Jiddisch lesen und schreiben lernen „trit bay trit“

Jüdisches Museum

Walter Schiffer freut sich auf die Premiere: Am 4. Februar startet der Pädagoge seinen ersten Jiddisch-Kurs im Museum und verspricht: „Danach können alle jiddisch schreiben und lesen.“

Dorsten

, 23.01.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Das ist ein t.“ Walter Schiffer startet am 4. Februar seinen ersten Jiddisch-Kurs im Jüdischen Museum.

„Das ist ein t.“ Walter Schiffer startet am 4. Februar seinen ersten Jiddisch-Kurs im Jüdischen Museum. © Anke Klapsing-Reich

Jiddisch - warum sollte man diese Sprache lernen? Walter Schiffer weiß da einleuchtende Antworten zu nennen: „Jiddisch ist im Kern eine germanische Sprache. Das macht das Erlernen für deutschsprachige Interessierte relativ einfach. Man prägt sich 22 hebräische Buchstaben, wenige Ausspracheregeln, aber auch ein paar hebräische Worte ein - und kulturelle Schätze aus rund 700 Jahren jüdischer Geschichte liegen in jiddischer Originalfassung offen vor einem.“

Jüdische Umgangssprache

Als freier Mitarbeiter im Jüdischen Museum hat der studierte Theologe und Jiddistik-Fachmann schon viele Vorträge, Gesprächskreise und Kurse durchgeführt, darunter auch „Biblisches Hebräisch“. Als dann das neue Jiddisch-Lehrbuch „Der Alef-Beys Trit Bay Trit“ herauskam, fasste er den Mut, einen Jiddisch-Kurs in Dorsten anzubieten. „Jiddisch war in Westeuropa bis gegen 1800 die jüdische Umgangssprache und wird in seiner osteuroäischen Variante rund um den Erdball gesprochen“, erklärt Schiffer. Scholem Alejchem („Tewje, der Milchmann“) und der Friedensnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer sind bedeutende Vertreter der jiddischen Literatur.

Trotz der Ausrottungsversuche in der Geschichte überlebte die Sprache aus dem Schtetl und rückt zusehends aus ihrem Schattendasein heraus. Walter Schiffer, der seit mehr als 20 Jahren einem Gesprächskreis jiddischer Literatur und Lyrik in Bonn angehört, hofft darauf, auch in Dorsten Fans dafür zu gewinnen. „Pro Lektion in dem Lehrbuch lernen wir in dem Sprachkurs einige Buchstaben in Druck- und Schreibschrift, die in einfachen Arbeitsschritten und Übungen zu Wörtern und schließlich Sätzen ergänzt werden“, sagt der Kursleiter. Doch vorher sollte man sich als grundsätzliches Charakteristikum merken, das Buch „anders herum“ aufzuschlagen, denn: „Jiddisch wie Hebräisch werden von rechts nach links geschrieben!“, erklärt der Fachmann.

Einfache Prosa- und Lyriktexte

Der Kurs eigne sich für jeden, der an jiddischer Kultur, Literatur und Geschichte interessiert ist, sich mit Klezmer-Musik oder germanistischer Linguistik beschäftigt, wirbt Schiffer in eigener Sache. Bei den sieben Kurstreffen gehe es nicht um Konversation, sondern um das Lesen und das Schreiben: „Trit bay trit ,mit a shmeychl“, ergänzt Schiffer und übersetzt: „Schritt für Schritt mit einem Lächeln.“

Haben sich alle Kursteilnehmer vom Alef bis zum Taw durchgearbeitet, winken zum Ende des Sprachkurses einfache Lyrik- und Prosatexte als vergnügliche Lektüre. Vielleicht auch das jiddische Gedicht, das Marc Chagall über seine Ehefrau geschrieben hat.

Der Kurs startet am 4. Februar (Montag), 19.30 Uhr im Jüdischen Museum Westfalen, Julius-Ambrunn-Straße 1, 46282 Dorsten. Dort werden die Termine der weiteren sechs Treffen vereinbart. Gebühr 35 Euro, Anmeldung und Info: Tel. (02362) 45279. Textgrundlage Karin Weiss u.a.: Der alef-beys, trit bay trit. 19,80 Euro.
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