Kiosk-Räuber ärgert Richter mit einem zögerlichen Geständnis

mlzLandgericht Essen

Mit einer Spielzeugpistole überfiel ein 22-jähriger Dorstener im Februar einen Kiosk in Wulfen-Barkenberg. Sein Geständnis vor Gericht kommt ziemlich schleppend und zögerlich.

Dorsten

, 02.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Kioskbetreiberin wollte am 15. Februar gerade Feierabend machen, als plötzlich ein maskierter und bewaffneter Mann vor ihr stand. Er hielt ihr eine Tüte hin und sagte mit ruhiger Stimme: „Pack die Kasse da rein, dann passiert dir nichts." In diesem Moment kam der Ehemann der Betreiberin aus einem Nebenraum. Der Täter floh ohne Beute.

Angebliche Erinnerungslücken

Vor Beginn des Prozesses vor dem Landgericht hatte sich der 22-jährige Angeklagte eigentlich vorgenommen, ein volles Geständnis abzulegen. Doch auf dem Weg aus der Vorführzelle in Saal 290 muss ihn dann irgendwie der Mut verlassen haben. Zwar begann er seine Ausführungen mit den Worten: „Ich schäme mich für das, was ich getan habe." Anschließend berief er sich jedoch auf Erinnerungslücken und sagte: „Ich weiß gar nichts mehr von einer Waffe und auch nicht, ob ich bei der Tat maskiert war."

Nun ist es tatsächlich so, dass der junge Mann noch am Abend der Tat als hilflose Person an einer Bushaltestelle aufgefunden und ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Derartige Erinnerungslücken erklärt jedoch auch eine kurze Ohnmacht samt psychischer Probleme nicht. „Es fällt mir schwer, das alles zu glauben", sagte jedenfalls der Vorsitzende Richter - und traf mit dieser vorsichtigen Einschätzung voll ins Schwarze.

Spielzeugwaffe gekauft

Nachdem er noch einmal in sich gegangen war, rückte der 22-Jährige schließlich doch mit der ganzen Wahrheit heraus. „Ja, es war eine Waffe im Spiel. Die hatte ich mir vorher bei Tedi besorgt. Es war eine Spielzeugpistole", sagte er. Und: „Ich hatte auch eine Maske auf dem Kopf. Die habe ich später in den Kanal geworfen." Auch über die Gründe seiner „Kurzschlussreaktion" klärte er die Richter schließlich auf. Er habe zu Beginn des Jahres große finanzielle Probleme gehabt und monatelang keine Miete zahlen können. Für den 16. Februar habe ihm seine Vermieterin daher eine Frist gesetzt. Entweder, er könne die drei letzten Monatsmieten endlich zahlen, oder aber er müsse die Wohnung verlassen. „Da bin ich auf die Idee mit dem Überfall gekommen", räumte der 22-Jährige ein. „Ich wollte das eigentlich gar nicht machen, aber irgendwie habe ich mich dann doch überwunden."

Auch Unfallflucht angeklagt

In dem Prozess geht es noch um eine weitere Straftat, die dem Dorstener vorgeworfen wird. Schon im Sommer 2018 soll er auf einem Supermarkt-Parkplatz in Hervest beim Ausparken ein anderes Auto beschädigt haben und anschließend weggefahren sein, ohne die Polizei zu alarmieren. Dazu sagte er am Dienstag: „Es stimmt, dass ich das Auto angefahren habe. Aber ich habe danach länger gewartet und auch einen Zettel mit meiner Adresse hinterlassen."

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