Florian Schneider, Pflegedienstleiter im Alten- und Pflegeheim St. Anna ist bereits gegen das Coronavirus geimpft, seine Kollegin Claudia Dobbert noch nicht. Beide haben ihre Gründe für ihre Entscheidung. © Bastian Becker
Impfung bei Pflegekräften

„Kein Vertrauen“: Dorstener Pflegekräfte sprechen über ihre Impf-Entscheidung

Über die Frage, wie viele Pflegekräfte sich impfen lassen, wird derzeit viel gesprochen. Hier erklären zwei Dorstener Pfleger selbst ihre Entscheidung für oder gegen eine Impfung.

Längst nicht alle in Alten- und Pflegeheimen tätigen Mitarbeiter wollen sich impfen lassen. Deswegen hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder jetzt eine Impfpflicht angeregt. Doch was sagen die Pflegekräfte selbst?

„Für mich war die Entscheidung alternativlos. Es war für mich relativ früh klar, dass ich mich früh impfen lasse“, erklärt Florian Schneider, Pflegedienstleiter im Dorstener Altenheim St. Anna. Er bekomme durch die Berichte seiner Frau, die als Intensivschwester im Krankenhaus arbeitet, mit, welche Krankheitsverläufe das Virus auch bei jungen Patienten nimmt.

Abwägung zwischen Gesundheitsrisiko und Langzeitschäden

Dennoch habe er sich mit den möglichen Risiken auseinandergesetzt und Rücksprache mit Hausarzt und Apotheker gehalten. „Ich stehe voll dahinter. Ich weiß nicht, was an Langzeitschäden kommen könnte, aber die Schäden einer Covid-19-Erkrankung sind größer“, ist Florian Schneider überzeugt.

Anders sieht es seine Kollegin, Wohnbereichsleiterin Claudia Dobbert. „Für mich war klar, dass ich mich nicht impfen lasse. Ich bin keine Impfgegnerin und gegen viele andere Krankheiten geimpft. Zu diesem Impfstoff habe ich kein Vertrauen und wie viele Kollegen Angst vor möglichen Langzeitschäden“, erklärt sie ihre Entscheidung. Diese sei allerdings nicht endgültig.

Öffentliches Bild stört Claudia Dobbert

Für Florian Schneider ändert sich im Alltag nach der Impfung, die er Anfang des Jahres erhalten hat, erst einmal nichts. Weiterhin trägt er Maske und Schutzkleidung und hält Abstand. „Die Impfung gibt vor allem mir Sicherheit. Sie dient als Eigenschutz“, berichtet der Pflegedienstleiter. Er möchte aber anderen Pflegekräften im Heim nicht vorschreiben, ob sie sich impfen lassen: „Jeder soll das selbst entscheiden, für die Abläufe an Bett und Bewohner macht das keinen Unterschied.“

Claudia Dobbert stört, dass in der Öffentlichkeit ein aus ihrer Sicht falsches Bild der Pflegekräfte gezeichnet wird. „Wir Pflegekräfte werden angeprangert, dass wir verantwortungslos sind. Die Helden des Alltags werden zu Geächteten. Das ist nicht richtig. Wir werden alle drei Tage getestet. Durch die Impfung schütze ich nur mein Leben. Die Bewohner schütze ich, indem ich Schutzkleidung, Maske und Handschuhe trage“, unterstreicht sie.

Impfpflicht für Dorstener Pfleger nicht sinnvoll

Florian Schneider bemerkt, dass einige Kollegen erst einmal beobachten, wie die Impfung bei den bereits Geimpften anschlägt. Die Bereitschaft sei besonders bei jüngeren Kollegen geringer. „Großes Thema sind dabei mögliche Spätfolgen und die Auswirkung auf die Familienplanung“, gibt er wieder. Je mehr positive Beispiele es gebe, desto mehr würden nachziehen, ist er überzeugt. Denn klar ist: „Je mehr sich impfen lassen, desto geringer ist das Risiko für eine Verbreitung.“

Von einer Impfpflicht halten beide Pfleger nichts. „Wir leben in einer Demokratie. Es kann nicht sein, dass man entscheidende Dinge vorgeschrieben kriegt“, sagt Claudia Dobbert deutlich. Sie vermutet, dass Geimpfte in Zukunft bestimmte Vorteile genießen könnten. „Irgendwann lassen sich Leute impfen, weil sie nur dann verreisen können“, glaubt sie. Für sie sei das kein Anreiz. „Es ist sehr wichtig, dass jeder für sich selbst entscheidet. Man kann nur immer weiter aufklären, jeder muss persönlich die Konsequenzen tragen“, findet Florian Schneider.

Impfbereitschaft nimmt im Heim St. Anna zu

Jürgen Bernhardt, der Leiter der Einrichtung, stellt auf jeden Fall eine Zunahme der Impfbereitschaft fest. „Die Zahl der Skeptiker war am Anfang deutlich größer. Zunächst wollte sich nur etwa ein Drittel impfen lassen, jetzt sind wir bei zwei Drittel bis drei Viertel“, erläutert er. Wichtig ist ihm, dass sich kein Mitarbeiter unter Druck gesetzt fühlt. „Wenn jemand sagt, dass er nicht will, ist das so“, stellt er klar.

„Ich müsste gucken, wie es den geimpften Leuten geht. Wenn klar ist, dass man durch die Impfung keine Menschen ansteckt, wäre das für mich ein wichtiger Punkt, doch über eine Impfung nachzudenken“, erklärt Claudia Dobbert abschließend.

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Bastian Becker

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