Mit einem Blumenstrauß und einem Bildgeschenk verabschiedeten sich Teamleiter Axel Präckelt (r.) und Verlagsleiter Christoph Winck (l.) von Irmgard Ditschar, die 42 Jahre lang die Zeitungen in Hervest verteilte. © Hendrik Bücker
Zeitungszustellerin

Irmgard Ditschar: „Im Dorf habe eigentlich immer ich die Zeitung gebracht“

Einen Tag vor Heiligabend wurde Irmgard Ditschar 81 Jahre alt. Ansehen kann man ihr dieses Alter nicht. Trotzdem hört die Zustellerin der Dorstener Zeitung jetzt auf - nach 42 Jahren.

Sie engagiert sich in der evangelischen Martin-Luther-Gemeinde – auch wenn in diesem Jahr Corona einen gehörigen Strich durch alle Aktivitäten machte. Dennoch – oder gerade deshalb – reifte in Irmgard Ditschar ein Entschluss: „Ich höre auf.“ Nach über 42 Jahren als Zustellerin der Dorstener Zeitung. Eine Ära geht im Dorf Hervest und der Orthöve zu Ende. Denn dort war über Jahrzehnte ihr Zustellbezirk, immer mal mit wechselnden Zuschnitten. „Aber im Dorf habe ich eigentlich immer die Zeitung gebracht.“

1977 wurde Irmgard Ditschar plötzlich Witwe

42 Jahre lang, sechs Tage die Woche. Oder besser: sechs Nächte die Woche. Bei Wind und Wetter war Irmgard Ditschar unterwegs. Sie kann sich noch gut an die Anfänge erinnern, als Geschäftsstellenleiter Rolf Cassagranda sie eingestellt hatte. Ihn hat sie genauso überlebt wie dessen Nachfolger Klaus Pallasdies und Willi Overbeck.

Aber der Tod spielte auch in Irmgard Ditschars Leben eine Rolle: „Ich wurde 1977 plötzlich Witwe, mit zwei kleinen Kindern. Seit 1970 hatten wir das ‚Jagdhorn’ in Hervest, dazu ein kleines Busunternehmen. Plötzlich war mein Mann nicht mehr da – aber ich musste doch überleben.“ Eine schwere Zeit für die sympathische Frau, die es aus Gelsenkirchen nach Dorsten verschlagen hatte. Und so bewarb sich die junge Mutter als Zustellerin bei der Dorstener Zeitung. Nachts, als die Kinder schliefen, verdiente sie sich wichtiges Geld hinzu.

In 42 Jahren gerade mal zwei Krankenscheine

Respekt vor dieser Leistung hat sich Irmgard Ditschar verdient. Ihr Teamleiter bei Lensing Logistik, Axel Präckelt, kann eine weitere beeindruckende Information zusteuern: „Frau Ditschar hatte in 42 Jahren gerade mal zwei Krankenscheine. Sie war die Zuverlässigkeit in Person.“ Ein Krankenschein resultierte aus einem Sturz in der Nacht, als sie beim Verteilen der Zeitungen auf den Arm gefallen war und sich diesen brach.

„Die Leute hatten nachts keine Beleuchtung an, die Treppe zum Eingang war steil “ Fast schon entschuldigend kommen die Worte der 81-Jährigen über die Lippen. Aber jemand, der 42 Jahre lang nachts Zeitungen verteilt hat, der kann beurteilen, welche Auswirkungen unbeleuchtete Hauseingänge für Zusteller haben. Axel Präckelt ergänzt: „Wir können nur darum bitten, dass unsere Abonnenten nachts das Licht am Haus brennen lassen.“ Denn ab 1 Uhr kommen die ersten Zeitungen – in finsterer Nacht.

Eine willkommene Abwechslung zum Pommesbuden-Job

Irmgard Ditschar hat in diesem Dezember schon ihren verdienten Urlaub. Die beiden Kinder sind längst groß und stehen im Berufsleben. Bei ihrem Sohn in Wulfen hilft sie noch ab und an aus – zum Beispiel wenn der Hund mal Gassi geführt werden muss. Doch auch als die Kinder aus dem Haus waren, behielt Irmgard Ditschar ihren Nebenjob als Zeitungsbotin. Viele Jahre war sie später die Frontfrau bei „Hähnchen Finke“ in Holsterhausen, der Ortsteil, der ihre Heimat in Dorsten geworden ist. Die frische Luft in klarer Nacht beim Zeitungaustragen war eine willkommene Abwechslung zum Job an der Pommes- und Hähnchentheke.

Mit Stolz blickt Irmgard Ditschar auf ihr Berufsleben zurück, das eben auch als Rentnerin weiterging. Mehr als die Hälfte ihres Lebens hat sie Zeitungen in Hervest verteilt. Ab sofort bekommt sie ein Exemplar nach Hause geliefert.

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