Tag und Nacht und fördert aufsteigendes Grundwasser weg vom Haus.

Wasser von gedüngten Feldern darf nicht in den Kanal gelangen

Regelungsbedarf sieht die Stadt durchaus aus einem anderen Grund: Als in der besonderen Tau-Situation um den 17. Februar herum Wasser auf die Straße lief, erging der Hinweis, dass Wasser von gedüngten Feldern nicht in die Kanalisation laufen dürfe. „Hierzu steht das Tiefbauamt nun im Austausch mit der zuständigen Fachbehörde beim Kreis Recklinghausen.“

Leises Bedauern mischt sich trotz alledem in die Sichtweise der Bewohner: „Hätten wir früher gewusst, dass sich hier regelmäßig Wasser sammelt und uns so viele Probleme beschert, hätten wir anders gehandelt“, sagt Markus Große Geldermann.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel
Freier Mitarbeiter
Als „Blaulicht-Reporter“ bin ich Tag und Nacht unterwegs, um über Einsätze von Polizei und Feuerwehr seriös in Wort und (bewegten) Bildern zu informieren. Dem Stadtteil Wulfen gehört darüber hinaus meine besondere Leidenschaft. Hier bin ich verwurzelt und in verschiedenen Vereinen aktiv. Davon profitiert natürlich auch meine journalistische Arbeit.
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Guido Bludau

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