Heinz Rottmann baute Turmuhr von 1712 nach

Meisterstück entstanden

DEUTEN Der 83-jährige Heinz Rottmann hat eine Uhr gebaut - nach dem Vorbild einer Turmuhr aus dem Jahre 1712 .

von Von Berthold Fehmer

, 02.10.2009, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Uhr von vorn. Auch Zifferblatt und Zeiger stammen aus Rottmanns Werkstatt.

Die Uhr von vorn. Auch Zifferblatt und Zeiger stammen aus Rottmanns Werkstatt.

Der Schlosser und Schmiedemeister Rottmann, der seinen Betrieb 1971 abgab, sägte, feilte und bohrte anschließend jedes der 13 Zahnräder und alle anderen Teile der Uhr von Hand. Ebenso das Zifferblatt und die Zeiger. Nur das Eichengerüst, auf dem die Uhr jetzt im Restaurant Rottmann an der Weseler Straße zu besichtigen ist, stammt vom Nachbarn Gerd Niederhageböck. Dupré stand Rottmann beim Uhrenbau zur Seite, wobei er seine Rolle zurückhaltend mit den Worten beschreibt: „Heinz hat 90 Prozent gemacht, ich habe zu zehn Prozent gemeckert.“ Bereits kurz vor Weihnachten 2008 fing das Herz der Uhr in der Werkstatt Rottmanns zum ersten Mal an zu schlagen. Doch jetzt stand noch die penible Feinjustierung an. Wie weit darf sich das Pendel bewegen? Wie schwer müssen die Gewichte für Geh- und Schlagwerk sein? Da half nur eines: Ausprobieren. Eine zeitraubende Beschäftigung für Rottmann.

Mittlerweile geht die Uhr auf die Minute genau. Allerdings müsste sie alle sechs bis sieben Stunden aufgezogen werden. Denn der 16 Kilogramm schwere Granitblock, der das Gehwerk der Uhr antreibt, kann nicht mehrere, sondern nur etwa einen Meter hochgekurbelt werden. Rottmanns Turmuhr sollte mobil bleiben, deshalb steht sie auf dem Holzständer und hängt nicht in einem Turm. Eine längere Laufzeit hätte man eventuell auch mit einem schwereren Gewicht erreichen können – allerdings wiegt die Uhr auch so schon 80 Kilogramm! Ein ganz besonderes Detail der Uhr ist die Glocke, die selbstverständlich zu jeder vollen Stunde schlägt. Es handelt sich dabei um eine originale Schiffsglocke vom Panzerschiff Admiral Graf Spee, das 1939 vom eigenen Kapitän kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Rio de la Plata vor Uruguay versenkt wurde. Nach einem schweren Seegefecht glaubte die Besatzung sich chancenlos von alliierten Kriegsschiffen eingekesselt. Beim Ausräumen einer Garage in Marienthal hat Rottmanns Schwiegersohn die Glocke entdeckt. Mit der kleinen Glocke wurden unter Deck die Signale der großen Schiffsglocke weitergegeben. Das große Modell steht in einem Museum in Wilhelmshaven. 

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