"Kibiz" bringt das Blut zum Kochen

06.09.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dorsten Verhärtete Fronten, scharfe Worte, heftige Kritik: Bei einem Besuch von Josef Hovenjürgen (CDU, MdL), Martin Hagemann (SPD, Mitglied des Stadtrats) und Petra Neuhaus (FDP) in der Kita Pusteblume flogen gestern die Fetzen. Grund für die Auseinandersetzung zwischen Politikern und Erzieherinnen: Das Kinderbildungsgesetz (Kibiz).

Kurzer Einblick

Dabei hatte alles so schön friedlich angefangen: Auf Einladung von Kita-Leiterin Gisela Petzel besuchten die drei Gäste zunächst die verschiedenen Gruppen der Kita. "Wir wollen den Politikern die alltägliche Arbeit in unserer Einrichtung zeigen", erklärt Petzel ihr Motiv für die ungewöhnliche Zusammenführung. Die Kinder nahmen es gelassen, die Großen hatten ihren Spaß und durften hautnah erleben, wie man als Erzieherin eine ganz heterogene Bande dazu bringt, gemeinsam zu spielen und zu singen.

Andere Kitas und Kindergärten in der Region haben gestern als Protest gegen Kibiz sogar ihre Pforten geschlossen, aber soweit wollten Gisela Petzel und ihr Team nicht gehen: "Damit treffen wir ja die Falschen. Wir wollen nur erreichen, dass die Politiker erkennen, wo Anspruch und Wirklichkeit auseinander klaffen."

Ob das gelungen ist, bleibt fragwürdig. In einer anschließenden Diskussion zeigte sich gestern, wie emotional und hitzig das Thema "Kibiz" von Politikern und Vertretern aus der erzieherischen Praxis diskutiert wird. Während Kita-Leiterin Petzel und Birgit Stifter (Geschäftsführerin der Lebenshilfe) große Zweifel an dem Entwurf aus der praktischen Warte schilderten, verteidigte Josef Hovenjürgen das Konzept. Der CDU-Mann räumte zwar ein, dass es "zu viele offene Fragen" bezüglich der Kibiz-Vorlage gäbe, betonte aber gleichzeitig, dass er eine nivellierte Beitragsregelung gerechter empfände. Dabei sehen die Vertreterinnen der Berufspraxis eine Reihe von finanziellen Kürzungen und unrealistischen Anforderungen auf sie zukommen.

Die hitzige Diskussion am Kita-Tisch wurde gestern von Josef Hovenjürgen dominiert. Martin Hagemann meldete sich nur selten zu Wort, teilte aber grundsätzlich die Meinung der Pusteblume-Mitarbeiterinnen: "Kibiz ist Mumpitz." Petra Neuhaus trug nichts zur Diskussion bei.

Gisela Petzel und Birgit Stifter hoffen jetzt, dass die Politiker, insbesondere Josef Hovenjürgen als CDU-Vertreter, die Sorgen der Erzieherinnen in die Kibiz-Diskussion einbringen. ah

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