Krankenhaus warnt: Jod-Präparate nicht ohne Untersuchung

Panik-Reaktionen überflüssig

Die Anfragen von besorgten Bürgern waren kurz nach der Reaktorkatastrophe in Japan so zahlreich, "dass unsere Arbeit teilweise blockiert wurde", sagt Dr. Jamshid Farahati. Und immer wieder warnte der Facharzt für Nuklearmedizin die Anrufer davor, sich aus der Apotheke selbst Jod-Präparate zu besorgen.

DORSTEN

28.03.2011, 13:24 Uhr / Lesedauer: 1 min
Chirurg Dr. Wilhelm Groß-Wege (vorne) und Nuklearmediziner Dr. Jamshi Farahati warnen vor Panikreaktionen nach der Reaktor-Katastrophe in Japan.

Chirurg Dr. Wilhelm Groß-Wege (vorne) und Nuklearmediziner Dr. Jamshi Farahati warnen vor Panikreaktionen nach der Reaktor-Katastrophe in Japan.

"Die Menschen sind aufgeschreckt, weil bei einem Atom-Unglücksfall Jod 131 frei gesetzt werden kann, dass sich in der Schilddrüse einlagern und Krebs verursachen könne", erklärt Dr. Wilhelm Groß-Wege, Chirurg am Schilddrüsenzentrum des Dorstener Krankenhauses. "Es gibt in Deutschland aber keinerlei Gefahr einer Kontaminierung durch in Japan aufgetretene Radioaktivität", betont Dr. Jamshid Farahati, dessen Gemeinschaftspraxis für Radiologie einen Ableger im Gesundheitsheitszentrum am St. Elisabeth-Krankenhaus hat.30 Anrufe täglich "Bis zu 30 Anrufe pro Tag", haben seine Kollegen und er in den letzten Wochen zu diesem Thema entgegen nehmen müssen. Davon einige von Reisenden, die während der Atomkatastrophe im Fernen Osten unterwegs gewesen sind und nun befürchten, möglicherweise Strahlen ausgesetzt gewesen zu sein. "Solchen Bürgern bieten wir kostenlose Untersuchungen an, nach vorheriger Terminabsprache im Krankenhaus", sagt Dr. Jamshid Farahati. Für alle anderen gelte: Panik und Ängste seien absolut überflüssig. "Und deswegen macht es keinen Sinn, vorsorglich Jod-Präparate einzunehmen." Denn zum einen sei Jod in den Mitteln, die man ohne Rezept kaufen kann, lediglich als Beimischung enthalten. "Die darin enthaltene Dosierung ist so gering, dass sie im Falle eines Falles gar nicht helfen kann."Verschlimmerungen möglich Zum anderen könne bei einer bereits bestehenden und noch unerkannte Schilddrüsenerkrankung eine Verschlimmerung eintreten. "Wer also unbedingt meint, Jod nehmen zu müssen, sollte sich zuerst unbedingt seine Schilddrüse untersuchen lassen", empfiehlt Dr. Wilhelm Groß-Wege. Schilddrüsenerkrankungen seien häufiger als gemeinhin angenommen wird. "30 Prozent aller Gesunden sind Risiko-Kandidaten."

Übrigens: Jod-Salz ist nach Worten der beiden Mediziner absolut unbedenklich. 

Lesen Sie jetzt