"Kinder wollen etwas anfassen und fühlen"

Dorsten Mit Arbeitsmaterialien prall gefüllte Ordner und ein ansprechend gestalteter Flyer über die Bildungsangebote sind das Ergebnis des aufwändigen Prozesses, mit dem das Jüdische Museum Westfalen sein vielfältiges museumspädagogisches Programm neu sortiert und erweitert hat.

03.09.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

" Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle in unserem Haus gespielt", würdigt Museumsleiter Dr. Norbert Reichling die erfolgreiche pädagogische Arbeit von Uta Kegel, die durch Führungen und Werkstätten vornehmlich Grundschulkindern das Judentum näher bringt, und Udo Resse, der sich in Studientagen der Jugendlichen aus Sekundarstufe I und II annimmt.

Alltag einbeziehen

"Bei der Vielfalt unserer Angebote und methodischen Ansätze lohnt es sich durchaus, uns mehrmals zu besuchen", ermuntert Dr. Reichling Lehrpersonen, das Passende für ihre Unterrichtseinheit herauszusuchen. In dem brandneuen Flyer haben sie nun die Qual der Wahl: Steckbriefe über alle zwölf angebotenen Bausteine sind dort übersichtlich abgedruckt und mit einer ausführlichen Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte, Angaben über Zielgruppe, Zeitaufwand, Gruppengröße und andere organisatorische Abläufe versehen.

"Kinder wollen etwas anfassen, hören, schmecken und fühlen, und vor allen Dinge wollen sie selber aktiv werden", erteilt Uta Kegel staubtrockener Museumspädagogik eine Absage. In ihren Einführungen ins Judentum fürs 3. und 4. Schuljahr dürfen die Kinder hebräische Buchstaben malen, mit dem Dreidel spielen, Gebetsmantel und Kippa anlegen. Die 5. und 6. Jahrhundert nehmen dann schon einmal eine Ravioli- oder Thunfisch-Dose unter die Lupe, um sie auf koschere Zutaten zu untersuchen. "Der Bezug zur Lebenswelt der Kinder ist sehr wichtig", weiß Uta Kegel, die in ihrem Ordner von "Küche bis Kalender" verschiedene interessante und Spaß versprechende Themenpakete aufbereitet hat.

Studientage

Unter drei Studientag-Themen kann die Sekundarstufe I wählen: Ausgrenzung und Verfolgung, Holocaust oder Jüdische Gemeinden nach 1945. Dem Themengebiet Antisemitismus/Antijudaismus ist der Studientag für die Sekundarstufe II gewidmet. "Mit einer Analyse ausgesuchter Quellen steigen wir ins jeweilige Thema ein", betont Udo Reese den hohen Anspruch der morgenfüllenden Studientage (ca. 9 bis 13 Uhr). Experimentiercharakter hat die Werkstatt, in der Oberschüler anhand von jüdischen Lebenswegen in den aktiven Schreibprozess eintreten. Themenorientierte Filmstudien zu Jüdischen Festen, über Anne Frank und dem Zeitzeugen Helmuth Noach ergänzen das Bildungsangebot.

"Wir wagen den Spagat zwischen belasteten und gegenwartsbezogenen Themen", resümiert Norbert Reichling, der an seiner Vision festhält: "Jeder Dorstener Schüler sollte mindestens einmal das Jüdische Museum besucht haben." sing

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