Kinderarmut in vier Brennpunkten

DORSTEN „Die Kinderarmut bei uns unterscheidet sich kaum von anderen Städten und ist im Vergleich sogar leicht unterdurchschnittlich. Aber in vier sozialen Brennpunkten ist sie ein gravierendes Problem.“

von Von Klaus-Dieter Krause

, 09.06.2008, 20:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

So fasst der zuständige Dezernent Gerhard Baumeister kurz und bündig die Erkenntnisse des ersten Berichts zur Kinderarmut in Dorsten zusammen, in dem das Jugendamt auf 48 Seiten eine Bestandsaufnahme mit einer Liste von Gegenmaßnahmen gebündelt hat. Dieses Papier – von der SPD eingefordert, von der Verwaltung ausgeweitet – soll jetzt Diskussionsgrundlage für eine Sondersitzung von drei Fachausschüssen werden. Alarmierend ist vor allem, wie viele Kinder in besonders betroffenen Bereichen der Stadt in Familien leben, die nur über ein sehr geringes Einkommen verfügen. In Teilen von Barkenberg, Hervest, Holsterhausen und der Altstadt ist jedes dritte Kind nach gängigen Kriterien arm.

Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht

„Wir laufen jedoch ständig der Armuts-Statistik hinterher“, fürchtet Bürgermeister Lütkenhorst, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist: „Wir werden bald erleben, dass auch in Schwellen-Familien mit geringem Einkommen durch wachsende Kosten Kinder spürbar unter der Armut leiden.“ Nicht immer sei dies am Jahres-Einkommen festzumachen. In Familien, die sich für einen Hausbau hoch verschuldet haben, steht oft nur wenig Geld für den Lebensunterhalt zur Verfügung. Die Stadt versucht, auf ganz verschiedene Weise gegenzusteuern: Etwa mit Hilfsprojekten wie „Kein Kind ohne Mahlzeit“ (Lütkenhorst: „Wir werden darauf drängen, dass die Landesförderung verlängert wird. Außerdem wäre so etwas auch in Kindergärten notwendig.“), aber auch durch Maßnahmen im Bildungsbereich oder durch Betreuungshilfen für Alleinerziehende.

Grundsätzliche Weichen müssten in Düsseldorf und Berlin gestellt werden: „Die finanzielle Grundausstattung von Kommunen mit besonderer Soziallast-Quote muss verbessert werden. Und notwendige Ausgaben für Kinder soll die Finanzaufsicht als Pflichtaufgabe billigen!“

Lesen Sie jetzt