Johannes Buchmann hielt Erinnerungen aus kriegslüsterner Zeit fest

Lesung in Dorsten

Fast wie ein Kronprinz wurde Johannes Buchmann am Alten Rathaus empfangen. Das Fanfarencorps Hervest-Dorsten stieß für den in Dorsten geborenen Amerikaner fröhlich ins Horn.

DORSTEN

von Von Anke Klapsing-Reich

, 15.03.2011, 17:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jürgen Kalwa (r.) las im Alten Rathaus aus Johannes Buchmanns Kriegserinnerungen. Anschließend stand "Mister Johnny" dem interessierten Publikum für Nachfragen zur Verfügung.

Jürgen Kalwa (r.) las im Alten Rathaus aus Johannes Buchmanns Kriegserinnerungen. Anschließend stand "Mister Johnny" dem interessierten Publikum für Nachfragen zur Verfügung.

Nach dieser angenehmen Verzögerung konnte Josef Ulfkotte, Vorsitzender des Vereins für Orts- und Heimatkunde, zum offiziellen Part übergehen. Herzlich hieß er Johannes Buchmann und den New Yorker Journalisten Jürgen Kalwa, willkommen, der nach Mark Spitz, Tiger Woods, Bill Clinton und anderen Größen der Promi-Szene nun auch Johannes Buchmann interviewt hatte, um dessen Erinnerungen als Bordfunker im Luftkrieg-Einsatz im Mittelmeer und an die abenteuerliche Flucht aus sowjetischer Gefangenschaft in Buchform fließen zu lassen. „Stellen Sie sich einfach vor, dass jetzt Herr Buchmann zu Ihnen spricht“, übernahm Jürgen Kalwa für den seh-eingeschränkten Autor den lesenden Part. Die ausgewählten Passagen waren auf das Dorstener Publikum zugeschnitten. Sie erzählten von Buchmanns Schulzeit auf dem Petrinum, dem Tanz- und Boxunterricht im „Schwarzen Adler“ am Markt, von seiner Luftwaffen-Ausbildung, bei der er seinen ehemaligen Kunstlehrer, „Flieger“ Karl Korte, wieder traf und von seiner Rückkehr nach Dorsten im Juli 1945, in den Trümmerhaufen, der einst sein Zuhause gewesen war. „Da schlief ich dann 24 Stunden am Stück, in einem eigenen Bett mit vollem Bauch“ – ein Wohlgefühl, das Johannes Buchmann in den Wochen und Monaten zuvor fast vergessen hatte. Nach der deutschen Kapitulation war er von einer sowjetischen Einheit in einem Lager in Waidhofen an der Thaya (Österreich) festgesetzt. Auf abenteuerlichen Wegen gelang dem kriegsgefangenen Bordfunker die Flucht, die ihn immer weiter nordwärts trieb. Warum er Dorsten den Rücken gekehrt habe, um sich in den USA eine neue Existenz aufzubauen, war nur eine Frage von vielen, die Johannes Buchmann im anschließenden Gespräch dem Publikum beantworten musste. „Ich hatte den Auftrag, ein neues Pelz-Färbeverfahren in den USA einzuführen“, wurde Buchmann 1950 für geplante drei Monate „rüber“ geschickt. Heute ist er 89 und lebt noch immer dort.

„In all den Jahren habe ich wenig über meine Kriegsjahre gesprochen, auch meinem Sohn habe ich kaum davon erzählt“, konstatiert Johannes Buchmann. Umso dankbarer ist er, dass er es im hohen Alter doch noch mit Hilfe von Jürgen Kalwa geschafft hat, die Sprachlosigkeit zu überwinden und die vielfältigen Eindrücke aus dieser kriegswahnsinnigen Zeit festzuhalten

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