Joseph Drecker (Foto) aus Dorsten hatte die weltweite zweitgrößte Sammlung an Sonnenuhren. Im Bild einige Exemplare, die sich im Besitz der Harvard University befinden. © Grafik Martin Klose
Sonnenuhren

Kuriose Sammlung: Bedeutende Museen auf Spurensuche in Dorsten

Bedeutende Museen haben sich im Stadtarchiv von Dorsten nach einem bekannten Sohn der Stadt erkundigt. Der Gelehrte besaß die weltweit zweitgrößte Sammlung an Sonnenuhren.

Schon vor Jahren fragte das berühmte British Museum London beim hiesigen Stadtarchiv nach, ob es Informationen über einen längst verstorbenen Wissenschaftler aus Dorsten hat. Jetzt erhielt Stadtarchivar Martin Köcher eine neuerliche Anfrage eines bedeutenden Museums zu diesem Mann, der die zweitgrößte Sonnenuhren-Sammlung der Welt besessen hatte.

Bei dem „Recherche-Subjekt“ handelt es sich um Joseph Drecker. Ab 1934 hatte das Deutsche Optische Museum in Jena eine größere Anzahl Sonnenuhren erworben. Im Rahmen eines Provenienzforschungsprojekts rekonstruiert die Einrichtung derzeit alle Ankäufe von 1933 und 1945. Einzelne davon stammen wohl aus der Sammlung des Dorstener Gymnasialprofessors.

„Auf der Suche nach weiteren biographischen Unterlagen zu ihm konnte ich weiterhelfen“, sagt Martin Köcher. Sogar mit den genauen Lebensdaten, die vorher gar nicht bekannt gewesen waren. Drecker wurde am 14.2.1853 in Dorsten geboren und ist hier am 25.3.1931 gestorben. „Der Sterbeeintrag des Standesamtes liegt hier vor.“ Seine Eltern waren der Kaufmann August Drecker und Mathilde Schraven.

Anlässlich seines Todes ist in der Vestischen Zeitschrift aus dem Jahr 1932, die im Stadtarchiv vorliegt, ein Nachruf von Dr. Joseph Wiedenhöfer erschienen. „Bei weiteren Recherchen bin ich auch auf Schriften von Joseph Drecker gestoßen, die sich in der Dienstbibliothek des Stadtarchivs befinden.“

Am Marktplatz aufgewachsen

Laut Nachruf wuchs Drecker am Dorstener Marktplatz auf, studierte in Münster, war als Lehrer tätig, reichte 1883 an der Universität zu Leipzig eine Doktorarbeit zur „Ausdehnung von Flüssigkeitsgemischen“ ein.

Sein wissenschaftliches Interesse galt aber dem Begriff der Zeit, den er vor allem an Sonnenuhren erforschte, die er auf seinen Reisen in alle Welt sammelte. Am Ende hatte er Hunderte an Exponaten – von der kleinen Sonnen-Taschenuhr bis hin zu monumentalen Gebilden.

Drecker verbrachte die letzten 16 Jahre seines Lebens in Dorsten, blieb in seinem Geburtsort aber bis zu seinem Tod ein Fremder. Er vermachte dem Heimatmuseum seine umfangreiche Mineralien- und Versteinerungssammlung, die heute nicht mehr existiert. Seine Sonnenuhren-Sammlung aber nahm einen interessanteren Weg.

Bei Ebay wird aktuelle eine Sonnenuhr aus der Drecker-Sammlung angeboten.
Bei ebay wird aktuelle eine Sonnenuhr aus der Drecker-Sammlung angeboten. © Privat © Privat

Drecker veräußerte sie 1928 an den Leiter der Universitätsbibliothek Leiden/NL. Dessen Sohn verkaufte den größten Teil der Sammlung an die Harvard University/USA. Dort befinden sich die Sonnenuhren heute noch und werden Stück für Stück digital erfasst. Wo (neben Jena) der Rest gelandet ist, ist nicht bekannt. „Leider befinden sich auch im Stadtarchiv keine Informationen“, so Köcher.

Im Internet-Auktionshaus ebay wird allerdings eine Sonnenuhr von 1730 aus der Drecker-Sammlung für 2400 Euro angeboten.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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