In der Corona-Krise ist der Ordnungsdienst nicht nur Aufpasser

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Seit drei Wochen gilt das verstärkte Kontaktverbot. Der Kommunale Ordnungsdienst in Dorsten ist deshalb aufgestockt worden, doch wieviel Kontrolle ist überhaupt nötig? Eine Momentaufnahme.

Dorsten

, 14.04.2020, 09:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Miriam Müller* und Heiko Schmidt* sind ein eingespieltes Team. Seit drei Wochen sind sie gemeinsam in Dorsten auf Streife. Sie tragen dunkelblaue Jacken mit der Aufschrift „Ordnungsamt“.

Für Miriam Müller ist das als Mitarbeiterin des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) die normale Dienstkleidung, für Heiko Schmidt nicht. Er ist Saunameister im Atlantis und einer von mehr als 20 Freiwilligen, die in Dorsten mittlerweile mithelfen, nach dem Rechten zu sehen.

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Es ist Markttag in der Altstadt. „Früher“ war dann eine Menge los in der Fußgängerzone. Jetzt ist der Andrang sehr überschaubar. Für Miriam Müller und Heiko Schmidt macht das die Arbeit einfacher. „Wir schauen, ob die Abstände eingehalten werden, wieviele Menschen sich in den Geschäften aufhalten und wie das Allgemeinverhalten ist“, erklärt Miriam Müller.

„Es gibt noch viel Aufklärungsbedarf“

Das klingt nicht nur einfach, es ist meist tatsächlich so: „Die Geschäftsleute sind unglaublich bemüht, die Auflagen einzuhalten. Und auch die allermeisten Kunden sind sehr verständnisvoll“, sagt Miriam Müller. Verbale Konflikte hatte sie in den letzten Wochen nicht, „aber es gibt immer noch viel Aufklärungsbedarf“.

Eine Passantin möchte wissen, ob die Eisdiele am Marktplatz überhaupt Eis verkaufen dürfe, wo doch vor der Tür eine Baustelle mit viel Staubentwicklung sei. „Ja“, erklärt Miriam Müller, „das hat mit der Baustelle nichts zu tun. Wichtig ist, dass die Abstände eingehalten werden und das Eis in mindestens 50 Metern Entfernung gegessen wird.“

Solche Gespräche gibt es sehr häufig, bestätigt die KOD-Mitarbeiterin. Immer wieder gebe es Verunsicherung, aber auch den Willen, in der Corona-Krise nichts falsch zu machen. Denn das könnte mit Blick auf den Bußgeldkatalog teuer werden. Deshalb fragt auch der Inhaber eines Schlüsseldienstes sicherheitshalber nach, ob er auf vielfachen Wunsch sein kleines Ladenlokal öffnen dürfe.

„Das ist absolut in Ordnung, wenn er sie nicht in den Laden lässt, sondern an der Tür bedient“, sagt die Expertin. „Er ist Dienstleister, aber er muss sich natürlich auch an die Vorschriften halten.“

Mehr Ansprechpartner als Aufpasser

Miriam Müller und ihr derzeitiger Kollege werden offenbar weniger als Aufpasser, sondern als Ansprechpartner wahrgenommen. Es wird gegrüßt, zugewunken, auch mal gelacht. „Wir haben natürlich zwei Gesichter, aber primär sind wir für die Bürger da, wenn es Fragen gibt, wenn wir helfen können.“

Den drei Autofahrern, die ihren Wagen unerlaubt in der Hühnerstraße abgestellt hatten, war allerdings nicht mehr zu helfen. Parken in der Fußgängerzone – das kostet auch in der Corona-Krise 30 Euro. „Wir suchen nicht nach solchen Verstößen“, sagt Miriam Müller, „aber wir schauen auch nicht weg.“

*Namen auf Wunsch geändert

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