Schüler einer 5. Klasse lernen mit iPads im Englischunterricht (Symbolbild). In Dorsten können längst noch nicht alle Kinder teilnehmen, weil sie kein Tablet haben. © picture alliance/dpa
Digitaler Unterricht

Hunderte Dorstener Schüler haben kein iPad für digitalen Unterricht

Die Corona-Pandemie hat den Unterricht an Schulen komplett auf den Kopf gestellt. Digitaler Unterricht wird vielerorts erteilt. Aber nicht alle Kinder in Dorsten haben was davon.

Im Gymnasium Petrinum sind nur noch einige wenige Schüler präsent. Der Rest nimmt zu Hause am Bildschirm am Unterricht teil. Schulleiter Markus Westhoff nannte am Montag im Schulausschuss beeindruckende Zahlen. Demnach kommen wegen der Corona-Pandemie zurzeit nur noch 14 Kinder und Jugendliche zur Schule. Der Rest (936 Schülern) lernt zu Hause am Bildschirm.

Mutmaßlich mehr als 800 Kindern in Dorsten ist diese Form des digitalen Unterrichts noch fremd. Die Schüler warten auf die Lieferung eines Leih-iPads. Und das könne noch eine Weile dauern, wie Schuldezernentin Nina Laubenthal sagte: „Es gibt leider kein konkretes Datum. Wir werden uns weiter gedulden müssen.“ Denn vor Dorsten sei erst einmal Dortmund mit der Belieferung von iPads an der Reihe.

Bei einer Umfrage unter Eltern und Kindern in Dorsten hat die Dorstener Schulverwaltung den Bedarf an Tablets ermittelt. Demnach könnten es bis zu 879 Kinder sein, die in ihren heimischen vier Wänden mutmaßlich kein Endgerät haben, so Schulamtsleiterin Susanne Diericks.

Wie groß ist der Bedarf wirklich?

Ob der Bedarf aber wirklich so groß ist? „Eltern unterschreiben eine Nutzungsvereinbarung mit dem Schulträger und müssen darlegen, dass dem Kind im häuslichen Umfeld kein Endgerät zur Verfügung steht“, sagte Diericks auf Anfrage der Dorstener Zeitung. Es sei nicht auszuschließen, dass die eine oder andere Familie noch abspringe.

Die Stadt Dorsten als Schulträgerin verleiht die iPads an die Schulkinder. Aber erst, wenn die Eltern eine Nutzungsvereinbarung unterschrieben haben. Im Schadensfall müssen sie für den Gebrauch der kostspieligen Endgeräte geradestehen.

Ein iPad kostet zirka 500 Euro

Die Stadt hat 426.395,60 Euro Fördermittel für die Anschaffung der Dorstener iPads vom Land bekommen. Die Fördermittel dividiert durch die Kosten für ein iPad (zirka 500 Euro) ergeben „879 schulgebundene mobile Endgeräte“.

Kinder, die diese iPads noch nicht haben oder in der Wohnung ihrer Eltern keinen Zugriff auf einen Computer, werden selbstverständlich auch ohne iPad unterrichtet. „Sie bekommen ihr Unterrichtsmaterial weiterhin in Papierform zur Verfügung gestellt.“

Der digitale Unterricht ist wohl auch nicht in jeder Familie das Mittel der Wahl. Während das Petrinum fast alle Schüler auf diesem Weg erreicht, sieht das an einigen Grundschulen völlig anders auch.

60 Prozent der Kinder kommen weiterhin zur Schule

Die Sprecherin der Grundschulen, Ulrike Goliath, sagte, dass Kinder mit mobilen Endgeräten eher vom „Lernen auf Distanz“ Gebrauch machten. Das sei schon beim ersten Lockdown so gewesen. Allerdings gebe es auch Kinder, die im eigenen Zuhause nicht lernen könnten. „60 Prozent kommen weiterhin zur Schule.“

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Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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