Die Impf-Infrastruktur steht im Dorstener Krankenhaus schon lange. Fehlt nur noch der Impfstoff für die Mitarbeiter. © Robert Wojtasik (Archiv)
Coronavirus

Krankenhäuser in Dorsten und Haltern behandeln fast nur noch Notfälle

Die Krankenhäuser Dorsten und Haltern sind am Limit. Der personelle Aufwand sei für Corona-Patienten so hoch, dass kein Spielraum für andere Fälle bleibt.

Die Coronakrise hat die Krankenhäuser in Dorsten und in Haltern fest im Griff. Nachdem die Deutsche Krankenhausgesellschaft am Dienstag die dramatische personelle Situation in den Krankenhäusern beschrieben und auch eine wirtschaftliche Notlage der Häuser diagnostiziert hatte, bestätigte der Medizinische Geschäftsführer der KKRN-Kliniken, Dr. Andreas Weigand, auf unsere Anfrage: „Wir planen den Personaleinsatz unter Corona sehr viel stringenter anhand der Notwendigkeit, „nur“ noch Notfälle (inklusive der Corona-Patienten) zu behandeln.“

Aufwand für Corona-Patienten ist höher als sonst

Der Aufwand für die Behandlung eines Corona-Patienten sei ungleich höher als für einen „Normalpatienten“, erklärte Weigand zudem. „Insofern kommt es zu den bekannten Personalengpässen auf der Intensivstation, in den Aufnahmebereichen inklusive der Zentralen Aufnahme und den Isolierstationen“, so Weigand weiter.

Dr. Andreas Weigand

Am Dienstag wurden in den Häusern des Klinikverbundes 96 Corona-Patienten behandelt, davon zehn auf den Intensivstationen und 119 Patienten, die wegen Corona-Verdachts isoliert werden müssen. „Bei einer Gesamtbelegung von 418 Patienten in Dorsten, Haltern, Marl und Westerholt sind das mehr als 25 Prozent“, rechnet Weigand vor. Normalerweise hätten die Häuser in dieser Zeit mehr Patienten und nur zehn Prozent Patienten auf den Isolierstationen.

Corona bindet fast das gesamte Personal in den Krankenhäusern. Das führt dazu, dass die wirtschaftliche Situation des KKRN durch die Coronakrise angespannter ist als vorher. „Aufgrund der weiter laufenden fixen Kosten ohne den normalen Betrieb entsteht ein Ungleichgewicht zulasten der Krankenhäuser“, sagt Andreas Weigand.

Strikte Finanzpolitik in Dorsten und Haltern

Ein Grund für die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die dramatische finanzielle Schieflage der Hospitäler zum Thema zu machen. Die Krankenhausgesellschaft ging am Dienstag davon aus, dass ohne Nachjustierungen bei den Finanzmitteln in einigen Häusern schon im 1. Quartal 2021 keine Gehälter mehr ans Personal gezahlt werden könnten. Andreas Weigand dazu: „Wir müssen ganz klar eine strikte Finanzpolitik fahren. Die Gehälter sind momentan aber nicht in Gefahr.“

Mit der wirtschaftlichen Ausstattung ist der Geschäftsführer nicht zufrieden. Er fordert eine „gerechtere Bezahlung des Personals, vor allem der Pflege und der Funktionsdienste sowie eine Refinanzierung über das System“. „Momentan wird zwar gesagt, dass hier die Mitarbeiter mehr Geld bekommen sollen, jedoch müsste hierfür der sogenannte Basisfallwert erhöht werden.“

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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