Hanfried Zöllinger, Marktleiter des Hagebaumarkts, vor einem leergekauften Regal, das bald mit frischer Farbe aufgefüllt wird. © Lydia Heuser
Coronavirus

„Hirnrissig“ – Erst zu, jetzt halb auf: Baumärkte prüfen, wer rein darf

Es ist verwirrend: Haben Baumärkte nun auf oder zu? Die Coronaschutzverordnung gibt Auskunft, wer in den Baumarkt darf. Diese zwei Artikel verkauften sich in Dorsten besonders gut.

Erst hieß es, dass auch Baumärkte vom Lockdown ab 16.12. betroffen sein werden. Dann, am letzten Öffnungstag, erfuhren die Einzelhändler zuerst über die Medien davon, dass Baumärkte wohl doch offen bleiben dürfen.

Aber: Nur Profis, also Menschen, die aus dem Handwerk kommen und Material brauchen, dürfen in die Märkte. Kontrollieren wollen das Dorstens Baumärkte durch das Vorzeigen des Gewerbescheins oder der Kundenkarte für Gewerbetreibende.

400 Weihnachtsbäume an einem Tag verkauft

Die Coronaschutzverordnung ist da eindeutig: „Der Betrieb von Bau- und Gartenbaumärkten ist nur zur Versorgung von Gewerbetreibenden zulässig, anderen Personen darf der Zutritt nicht gestattet werden.“

Für Dorstens Baumärkte kam die Neuigkeit überraschend. Der Hagebaumarkt an der Gottlieb-Daimler-Straße verkaufte Weihnachtssterne und Weihnachtsbäume seit Beginn der Woche zum halben Preis, um die Ware noch rechtzeitig loszuwerden.

400 Nadelbäume gingen allein am Montag über die Ladentheke. „Wir haben seit Montag durchgängig alle fünf Kassen auf“, erzählt Marktleiter Hanfried Zöllinger.

Doch nicht nur Bäume wollen die Dorstener vor dem Lockdown noch kaufen. Besonders beliebt: Brennmaterial, Farben und Tapeten.

Diese Artikel waren vor dem Lockdown besonders begehrt

Am Dienstagmittag ist das Regal mit der guten Standard-Wandfarbe im Hagebaumarkt vorerst leergekauft. „Wir bekommen Nachschub“, beruhigt Geschäftsführer Benjamin Sender.

Geschäftsführer Benjamin Sender hat beobachtet, dass Kunden vor dem Lockdown vor allem Brennmaterial kaufen.
Geschäftsführer Benjamin Sender hat beobachtet, dass Kunden vor dem Lockdown vor allem Brennmaterial kaufen. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Einige seiner Kunden würden schon jetzt den Renovierbedarf einkaufen, weil sie für Anfang des Jahres einen Umzug planen.

Auch Spänebriketts verkaufen sich wie warme Semmeln. „In einem Winter verkaufen wir davon 300 Tonnen. Schon jetzt haben wir nur noch 40 Tonnen“, erzählt Benjamin Sender.

Carsten Fuchs vom Sonderpreis Baumarkt an der Händelstraße fand die anfängliche Idee, Baumärkte, anders als beim ersten Lockdown, komplett zu schließen, „hirnrissig“. „Was machen Sie denn, wenn Oma Lustig noch mit Kohlen heizt und ihr über die Weihnachtsferien das Heizmaterial ausgeht? Wo soll Sie dann welches kaufen?“

So können Kunden trotzdem Waren aus dem Baumarkt kaufen

Immerhin dürfen Kunden wie „Oma Lustig“ telefonisch bestellen und die Ware abholen. Eine hundertprozentige Lösung hat Carsten Fuchs für die Lockdown-Zeit am Dienstagmittag noch nicht parat. Er will schauen, wie sich die Abholer verhalten, ob sich vor dem Markt Schlangen bilden. Dann müsste er seinen Abholservice anpassen.

Im Hagebaumarkt setzt man ebenfalls auf Vorbestellungen. „Wir haben drei Fahrzeuge im Einsatz, mit denen wir liefern können“, so Benjamin Sender. Außerdem wird am Markt eine kontaktlose Abholstation eingerichtet. Die Kernarbeitszeiten der Mitarbeiter werden auf 8 bis 17 Uhr reduziert.

Die Zentrale der Baumarkt-Kette Hellweg konnte bis Redaktionsschluss keine Auskunft über ihren Markt in Dorsten geben. Nur so viel: Der Online-Shop bleibt auch während des Lockdowns bestehen. Ob jedoch die Ware auch am Markt selbst abgeholt werden kann, stand am Dienstagabend noch nicht fest.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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