Hebamme mit viel Herz setzt sich zur Ruhe

Ingelore Lindner

7928 Frauen hat Ingelore Lindner im Laufe ihres Berufslebens vor, während und nach der Geburt ihrer Kinder betreut. Am 23. März setzt sich die Wulfenerin zur Ruhe.

Dorsten

, 05.02.2015, 15:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ingelore Lindner war 46 Jahre als Hebamme in Dorsten, Haltern, Schermbeck und Raesfeld tätig. Jetzt gleitet sie in ihren wohlverdienten Ruhestand.

Ingelore Lindner war 46 Jahre als Hebamme in Dorsten, Haltern, Schermbeck und Raesfeld tätig. Jetzt gleitet sie in ihren wohlverdienten Ruhestand.

Der 64-Jährigen wurde ihr Beruf nicht in die Wiege gelegt. „Reiner Zufall“ sei es gewesen, dass sie sich zur Hebamme ausbilden ließ. In Salzgitter aufgewachsen, besuchte die damals 16-jährige Ingelore eine Pflegeschule: „Eigentlich wollte ich Kinderkrankenschwester werden. Hebamme wurde ich nur deshalb, weil ich von der Hebammenschule als erstes die Zulassung zur Ausbildung bekommen habe“, erinnert sich Lindner.

Jüngste deutschlandweit

Mit 19 Jahren beendete sie ihre „Lehre“ – als jüngste Hebamme deutschlandweit. Zuviel Technik Ihr Weg führte sie dann von Braunschweig an die Vestische Frauenklinik in Gelsenkirchen. Aus der aktiven Geburtshilfe verabschiedete sich die resolute Wulfenerin 1989, weil ihr die zunehmende Technisierung im Kreißsaal nicht zusagte.

Stattdessen widmete sich Lindner dafür ihrem zweiten Standbein, der Geburtsvorbereitung der Frauen sowie deren Nachsorge. „Wir haben 1981 in Wulfen gebaut und gleich den Keller für meine Kurse hergerichtet“, erzählt Lindner. Kurse bot sie aber auch im Haus der Familie und im Paul-Gerhardt-Haus an. So verfügt Ingelore Lindner heute über ein ausgedehntes Frauen-Netzwerk.

Langjährige Kontakte

Denn viele ihrer Kontakte haben weit über die Geburtstermine der Kinder Bestand. Ingelore Lindner: „Ich habe eine Gruppe von Müttern aus Altendorf-Ulfkotte hier gehabt, deren Kinder etwa 16 Jahre alt sind. Da musste dann meine Strick-Gebärmutter zur Aufklärung herhalten“, erklärt die Wulfenerin augenzwinkernd. Diese Gebärmutter, so die 64-Jährige, habe „Kult-Status“: „Mit ihr sind alle meine Frauen vertraut gemacht worden. Die selbst gestrickte Gebärmutter, dazu eine Babypuppe, die mit einer „Nabelschnur“ mit dem puscheligen Uterus verbunden ist, sorgte in all ihren Vorbereitungskursen für eine heitere Atmosphäre, aber auch für anschaulichen Unterricht, was im Körper passiert, wenn sich Babys ihren Weg in die Welt bahnen.

Intime Gespräche

Die vielen Stunden in den Kursen, die intimen Gespräche und die intensiv erlebte gemeinsame Zeit nach der Entbindung schweißen Mütter und Hebamme eng zusammen: „Noch heute werde ich von zahlreichen Frauen angesprochen, deren Kinder längst erwachsen sind“, erzählt Ingelore Lindner. Viele Aha-Erlebnisse verschaffen ihr aber auch die Kinder. So wie ein Steppke aus dem Kindergarten, der Ingelore Lindner keck ansprach: „Dich kenne ich doch. Du hast mir auf die Welt geholfen“ – Ingelore Lindner lacht herzlich, wenn sie so angesprochen wird. Einige wenige Frauen wird sie nach ihrem offiziellen Ruhestand noch auf die Geburt ihrer Kinder vorbereiten: „Ich habe mich seit 2006 Stück für Stück zurückgezogen.“ So fällt der Hebamme die Abnabelung leichter.

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