„Kränkungswut": Messertäterin kann aufatmen

mlzLandgericht

Nach einem Messerangriff auf einen Mann aus Dorsten galt die Angeklagte als gefährliche Psychopathin, vor der die Allgemeinheit geschützt werden muss. Doch davon spricht jetzt keiner mehr.

Dorsten/Essen

, 21.02.2019, 16:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich kann mich nicht beruhigen. Ich bin irgendwo auf dem Weg nach Dorsten. Ich werde ihn finden. Ich bringe ihn um." Diese Sprachnachricht hatte eine Ex-Truckerin am 8. September 2018 an eine Freundin geschickt. Kurze Zeit später stach sie mit einem Küchenmesser auf einen verheirateten Mann aus Dorsten ein.

Das Motiv? Darüber gab es lange keine Gewissheit. Die Angeklagte hatte erklärt, dass sie eine lange Affäre mit dem Opfer gehabt hat. Und dass sie wütend gewesen sei, dass er plötzlich nichts mehr von ihr gewollt habe.

Wem glaubt man eher?

Der 59-Jährige hatte das jedoch bis zum Prozessauftakt bestritten. Er sprach von einer flüchtigen Bekannten, der er höchstens mal bei der Steuer geholfen habe.

Wem konnte man also glauben? Der Ex-Truckerin und Borderline-Patientin, die in der Vergangenheit immer mal wieder in psychiatrischer Behandlung war? Oder dem Mann aus Dorsten, der nach außen hin ein ganz unauffälliges, bürgerliches Leben führte - an der Seite seiner Ehefrau?

Das Essener Schwurgericht hatte deshalb gleich zum Prozessauftakt den Hinweis gegeben, dass auch die unbefristete Unterbringung der Angeklagten in der geschlossenen Psychiatrie in Betracht kommt - zum Schutz der Allgemeinheit. Doch das ist nun wohl aus der Welt.

Angeklagte hat sich „massiv geärgert"

Nachdem der Dorstener am ersten Verhandlungstag doch noch zugegeben hatte, dass er seit rund zwei Jahren eine Affäre mit der Angeklagten hatte und es sich eben nicht um eine anlasslose Tat gehandelt hat, sieht eine vom Gericht hinzugezogene Psychiaterin die Voraussetzungen für eine Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie nicht mehr als gegeben an. Die Angeklagte habe sich einfach nur „massiv geärgert", dass der Dorstener sich plötzlich nicht mehr gemeldet habe. „Sie hat sich dann in eine Kränkungswut hineingesteigert."

Der Messerangriff sei als Einzelfall zu werten, der sich so wahrscheinlich nicht wiederholen werde. Wegen der Borderline-Erkrankung der 48-Jährigen und ihrer zur Tatzeit leichten Alkoholisierung könne eine verminderte Schuldfähigkeit nicht ausgeschlossen werden.

Opfer brüstete sich mit „Nahkampf-Ausbildung"

Bei dem Messerangriff war der Ex-Geliebte der Angeklagten nur leicht verletzt worden. In einer von ihm selbst gegründeten Internet-Chat-Gruppe hatte er die Szene später so geschildert: „Sie war hier. Sie hat versucht, mich mit einem 30 Zentimeter langen Küchenmesser abzustechen. Ich konnte den Angriff aber abwehren - der Nahkampf-Ausbildung sei Dank." Die Anklage lautete weiter auf Mordversuch.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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