Klassik-Atmosphäre im Park der Villa Schürholz

Tolles Konzerterlebnis

Einen außergewöhnlichen Klassik-Abend erlebten 400 Dorstener im Park der Villa Schürhgolz. "Barbecue, Beethoven und Beer" lautete das Motto, das sich als Augen-, Ohren- und Gaumenschmaus entpuppte.

Dorsten

03.09.2017, 14:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Luft ist noch lau am späten Samstagnachmittag, hunderte Menschen strömen über die schattige Allee an der Marienstraße zum Park der Villa Schürholz. „Barbecue, Beer & Beethoven“ verspricht das Programm des Sommerfestivals „Musik:Landschaft Westfalen“, alles ist angerichtet für einen außergewöhnlichen Klassikabend.

Schon von Weitem werden die Besucher von wohlklingenden Blechbläsertönen empfangen, das erstklassige Quartett „Brassonanz“ begleitet die Ankommenden mit Ohrwürmern wie „One moment in time“ und „Pirates oft the Caribbean“. Die im Programm angekündigte Bratwurst gibt es nicht, dafür aber einen geschmackvollen Hot-Dog mit ausgefallender Remouladen-Sauce – keine Beschwerden also. Getränke gibt es in reicher Auswahl, auch für den Gutschein der Eintrittskarte.

Familiäres Miteinander

„Du auch hier?“, ist die häufigste Floskel, Freunde und Bekannte treffen sich, Stehtische und Sitzgarnituren laden zum Klönen ein. „Die Leute lieben die familiäre Atmosphäre, das ist schön“, stellt Gabi Springer vom Kulturkreis St. Marien erfreut fest. Der Kulturkreis hat sich maßgeblich an der Organisation des Konzertes beteiligt, „ein verlässlicher Partner“, freut sich Festival-Intendant Dirk Klapsing.

Großes Lob hat der erfahrene künstlerische Leiter auch für den Hausherrn Henner Schürholz. „Ich freue mich, Sie in unserem Garten begrüßen zu dürfen. Wir sind stolz, die Villa seit fünf Generationen im Familienbesitz zu halten“, wendet sich dieser dann um Punkt 19 Uhr an das Publikum. Die Bühne ist bereit für das 40-köpfige Orchester „M:LW-Festival-Philharmonie“ unter der Leitung von Ingo Ernst Reihl. „Wir werden Ihnen eine ganze Sinfonie von Beethoven unterjubeln, ohne dass Sie es merken“, stimmt der Dirigent etwas flapsig auf den Abend ein. Die vier Sätze von Ludwig van Beethovens Nr. 8 als roter Faden durch den Abend, das ist durchaus eine schöne Idee. „Klassik muss nicht ernst sein, man muss nicht immer stillsitzen“. Die fast ausnahmslos jungen Musiker sind fantastisch, schon bei der Ouvertüre des Balletts „Die Geschöpfe des Prometheus“ offenbart sich Kraft und Präzision. Zum Satz Nr. 2 der besagten Achten versucht Reihl das Publikum zum Singen eines Kanons zu animieren. Klappt nicht so ganz, unterstreicht aber den Event-Charakter des Abends. Herzliche Lacher schwappen durch die Stuhlreihen. Die Dämmerung beginnt und eine gewisse Kühle zieht auf.

Mitreißendes Allegro

Doch diese schafft Violinist Jozsef Lendvay flugs mit seiner charismatischen Interpretation von Felix Mendelssohn-Bartholdys Violinkonzert e-moll op. 64 zu verscheuchen. Ein mitreißendes „Allegro“ lässt das Blut in den Adern pochen, wohligwarm ums Herz wird es in den ruhigen Passagen. Lendvay spielt virtuos, belegt dies in der Zugabe ein weiteres Mal mit einer Solo-Einlage aus der Feder des „Teufelsgeigers“ Niccolò Paganini. Nach der Pause ist es dann aber endgültig Zeit, die mitgebrachten und bereitgelegten Decken überzuwerfen, Jacken und mollige Sweat-Shirts werden ausgepackt. Es ist tiefdunkel im Park, die säumenden Buchen sind in grünblaues Licht getaucht. Die Musik klingt weiter in die Nacht und beschließt einen angenehmen Abend in lockerer Klassik-Atmosphäre.

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