Holsterhausener kommt mit Freispruch davon

DORSTEN Eine „miese, krankhafte Sache“ sei das Verhalten des Angeklagten gewesen, befand Richterin Regine Heinz, doch verurteilen konnte das erweiterte Schöffengericht den 50-Jährigen dafür nicht.

von Von Michael Klein

, 26.06.2008, 18:11 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Holsterhausener hat vor zwei Jahren einem zwölf-jährigen Mädchen aus der Nachbarschaft Porno-Filme gezeigt. „Natürlich bereue ich, das Mädchen eingeladen zu haben, ich dachte, es sei 14 oder 15 Jahre alt“, erklärte der Angeklagte. „Wir können Ihnen nicht das Gegenteil beweisen“, meinte das Gericht.

Denn auch die Gutachterin, die das Mädchen auf seine Glaubwürdigkeit hin untersucht hatte und keinen Zweifel daran hegte, dass es die Wahrheit sagte, war zu der Einschätzung gelangt, das inzwischen 15-jährige Mädchen sei ihrer normalen körperlichen Entwicklung voraus gewesen. „Wie Ende 13, Anfang 14“, habe das Mädchen im Tatzeitraum auf einem Foto gewirkt. Damit spielte sie unbeabsichtigt dem Angeklagten in die Karten. Denn die strafrechtlich relevante Grenze für solche Vergehen liegt bei 14 Jahren. Bereits nach dem Plädoyer des Staatsanwalts, der ebenfalls Freispruch gefordert hatte („man kann hier keinen Vorsatz nachweisen“), war der Gutachterin die Enttäuschung darüber anzumerken. „Hier geht es um ein Kind, das sich damals wochenlang pornographisches Material anschauen musste, und dann wird da so lapidar darüber hinweggegangen.“

Kumpelig

Das Mädchen hatte den Mann damals des öfteren besucht, um in seiner Wohnung im Internet zu chatten oder sich Filme und Musik herunterzuladen. Als „kumpelig“, beschrieb es im Zeugenstand das damalige Verhältnis zu dem Angeklagten, bis dieser anfing, Gegenleistungen einzufordern. „Er wollte Nacktfotos von mir haben“, sagte sie aus. Der 50-Jährige habe sogar eine Fotomontage angefertigt, auf der ihr Kopf auf einen nackten Frauenkörper gesetzt worden war.

Die Schulter gestreift

Das Verhältnis der beiden kippte zu dem Zeitpunkt, als der Angeklagte ihr die Porno-Streifen zeigte sowie eine selbst aufgenommene Video-Kassette, auf der er sich von seiner schwangeren Ex-Frau oral befriedigen ließ. Dass er dabei der inzwischen 13-Jährigen laut Polizei-Protokoll über die Brust streichelte, widerrief das Mädchen gestern. „Er hat nur den Arm um mich gelegt und mich dabei an der Schulter gestreift“.

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