Hühnermobil und Grillfleischautomat: Alter Hof zu neuem Leben erweckt

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Familie Schirmacher-Rohleder bewirtschaftet seit einem Jahr einen Traditions-Bauernhof in Dorsten. Neben frischen Eiern und Nudeln wächst das Angebot in den Verkaufsautomaten immer mehr.

Dorsten

, 04.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise hat den Appetit seiner Stammkunden auf frische und regionale Produkte direkt vom Hof nicht verhagelt. „Selbst bei drei Grad und Schneeregen standen die Leute kürzlich vor dem Verkaufshaus mit seinen Automaten Schlange“, sagt Steffen Schirmacher-Rohleder. Und das wird angesichts der erwarteten frühsommerlichen Temperaturen in den kommenden Tagen kaum anders sein.

„Wollen Hof zu neuem Leben erwecken“

Ganz im Gegenteil: Denn der Inhaber vom „Hof Föcker-Ulfkotte“ hat vor gut einer Woche einen wohl bestückten Grillfleisch-Automat in Betrieb genommen. „Teil unserer Sortimentserweiterung, die wir nach und nach anstreben“, sagt Steffen Schirmacher-Rohleder. „Denn wir wollen den Hof zu neuem Leben erwecken.“

Vor gut anderthalb Jahren hat er das auf einem 8000 Quadratmeter großen Grundstück stehende und gut 120 Jahre alte Traditionsgehöft am Achterfeld 103 in Altendorf-Ulfkotte erworben.

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Hier betreibt er mit seiner Ehefrau Britta auch Landwirtschaft: Das neue Eigentümer-Ehepaar mit seinen drei Kindern setzt dabei auf Geflügelhaltung. 450 Hühner sorgen täglich dafür, dass die Eier-Kartons und der Eier-Automat gefüllt sind.

Hühnerstall auf Rädern

Die Schirmacher-Rohleders haben sich dafür eigens eine Eier-Sortiermaschine angeschafft - und einen riesigen Hühnerstall auf Rädern. Mit diesem „Hühnermobil“ wird das Federvieh regelmäßig über die angepachteten 20.000 Quadratmeter-Freiflächen kutschiert.

Die Hühner werden im mobilen Hühnerstrall über die Wiese gezogen und finden so immer ein frisches Stück Wiese.

Die Hühner werden im mobilen Hühnerstrall über die Wiese gezogen und finden so immer ein frisches Stück Wiese. © Privat

„Damit die Hühner immer wieder auf ein neues und frisches Stück Wiese umziehen können“, erklärt Steffen Schirmacher-Rohlede. Auf der Facebook-Seite im Internet findet sich ein Video, das zeigt, wie morgens die Bodenklappe am Stall aufgeht und die Tiere ins Freie hüpfen.

Rewe-Supermarkt verkauft Eier

Mittlerweile verkauft auch ein Rewe-Supermarkt in Recklinghausen die Freilandeier. „Wir haben noch mehr Händler-Anfragen bekommen, aber unsere Hennen sind ausgelastet“, so der Hofeigentümer. „Deswegen sollen demnächst 1400 Hühner dazu kommen.“

Aus den eigenen Eiern lässt die Familie in einem auswärtigen Produktionsbetrieb seit ein paar Wochen auch Eiernudeln herstellen. „Kein Eipulver, keine Zusatzstoffe“, betont Schirmacher-Rohleder.

Von 7 bis 21 Uhr geöffnet

Die Nudeln sind ebenso im Verkaufshaus, das jeden Tag von 7 bis 21 Uhr geöffnet ist, erhältlich wie neuerdings auch frische Milch- und Joghurt-Produkte vom Milchbauern Billmann aus Waltrop oder regionale Quinoa-Produkte aus dem Münsterland.

Der Grillfleischautomat ist immer gut bestückt.

Der Grillfleischautomat ist immer gut bestückt. © Privat

Und nun auch Grillfleisch aus dem Automaten, den Steffen Schirmacher-Rohleder - einer der treibenden Kräfte im Verein „Altendorf trifft sich“ - von der Altendorfer „Muehlbachranch“ übernommen hatte.

16 unterschiedliche Produkte finden sich in den Fächern, von Grillwurst über Nackensteaks bis hin zu Hähnchenfleisch, alles geliefert von der heimischen Metzgerei Bellendorf in Lembeck.

„Bitte einzeln eintreten“

Viele Kunden werden sich jetzt angesichts der erwarteten Temperaturen mit Fleisch eindecken, um auf Balkon, Terrasse oder im eigenen Garten im kleinstem Kreis zu grillen. „Aufgrund der aktuellen Situation bitten wir die Kunden, einzeln in den Verkaufsraum zu gehen und draußen den nötigen Abstand einzuhalten“, so Schirmacher-Rohleder. „Desinfektionsmittel hängt am Waschbecken.“

Für die Kinder von Kunden hat er übrigens immer ein paar gefüllte Gläser mit Körnern im Verkaufshäuschen stehen: „Die freuen sich, wenn sie damit unserer Hühner füttern können.“

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Der Hof ist übrigens ein reiner Familienbetrieb, Angestellte gibt es nicht. Für den Geschäftsführer des Dünger-, Energie- und Logistik-Unternehmens „Odas Gmbh“ ist die frühmorgendliche und abendliche Landwirtschaft ein „schöner Ausgleich“.

Und derzeit ist Steffen Schirmacher-Rohleder sogar noch näher dran am Hofgeschehen. „Auch Odas arbeitet, so gut es geht, im Homeoffice.“

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