Industriepark Große Heide: „Umweltschädlich und nicht zukunftsweisend“

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NABU und BUND haben gemeinsam eine Stellungnahme zum geplanten Industriepark Große Heide in Wulfen bei der Stadt Dorsten eingereicht. Das kritisieren die Naturschützer am Vorhaben.

Wulfen

, 03.11.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der ehemaligen Zechenfläche in Wulfen soll ein Industriepark entstehen. Die RAG Montan Immobilien möchten auf 32 Hektar Gewerbe und Industrie ansiedeln; das Gebiet befindet sich südlich der B 58 und umfasst 17 Hektar der ehemaligen Schachtanlage Wulfen sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen im Norden und Osten (etwa 15 Hektar).

Der Industriepark soll größer werden als das ehemalige Zechengebiet

Bevor der Bebauungsplan (B-Plan) aufgestellt werden kann, müssen das Beteiligungsverfahren abgeschlossen und alle Einwände bearbeitet werden. Der NABU-Ortsverband Dorsten und die BUND-Ortsgruppe Westliches Vest haben gemeinsam eine sechs Seiten umfassende Stellungnahme bei der Stadt Dorsten eingereicht.

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Sie kritisieren verschiedene Punkte des Bebauungsplans Nr. 181 und halten das Projekt für „umweltschädlich und nicht zukunftsweisend“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Dr. Jörg Meinecke, Kreiskoordinator für Beteiligungsverfahren des NABU, findet, dass im Bebauungsplan so manches schöngerechnet werde. Beispielsweise sei immer die Rede von einem Industriepark auf einer ehemaligen Zechenfläche. „Der Industriepark soll aber doppelt so groß werden“, stellt er klar.

Fast 30.000 Waldfläche werden in Dorsten verschwinden

Unter anderem werden 29.600 Quadratmeter Wald für den neuen Industriestandort umgewandelt. Im Bebauungsplan wird ausdrücklich auf die Definition von Wald nach dem Bundeswaldgesetz (BWaldG) hingewiesen, nachdem Wald auch sonstige „mit Forstpflanzen bestockte Grundfläche“ meint. Zum Ausgleich wird die doppelte Fläche an anderer Stelle aufgeforstet. Im Grunde ein gutes Prinzip. Die Naturschutzverbände sehen darin jedoch einen „grünen Ablasshandel“.

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Dr. Jörg Meinecke ist Kreiskoordinator für Beteiligungsverfahren des NABU und kritisiert die Bebauungsplanung für den Industriepark Große Heide.

Dr. Jörg Meinecke ist Kreiskoordinator für Beteiligungsverfahren des NABU und kritisiert die Bebauungsplanung für den Industriepark Große Heide. © Privat

Der Wald soll nicht etwa in Dorsten entstehen, sondern im 50 Kilometer Luftlinie entfernten Unna. „An sich könnte man sagen, ist doch egal, wo der Wald aufgeforstet wird“, so Jörg Meinecke. Für das Mikroklima der Stadt ist es jedoch von Nachteil, wenn scheibchenweise Grünfläche überbaut und nicht an anderer Stelle im Stadtgebiet ausgeglichen werde.

Infrastrukturelle Anbindung steht im Widerspruch zu EU-Klimazielen

Der Standort abseits vom Zugang zu Kanal- und Schienennetz „steht im krassen Widerspruch zu den Klimazielen der EU sowie der Bundesregierung und hat im Zeichen der unausweichlichen Verkehrswende keine Zukunft“, heißt es in der Pressemitteilung. Das Industriegebiet an der Lünsingskuhle habe hingegen „durchaus eine Zukunftsperspektive“, so Meinecke. Dort gebe es Zugang zum Hafen, Schienen- und Straßenanbindung. „Zur Großen Heide kommt man nur über die B 58.“

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Der zu erwartende Lkw-Verkehr werde zu einem „erheblichen CO2-Ausstoß“ führen. Die Feinstaubbelastung der prognostizierten 800 Lkw- und 1400 Pkw-Fahrten pro Tag weckte bereits bei den Anwohnern Ängste. Stadtbaurat Holger Lohse wies die Sorgen bei der Wulfenkonferenz im Februar zurück.

Industriepark wird nicht viele Arbeitsplätze schaffen

Die Naturschützer bezweifeln in ihrer Stellungnahme darüber hinaus, dass der neue Standort viele Arbeitsplätze schaffen werde. Der Zuschnitt auf Logistikbetriebe könne keinen „nennenswerten Beitrag liefern“. „Die Planungen sehen nur die Schaffung von rd. 300 Arbeitsplätzen vor, das entspricht lediglich 10 Arbeitsplätzen auf einer Fläche von der Größe eines Sportplatzes. Dieser unmäßige Flächenverbrauch ist weder naturverträglich noch zeitgemäß.“

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