Imping investiert in der Coronakrise - und sahnt Bestnoten ab

mlzBäckerei Imping

Eine Brotprüfung ist hartes Brot. Wie die Coronakrise. Jeder Fehler wird bestraft. Julia Imping wurmt das, aber meistens freut sie sich. Über sehr gute Noten und neue Investitionen.

Dorsten

, 25.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Nacht war lang für Julia Imping. Die vier neuen Backöfen sind erstmals in Betrieb genommen worden, da war die Chefin schon um 23 Uhr und noch früher als sonst in der Backstube. „Es hat alles funktioniert“, sagt sie am nächsten Vormittag zufrieden. Brote und andere Backwaren waren pünktlich in den Filialen von Dorstens größter Bäckerei.

Brotprüfungen in Zeiten von Corona

Zuverlässigkeit ist wichtig, Qualität auch. Die hat sich die Bäckerei Kleinespel & Imping gerade wieder attestieren lassen bei der alljährlichen Brotprüfung. „Eine besondere Prüfung war das“, sagt Julia Imping und meint damit nicht nur das überragende Ergebnis: 14 Brotsorten erhielten die Note „sehr gut“, sieben weitere die Note gut. Zweimal gab es außerdem „Gold“: Das Kerni und das Frühlingsbrot bekamen zum dritten Mal die Bestnote.

„Besonders“ war die Prüfung aber auch wegen der Corona-Bedingungen. Nur drei Backbetriebe hatten sich diesmal dem strengen Test unterzogen, neben Julia Imping noch ihre Kollegen Theo Sanders (Dorsten/Haltern) und Olaf Zimmerling (Oer-Erkenschwick). „Wir Bäcker gehen derzeit wenig raus“, äußert Julia Imping, die seit Jahresbeginn Obermeisterin der Bäckerinnung Vest und Nachfolgerin ihres Vaters Hermann ist, Verständnis. „In einem Handwerksbetrieb wird jede helfende Hand gebraucht, da will man kein Risiko eingehen.“

Bei der sensorischen Brotprüfung werden die Backwaren mit allen Sinnen getestet.

Bei der sensorischen Brotprüfung werden die Backwaren mit allen Sinnen getestet. © privat

In den vergangenen Jahren waren die Brotprüfungen nicht nur besser besucht, sondern auch öffentlich. Da konnten die Kunden beispielsweise in den Mercaden mitverfolgen, wie die Prüfer die dargebotenen Brote aufschneiden, streicheln und drücken, an ihnen schnuppern und sie natürlich auch verkosten.

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Gute Werbung für das Bäckerhandwerk sind solche Veranstaltungen, weil die meisten Brote trotz strenger Bewertungskriterien „sehr gut“ sind. „Schon der kleinste Fehler kostet einen Punkt, und dann ist das Brot nur noch gut“, erklärt Julia Imping. Sie wurmt so ein Urteil und bespricht die Ergebnisse später im Team.

Wenn beispielsweise das Kraftkornbrot etwas länger im Gärschrank geblieben wäre, bevor es in den Ofen kommt, hätte es es weniger Poren an der Kruste gehabt: „Der Kunde merkt das nicht unbedingt“, gibt Julia Imping zu, „der Fachmann aber schon.“

Neue Arbeitsabläufe, zurückhaltende Kunden

„Gemerkt“ haben alle Bäckereien indes die Coronakrise, obwohl sie ja als „systemrelevant“ eingestuft wurden. Die angeschlossenen Cafés durften wochenlang nicht öffnen, die Kunden verhielten sich insgesamt zurückhaltend. „In manchen Filialen hatten wir nur eine Verkäuferin, wo es sonst fünf sind“, sagt Julia Imping.

Auch die Abläufe im Backbetrieb haben sich geändert. „Wir arbeiten im Zwei-Schicht-Betrieb, haben getrennte Aufenthalts- und Personalräume“, erklärt Julia Imping. „Die Verkäuferinnen bleiben möglichst als Team zusammen und wechseln nicht die Filiale.“

Trotz der enormen Umsatzeinbußen hat sich die Bäckerei Kleinespel & Imping zu Investitionen entschlossen. „Wer nicht mitzieht, läuft hinterher“, sagt die Chefin. Nachdem die vier neuen Öfen in Betrieb gegangen sind, wird nun mit Hochdruck an einer neuen Wärmerückgewinnungsanlage gearbeitet.

25 Brotsorten hat die Bäckerei Imping & Kleinespel im Sortiment. Das vielfach ausgezeichnete Frühlingsbrot soll bald einen neuen Namen bekommen. Bei einem Gewinnspiel dürfen die Kunden ab Oktober Vorschläge machen.
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