Die neue Fußgängerzone in der Dorstener Altstadt ist fertig, die Coronakrise setzt dem Handel aber enorm zu. Die IHK hat an zwei Tagen gezählt, wieviele Menschen in der Innenstadt unterwegs sind. © Stefan Diebäcker
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IHK-Zählung: Eine Einkaufsstraße in Dorsten ist der Corona-Verlierer

Wegen der Coronakrise kommen weniger Kunden in die Dorstener Innenstadt. Das ist nicht überraschend, doch eine Frequenzzählung der IHK offenbart erstaunliche Details.

Alle zwei Jahre misst die IHK Nord Westfalen die Kundenfrequenz in der Dorstener Innenstadt. Im „Corona-Jahr“ 2020 hatte sie zwar zunächst daran gedacht, den Rhythmus aufzugeben, aber dann wurde im September in der Recklinghäuser- und der Lippestraße doch gezählt. „Zu dem Zeitpunkt war ein positiver Trend im Vergleich zu den Vormonaten erkennbar“, erklärt IHK-Sprecher Christian Paasche.

Passantenzahl gegenüber 2018 fast halbiert

Von einem „Einkaufserlebnis“ wollen weder Geschäftsleute noch Kunden in Coronazeiten sprechen. Das macht sich vor allem am wichtigsten Tag der Woche, dem Samstag, bemerkbar. Binnen einer Stunde hat die IHK an einem solchen Tag im September 1175 Menschen in der Recklinghäuser Straße gezählt, das sind etwa 900 oder fast die Hälfte weniger als vor zwei Jahren. Die Lippestraße (1077) indes hat laut IHK kaum Passanten verloren.

Christian Paasche erklärt: „Abstands- und Hygieneregeln sowie die Maskenpflicht schränkten das Shopping-Erlebnis deutlich ein. Am Donnerstag fällt dies im Vergleich zum Samstag nicht so eindeutig aus.“

Donnerstags kommen sogar mehr Kunden

Tatsächlich: An einem Donnerstag im September, ebenfalls mit Wochenmarkt, kamen zwar deutlich weniger Menschen in die Dorstener Altstadt als am Samstag, aber sogar mehr als vor zwei Jahren an einem Donnerstag. 573 waren es diesmal binnen einer Stunde auf der Recklinghäuser Straße (2018: 552), auf der Lippestraße waren es 483 Passanten (2018: 465).

Dorsten ist da kein Einzelfall. „Das hat mit dem veränderten Einkaufsverhalten in Zeiten von Corona zu tun“, sagt Paasche. „Viele Menschen meiden frequentierte Lagen oder nutzen das Homeoffice, um zwischendurch einen Einkauf zu erledigen, den sie vom Büro aus nicht machen könnten.“ Und dann müssen sie am Samstag nicht mehr vor die Tür deswegen.

Das Lichternetz auf dem Marktplatz  in Dorsten
Das Lichternetz auf dem Marktplatz und beleuchtete Sterne aus Tannengrün in der Fußgängerzone sollen wenigstens ein bisschen Weihnachtsatmosphäre in die Altstadt bringen. © Stefan Diebäcker © Stefan Diebäcker

Klar, jede Zählung ist nur eine Momentaufnahme, deren Ergebnisse durch das Wetter, Anlässe oder örtliche Besonderheiten sowie durch die aktuelle Corona-Pandemie beeinflusst werden. Die Zahlen werden aber aus Sicht der IHK wertvoller, wenn man sie langfristig betrachtet und mit anderen Städten vergleicht. Auffällig dabei: Die Recklinghäuser Straße ist samstags immer noch die zweitbeliebteste Einkaufsstraße im ganzen Kreisgebiet, die Lippestraße landet auf Platz sechs von 20 Messpunkten. Donnerstags sind beide Straßen nur im Mittelfeld zu finden.

Für die nächsten Wochen malt der IHK-Experte ein eher düsteres Bild: „Durch die erneuten Beschränkungen im öffentlichen Raum sowie die Schließung von Gastronomie, Freizeit- und Kulturangeboten ist eine weitere Erholung der Frequenzen auch im Weihnachtsgeschäft nicht zu erwarten“, glaubt Christian Paasche.

In einer Artikel-Serie beleuchten wir in den nächsten Wochen die Situation im Handel in Dorsten, fragen Kaufleute und Kunden und berichten über neue Entwicklungen.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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