Senioren, die keine Hilfe von ihrem Umfeld bekommen, sind beim Weg zum Impfzentrum Recklinghausen weiter auf sich alleine gestellt. (Symbolbild) © dpa
Coronavirus

Keiner will bezahlen: Hilfe bei Weg zum Impfzentrum Recklinghausen weiter nicht in Sicht

Öffentlich organisierte Hilfe für Hochbetagte auf dem Weg zum Impfzentrum ist in Dorsten und im Kreis Recklinghausen weiter nicht in Sicht. In der Politik ist das Thema zumindest angekommen.

Ab 8. Februar sollen über 80-Jährige aus der Hochrisikogruppe sich im Impfzentrum in Recklinghausen den schützenden Piks abholen können. Vorausgesetzt es gelingt ihnen irgendwie, vorher einen Termin auszumachen.

Offen ist weiter, ob es vom Kreis oder den Kommunen doch noch Unterstützung beim Transport zum Impfzentrum gibt. Je nach Wohnort sind es aus Dorsten schon mal um die 30 Kilometer bis zum Konrad-Adenauer-Platz in Recklinghausen. Das Thema ist nun in der Politik angekommen.

Kreis soll Hilfssystem aufbauen

Einstimmig beschloss der Sozialausschuss des Kreises zuletzt einen Antrag der SPD-Kreistagsfraktion, wonach die Kreisverwaltung Gespräche mit Bürgermeistern, Wohlfahrtsverbänden und Krankenkassen aufnehmen soll, um ein Hilfssystem für diejenigen aufzubauen, die aus ihrem Umfeld keine Unterstützung für den Weg zum Impfzentrum bekommen und sich vier lange Taxifahrten nicht leisten können.

„Man muss aber erst mal klären, ob solche Transporte überhaupt entgeltlich, also ihm Rahmen eines Leistungsaustausches stattfinden“, sagt Christoph Behrenspöhler, Vorstand des Recklinghäuser Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes. „Es versuchen gerade alle noch, sich von den Kosten, die überhaupt nicht absehbar sind, freizuschaufeln.“ Das Land NRW hat schon abgewunken, die Kreisverwaltung ebenfalls. Die Stadt Dorsten stellt auch kein öffentliches Hilfsangebot bereit.

Frankfurt am Main zum Beispiel spendiert seinen Alten Taxigutscheine – und zwar für alle vier Fahrten. Nach Anruf kommen die Coupons per Post. Dortmund und Oberhausen haben ähnliche Angebote. In Hamburg gibt es einen vom Roten Kreuz organisierten kostenlosen Shuttle-Service.

DRK-Vorstand: „Ressourcen irgendwann erschöpft“

Wohlfahrtsverbände im Kreis Recklinghausen,insbesondere Hilfsorganisationen wie das DRK, sind seit Monaten mit massig Personal im Dauereinsatz: „Irgendwann sind Ressourcen nun mal erschöpft“, sagt Christoph Behrenspöhler. Das DRK werde vielleicht in Einzelfällen helfen, aber keinen flächendeckenden Service bieten können.

Pflegebedürftige und Schwerbehinderte bekommen Fahrten zum Impfzentrum unter bestimmten Voraussetzungen erstattet. Die Regelungen können bei den Krankenkassen erfragt werden. Von der Nutzung des ÖPNV raten Experten den Hochbetagten zurzeit eher ab. Auch weil unklar ist, wie verbreitet die neuen Corona-Mutationen im Land sind. Dass eine Person jemanden aus einem anderen Haushalt zum Impfzentrum fährt, ist zulässig. Sobald Privatpersonen Fahrdienste gegen Bezahlung anbieten, brauchen sie einen Personenbeförderungsschein.

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Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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