Das Dorstener Künstler-Ehepaar Tina Podstawa und Stefan Stara hat wie so viele seiner Kolleginnen und Kollegen stark unter der Coronakrise und dem Kulturveranstaltungs-Lockdown zu leiden. © Michael Klein
Ein Jahr Corona

Künstler-Ehepaar zwischen großem Frust und zermürbender Ungewissheit

Tina Podstawa und Stefan Stara sind Bühnen-Künstler. Das Ehepaar aus Dorsten ist von den Corona-Lockdowns deshalb besonders betroffen. Beide erzählen von einem Jahr voller Hoffen und Bangen.

2020 – das wird mein Jahr! Davon war Tina Podstawa vor gut zwölf Monaten noch überzeugt. Damals hatte sie gleich zwei gute Engagements in der Tasche – und das war für die Dorstener Künstlerin auch nach 20 Jahren auf der Bühne nicht selbstverständlich.

Doch jetzt: Frust, Ungewissheit, „irgendwann ist man an dem Punkt angekommen, wo es einfach reicht“, sagt sie.

Seit einem Jahr gezwungenermaßen „arbeitslos“

Denn bis auf einige wenige Open-Air-Musical-Galas im Sommer hat die Musical-Darstellerin wegen des Veranstaltungs-Lockdowns seit einem Jahr nicht mehr in ihrem eigentlichen Beruf arbeiten können. Und dies trifft auch auf Ehemann Stefan Stara zu, ebenfalls als Sänger, Tänzer und Schauspieler im Musical-Bereich tätig.

„Wenn das noch lange weitergeht, wird es existenzbedrohend“, befürchten die Eltern eines achtjährigen Sohnes, die vor zwei Jahren ein Reihenhaus gekauft haben. Tina Podstawa ist froh, für den Fall der Fälle auf die Hilfe beider Familien zählen zu können. „Ich kenne einige allein erziehende Kollegen, die haben finanziell richtig heftig zu kämpfen.“

Gastspiel bis Anfang März

Bis Anfang März 2020 hatten beide noch Gastspiele, sie in „My fair Lady“, er bei der Großproduktion des Chor-Musicals „Martin Luther King“. Dann war wegen der Coronakrise jäh Schluss.

Tina Podstawa und Stefan Stara sind immer mal wieder auch in gemeinsamen Duo-Produktionen auf der Bühne zu sehen und zu hören. © Privat © Privat

Die „Martin-Luther-King“-Tournee, die Stefan Stara den Lebensunterhalt für ein Jahr sichern sollte: bis auf Weiteres unterbrochen. Das geplante Engagement von Tina Podstawa im „Musiktheater im Revier“: immer wieder verschoben. „Das zermürbt einen völlig, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht“, so die Dorstenerin. „Man übt für die Rolle ja immer weiter, und wird immer weiter vertröstet.“

Nebenberufliche Standbeine

Auch bei den nebenberuflichen Standbeinen sah es nicht viel besser aus. Tina Podstawa gibt seit Jahren Yoga-Kurse. Diese hat sie Corona-bedingt auf Sparflamme online weiterführen müssen, „ohne echten Austausch ist das natürlich nicht das Wahre“.

Stefan Stara hat schon vor der Coronakrise eine Ausbildung zum Resilienz-Trainer für Kinder begonnen. Die konnte er zwar via Online-Unterricht abschließen. In der schulischen Praxis aber kam er noch nicht so richtig weiter. „In einer Schule gab es zunächst einen Coronafall und dann gleich sofort den zweiten Lockdown.“

Im Sommer 2020 stand Tina Podstawa (Mitte) für einige wenige Auftritte bei einer Musical-Gala beim CHIO in Aachen auf der Open-Air-Bühne. © Privat © Privat

Derzeit hoffen beide, dass es irgendwann im Laufe des Jahres auf der Bühne weitergehen kann. „Ich habe ab Dezember einen Vertrag in Stuttgart“, sagt Tina Podstawa. Ihr Ehemann hat demnächst ein Online-Casting und wartet auf die Fortsetzung der „Martin-Luther-King“-Tournee. Er ist aber skeptisch: „Bei einem solchen Riesenchor wird das erst mal kaum möglich sein.“

Kuarzarbeiter-Geld

Immerhin: „Ich habe finanziell das Glück, dass ich durch ein Engagement, für das ich 2020 den Vertrag unterschrieben hatte, seit Januar bis Anfang Mai Anspruch auf Kurzarbeitergeld habe“, erzählt Tina Podstawa.

Stefan Stara hingegen musste im Vorjahr die Grundsicherung beantragen.

„Von einem vereinfachtem Antrag für die Solo-Selbstständigen, wie es von der Politik dargestellt wurde, war da nichts zu merken“, sagt er. „Ich habe zwei Wochen daran gesessen, so kompliziert war das.“

Politik mit wenig Sachverstand

Überhaupt habe die Politik bei den Überbrückungshilfen für Künstler nur wenig Sachverstand bewiesen. „Wir Künstler passen da gar nicht ins Schema, mal haben wir gute Monate, mal schlechte, das lässt sich so gar nicht pauschalisieren.“

Stefan Stara in der Rolle des Stephan Zorn in der wegen der Coronakrise unterbrochenen Großproduktion „Martin Luther King“. © Creative Kirche © Creative Kirche

Dass die vor dem zweiten Lockdown durchaus erfolgreich praktizierten Hygiene-Konzepte der Kulturbranche nach Meinung des Ehepaares „ignoriert“ wurden, sei „eine Katastrophe“. Kultur sei wichtig für die Gesellschaft, sagt Stefan Stara und dürfe nicht gegen die Gesundheit ausgespielt werden. „Kultur sorgt für mentale Gesundheit.“

Kunst „mit Füßen getreten“

Und Tina Podstawa wünscht sich das „Land der Dichter und Denker zurück, in dem Kunst und Kultur etwas wert sind, in dem das Recht auf Ausübung der Kunst nicht mit Füßen getreten wird“.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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