Eigentlich hat das Land neue Quarantäneregeln für Kitakinder und Schüler festgelegt. Im Kreis Recklinghausen profitieren Kinder davon jedoch noch nicht. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Coronavirus

Kreis kann neue Quarantäneregeln nicht umsetzen – Dorstener Eltern verzweifelt

Die neuen Quarantänemaßnahmen für Schulen und Kitas sind in NRW beschlossene Sache. Doch der Kreis Recklinghausen kann sie noch nicht anwenden. Eltern in Dorsten laufen dagegen Sturm.

Nicole Schunke ist verzweifelt. Die zwei Kinder der Dorstenerin sitzen aktuell seit dem 5. September in Quarantäne. Bei schönstem Spätsommerwetter müssen sie drinnen sitzen. Schuld ist ein positiver Coronafall in der Kita-Gruppe der beiden. Nach den neuen Quarantäneregeln für Schulen und Kitas, die in NRW am Dienstag beschlossen wurden, könnten sich die Kinder eigentlich freitesten. Doch im Kreis Recklinghausen geht das noch nicht.

„Mir reißt so langsam der Geduldsfaden. Wieder müssen es die Kinder ausbaden“, sagt Nicole Schunke. Seit sie am Sonntag die Information erhalten hat, dass in der Kita-Gruppe ihrer Kinder ein Kind positiv auf das Coronavirus getestet wurde, hat sie ihre Kinder zu Hause.

Alle Selbsttests seien seitdem negativ gewesen. Da Schunke in den Medien gelesen hatte, dass sich Kita-Kinder nach den beschlossenen neuen Quarantäneregeln freitesten lassen können, ließ sie beim Kinderarzt einen PCR-Test bei ihren Kindern machen.

Gesundheitsamt seit fast einer Woche nicht erreicht

Auch dieser fiel negativ aus. „Der Kinderarzt sagte mir, dass er gesunde Kinder eigentlich nicht testen darf und wir uns insgesamt ans Gesundheitsamt wenden sollten“, erzählt Schunke. Doch dort habe sie seit fast einer Woche niemanden erreicht. Auf mehrere Mails an die Stadt Dorsten erhielt sie nur die Information, dass die Landesbeschlüsse dem Kreis noch nicht vorliegen würden.

„Ich bin keine Coronaleugnerin und ich will auch nicht, dass meine Kinder auf Biegen und Brechen in die Kita gehen. Ich will einfach nur, dass sie ein bisschen an die frische Luft gehen können. Beschlossen scheinen die neuen Regeln doch schon zu sein und trotzdem muss ich sie einsperren“, sagt die Dorstenerin.

Tim Deffte, Büroleiter des Landrats, kann Schunke verstehen. „Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass die Eltern sauer sind und das auch nicht nachvollziehen können.“ Bislang liege dem Kreis jedoch lediglich eine Pressemitteilung des zuständigen NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) vor, in der erklärt würde, dass das Land die Beschlüsse der Gesundheitsministerkonferenz zum Quarantänemanagement umsetzen werde. Zudem hätten die Schulen eine entsprechende Mail erhalten.

Neue Regeln erlauben Schülern und Kita-Kindern das Freitesten

Demnach sollen nur noch tatsächlich infizierte Kita- und Schulkinder für 14 Tage in Quarantäne müssen. Sollten aufgrund eines größeren Ausbruchsgeschehens oder Nichteinhaltung der Hygienevorgaben doch Kontaktpersonen in Quarantäne müssen, können diese sich nach dem fünften Tag mit einem negativen PCR-Test freitesten.

„Weder die Pressemitteilung noch die Schulmail ersetzen aber einen Erlass. Dieser ist die Rechtsgrundlage, damit wir dementsprechend handeln dürfen“, erklärt Deffte. Der Kreis habe versucht, sich an verschiedenen Stellen schlau zu machen, ob beziehungsweise wann es diese Erlasse gebe, „noch haben wir aber keine Info bekommen“.

Sobald der Erlass da sei, werde man die Informationen sofort veröffentlichen. „Wir sind vorbereitet und wissen, wohin die Reise geht“, so Deffte. Momentan müsse er noch um etwas Geduld bitten. Aktuell gingen so viele Anrufe von Eltern ein, die kein Verständnis für die fehlende Umsetzung der neuen Regeln hätten, dass sämtliche Leitungen des Kreises überlastet seien.

Am Freitagnachmittag melden sich weitere Dorstener Eltern der betroffenen Kita-Gruppe in der Redaktion. Inzwischen gebe es zwei weitere positiv getestete Kinder. Das Gesundheitsamt habe angeordnet, dass alle Kinder am Wochenende in einem Test-Zentrum mit einem Bürgertest getestet werden sollen. Am 17. September sollen, so erzählt die Mutter Michelle Kunze, auf Anweisung des Gesundheitsamtes dann noch einmal alle in der Kita vom DRK getestet werden. „Es ist ein einziges Chaos“, so Kunze.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Ich bin gebürtige Dorstenerin, lebe und arbeite hier. Dorsten und vor allem die Menschen der Stadt liegen mir sehr am Herzen. Wichtig sind mir jedoch auch die Kirchhellener. Seit mehreren Jahren darf ich über den kleinen Ort berichten und fühle mich daher sehr mit dem Dorf verbunden. Menschen und ihre Geschichten, Bildung und Erziehung – das sind Themen, die mir wichtig sind. Und das liegt nicht nur daran, dass ich zweifache Mutter bin.
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Manuela Hollstegge

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