Klaus Grabenhorst begeisterte mit den Chansons von Reinhard Mey

mlzKonzert im Alten Rathaus

Reinhard Mey wollte „wie Orpheus singen“ und schrieb mit seinen Chansons ein Stück deutsche Geschichte mit. Klaus Grabenhorst begeisterte im Alten Rathaus mit den Liedern Meys.

von Sabine Bornemann

Dorsten

, 13.09.2020, 14:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Düsseldorfer Sprecher, Schauspieler und Sänger Klaus Grabenhorst präsentierte am Freitag im Alten Rathaus eine Hommage an Reinhard Mey. Es gab nur Platz für 25 Besucher, die den großen Barden fast alle gut zu kennen glaubten. Trotzdem waren die meisten überrascht von einzelnen Stücken und Hintergrundgeschichten.

Es ist auch kaum möglich, alles zu kennen, denn immerhin hat Reinhard Mey seit seinem ersten eigenen Chanson „Ich wollte wie Orpheus singen“ im Jahr 1964 mehr als 500 Lieder geschrieben. Klaus Grabenhorst spielte Reinhard Mey nicht einfach als Cover-Version nach, sondern er hatte einen eigenen Sprechduktus und seine eigene Art der Gitarrenbegleitung.

Lieder erzählen 50 Jahre bundesrepublikanische Geschichte

Er wollte dem Publikum vermitteln, was ihn an Mey interessiert und begeistert. „In dem Werk von Reinhard Mey kann man 50 Jahre Geschichte der Bundesrepublik Deutschland nacherleben. Auch wenn er scheinbar zahm daher kommt, vertritt er starke radikale Meinungen und man kann sich an ihm reiben. Seine Poesie hat eine unglaubliche Kraft“, erklärte Klaus Grabenhorst.

Mey steht mit fast 80 Jahren immer noch auf der Bühne. Er ließ sich auch nie vor einen Karren spannen: Als die Kirche ihn mal als Aushängeschild benutzen wollte, schrieb er kurzerhand das Lied „Ich glaube nicht…“, in dem er zum Beispiel Folter, Großgrundbesitz oder Protzerei drastisch anprangerte.

Jetzt lesen

Bei einem Liederfestival in Bayern wurde er gebeten, das Lied „Sei wachsam“ aus dem Programm zu streichen. Die Veranstalter wollten den provokanten Refrain ihren Publikum nicht zumuten, in dem es heißt: „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm, halte du sie dumm - ich halte sie arm.“

Die Freiheit „Über den Wolken“ brauchte die DDR nicht

Auch in der DDR eckte Reinhard Mey an. Jahrelang versuchte er, eine Erlaubnis für ein Konzert in Dresden zu bekommen. Am 8. November 1989 war die Generalprobe. Grabenhorst erzählte, wie ein sächselnder Stasi-Offizier Mey dazu aufforderte, das Lied „Über den Wolken“ zu streichen, denn die DDR habe ja die totale Freiheit. Am nächsten Tag wurde die Berliner Mauer geöffnet, und am 11. November 1989 musste Reinhard Mey sein berühmtes Lied in Dresden sogar viermal singen.

Die zutiefst humanistische Seite seines Idols vermittelte Klaus Grabenhorst in Titeln über Kindheit und Vatersein, das Verhältnis zu den Eltern und die Begegnung mit wichtigen Menschen, die eine Wende im Leben einleiteten. Mey hat auch neue Worte erfunden. „Erinnerungswärts“ kommt vor in dem Lied „Gute Seele“: Manchmal merkt man beim Rückblick auf das Leben, dass manches nur deshalb geglückt ist, weil gerade der richtige Mensch in der Nähe war. Dieses Portrait ist Klaus Grabenhorst sehr facettenreich gelungen.

Lesen Sie jetzt