In einigen Ländern, wie hier in Isreal, wird der von der Mainzer Firma Biontech und dem amerikanischen Pharmakonzern Pfizer entwickelte Impfstoff schon angewendet. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Personen auch hierzulande geimpft werden. © dpa
Coronavirus

Impfung: Nach Weihnachten wahrscheinlich in vier Einrichtungen im Kreis

Ab dem 27. Dezember sollen die ersten Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen geimpft werden. Anfangs stehen dem Kreis nur wenige Dosen zur Verfügung. Wer bekommt den Vorzug?

Noch dieses Jahr sollen die Impfdosen im Kreis Recklinghausen an Menschen in Alten- und Pflegeeinrichtungen verabreicht werden. Der Bund verteilt die Impfdosen an die Länder, dort wird er den einzelnen Impfzentren zugewiesen.

Das Impfzentrum für den Kreis Recklinghausen steht und ist seit dem 15. Dezember betriebsbereit.

Kreis soll fünf Heime benennen, die zuerst Impfungen erhalten

Doch vorerst bleibt das Zentrum ungenutzt, denn die ersten Impfungen werden in den Einrichtungen selbst stattfinden. Kreisverwaltung und infrage kommende Einrichtungen sind momentan in einem „engen Abstimmungsprozess“, so Kreissprecherin Svenja Küchmeister.

Das Land NRW habe Kreise und Städte aufgefordert, je fünf Einrichtungen zu benennen, die „bereit wären“ ab dem 27. Dezember gegen Corona impfen zu lassen. Schon vor dieser Aufforderung hat die Kreisverwaltung mit den Einrichtungen über eine mögliche Reihenfolge gesprochen.

Welches Alten- oder Pflegeheim nun tatsächlich im Kreis den Anfang machen wird, vermag die Kreissprecherin nicht zu sagen. „Jede Einrichtung entscheidet selbst, ob sie öffentlich machen will, dass bei ihnen bald geimpft werden könnte beziehungsweise wird.“ Es kristallisiere sich aber heraus, dass „wahrscheinlich vier Einrichtungen plus eine in Reserve“ zuerst mit dem Impfstoff beliefert werden. Wie viele Einrichtungen den Impfstoff erhalten, hängt von der noch nicht bekannten Menge ab, die zur Verfügung steht, und von der Anzahl der Impfwilligen in den Einrichtungen.

Die Zulassung hat der Impfstoff am Montagnachmittag (21.12.) in Europa erhalten. Die Laster können nun die Verteilung der Impfdosen von Belgien aus starten. Von einem zentralen Lager in NRW werden dann die ersten Einrichtungen direkt beliefert sowie die Impfzentren.

In zentralen Standorten muss der Impfstoff bei minus 70 Grad gelagert werden. Komme er zur Anwendung, könne er fünf Tage bei Kühlschranktemperatur gehalten werden, erklärte Biontech-Chef Uğur Şahin der Nachrichtenagentur Reuters.

Wer führt die Impfungen durch?

Bevor tatsächlich geimpft werden könne, müssten noch viele Dinge geklärt werden. „Das ist eine total sportliche Nummer“, meint Kreissprecherin Svenja Küchmeister zu dem straffen Zeitplan. Manch ein Bewohner hat vielleicht einen gesetzlichen Betreuer, der der Impfung zustimmen muss.

Außerdem müssten KVWL, Kreisverwaltung und Einrichtung abstimmen, wer die Impfungen überhaupt durchführt.

Das könnten sowohl die mobilen Teams sein, um die sich Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe kümmert, oder aber die Ärzte, die ohnehin die Heimbewohner der über 1.600 Heime in Westfalen-Lippe betreuen.

Über 12.000 Freiwillige haben sich als medizinisches Personal der Impfzentren zur Verfügung gestellt. Die eine Hälfte seien Ärzte, die andere Hälfte medizinisches Fachpersonal, also etwa Sanitäter oder Rettungsassistenten, so KVWL-Sprecherin Heike Achtermann.

Die Kreisverwaltung legt die Reihenfolge fest

Der Kreis als koordinierende Einheit erfasst nun, wie viele Impfdosen je Einrichtung benötigt werden und in welcher Reihenfolge geimpft wird. Diese Informationen gehen dann an die Ärztliche Leitung des Impfzentrums, denn die mobilen Teams sind Teil des Impfzentrum-Personals.

Die Termine stimmen „die koordinierende Einheit des Impfzentrums sowie die Einrichtung“ gemeinsam ab, erklärt Heike Achtermann. Für die „erforderlichen räumlichen und einrichtungsinternen Prozesse zur Gewährleistung eines reibungslosen Impfablaufs“ sei die Einrichtung selbst verantwortlich.

Das Impfzentrum des Kreises auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Recklinghausen steht. Dieses Jahr wird hier voraussichtlich aber niemand mehr geimpft.
Das Impfzentrum des Kreises auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Recklinghausen steht. Dieses Jahr wird hier voraussichtlich aber niemand mehr geimpft. © Julia Dziatko (A) © Julia Dziatko (A)

Der Biontech/Pfizer-Impfstoff, der zuerst in Deutschland verwendet werden wird, bestehe aus verschiedenen Komponenten, erklärt Heike Achtermann. Sobald diese zusammengerührt seien, sei das Vakzin sechs bis sieben Stunden einsatzbereit. Das Zusammenführen der Komponenten werde vermutlich vor Ort in den Einrichtungen erfolgen. Das heißt, dass die Alten- und Pflegeheime, die sich zum Impfen zur Verfügung stellen, passende Räumlichkeiten vorhalten müssen.

Wann öffnet das Impfzentrum seine Pforten?

Menschen, die zur Prioritätsstufe eins gehören, jedoch nicht in einer Pflegeeinrichtung leben oder arbeiten, müssen sich noch gedulden. Die Impfzentren selbst, so nimmt Heike Achtermann an, werden frühestens ab dem 4. Januar 2021 zum Einsatz kommen. Dann aber vermutlich vorerst nur mit einer Impfstraße.

Viel Impfstoff wird der Kreis Recklinghausen ohnehin vorerst nicht erhalten. Svenja Küchmeister spricht auf Anfrage von „einer überschaubaren Menge“, die vermutlich dem Kreis bereitgestellt würde.

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Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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