Immer mehr bösartige Erkrankungen an der Bauchspeicheldrüse

Hintergrund

Drei Gründe, warum die Zahl der Pankreas-Krebsfälle in zehn Jahren um 33 Prozent gestiegen ist.

Dorsten

, 27.04.2019 / Lesedauer: 3 min
Immer mehr bösartige Erkrankungen an der Bauchspeicheldrüse

Professor Waldemar Uhl operiert mit seinen Kollegen vom St.-Josef-Hospital im Jahr rund 320 Patienten an der Bauchspeicheldrüse. © Jennifer Uhlenbruch

Erkrankungen an der Bauchspeicheldrüse nehmen in den Industrieländern weltweit deutlich zu. 2004 erkrankten in Deutschland laut Robert-Koch-Institut 12.900 Menschen neu an Bauchspeicheldrüsenkrebs, 2014 waren es 17.100, ein Zuwachs von 33 Prozent. In den USA betrug der Zuwachs sogar 44 Prozent. Ein Grund: „Der sogenannte Live-Style. Unser Kühlschrank ist immer voll und es wird zu fett- und kohlenhydratreich gegessen“, sagt Professor Waldemar Uhl.

Das belastet die Bauchspeicheldrüse, die so viel zu viel arbeiten muss. „Aus einer ständigen Überstimulation können Tumoren entstehen.“ Eine Studie in Singapur zeigt, dass das Risiko von Bauchspeicheldrüsenkrebs durch die zuckerhaltigen Softdrinks stark erhöht werden kann, so Uhl weiter. Auch Rauchen und Alkoholkonsum sind Risikofaktoren.

Babyboomer-Jahrgänge kommen ins gefährliche Alter

Die bessere Diagnostik führt ebenfalls dazu, dass mehr Pankreas-Karzinome erkannt werden, die Zahl der registrierten Betroffenen also steigt. Der dritte Grund ist die Demografie. „Die Babyboomer-Jahrgänge sind jetzt in einem Alter, in dem Bauchspeicheldrüsenkrebs häufig auftritt – das mittlere Erkrankungsalter liegt zwischen 62 und 76 Jahren.“ Die Zahl der Fälle steigt mit zunehmendem Alter noch weiter an. „Jenseits von 75 Jahren liegt die Erkrankungshäufigkeit bei 100 von 100.000 Einwohnern, sodass aufgrund der Alterspyramide mit immer mehr Betroffenen gerechnet werden muss“, sagt Professor Uhl.

Bauchspeicheldrüsenkrebs an vierter Stelle

Der Bauchspeicheldrüsenkrebs steht heute in der Krebstodesursachen-Statistik an vierter Stelle; in den vergangenen zehn Jahren wurde eine Zunahme des bösartigen Bauchspeicheltumors um mehr als 40 Prozent beobachtet. „Wenn man das hochrechnet, wird 2030 jeder zweite Krebstote an diesem Krebs gestorben sein. Das gilt es zu verhindern“, sagt Professor Waldemar Uhl.

In drei bis fünf Jahren gibt es Marker

Intensiv geforscht wird derzeit an spezifischen Markern, die den bösartigen Tumor bereits früh im Blut und Gewebe nachweisen und neue Therapieansätze ermöglichen sollen. „In Kombination mit dem bereits eingesetzten unspezifischen Marker würde ein bösartiger Tumor dann in mehr als 90 Prozent nachweisbar sein“, sagt Uhl, der mit dem St.-Josef-Hospital an den Studien beteiligt ist. In drei bis fünf Jahren, so schätzt er, stünden diese Marker zur Verfügung.

Erforscht werden auch Medikamente, die direkt in die Zelle eingreifen, den Tumor hemmen oder sogar absterben lassen. Außerdem hat eine Studie gezeigt, dass eine dosiert gesteigerte Chemotherapie bei tolerablen Nebenwirkungen das Überleben nach einer Operation steigern kann. Auch der Sandwich-Ansatz – erst Chemotherapie, dann OP, dann wieder Chemotherapie – „hat große Hoffnungen geweckt“, so Professor Uhl.

Etwas tun für innere Stärke und Gesundheit

Wichtig sei auch die Komplementärmedizin. „Ich war immer schon begeistert davon, weil ich von Anfang an die Erfahrung gemacht habe, dass Menschen, die nebenbei noch etwas für ihre innere Stärke und Gesundheit tun, besser zurechtkommen, als solche, die zu mir kommen und sagen: Ich leg mich jetzt hier auf den OP-Tisch und mach mal.“

Für Menschen mit Erkrankungen an der Bauchspeicheldrüse und deren Angehörige, Interessierte, Ärzte findet vom 3. bis zum 5. Mai das 53. Bundestreffen der Patientenorganisation „Arbeitskreis der Pankreatektomierten“ (AdP) in Bochum statt. Die Fortschritte in der Therapie und die Probleme um die Erkrankung (Ernährung, Verdauung, Diabetes, Folgen der OP) werden unter anderem Thema sein. Der Haupttag des Treffens ist der 4. Mai (Samstag). Ab 9 Uhr werden Experten im RuhrCongress Bochum, Stadionring 20, Vorträge halten, es gibt Gesprächsrunden und Diskussionen. Auch Rolf Zimmermann wird als Mutmacher dabei sein. Alle Informationen zum Ablauf des Treffens sowie ein Anmeldeformular gibt es (unter dem Punkt „Aktuelles“) auf der Internetseite
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