Bei einem Unfall auf der A31 bei Dorsten wurden kürzlich zwei Personen schwer verletzt. © Guido Bludau (A)
Immer wieder Unfälle

Langweilig, aber lebensgefährlich: Wieso kracht es so oft auf der A31?

Die A31 ist eine Autobahn wie viele andere auch. Und doch hat sie eine lebensgefährliche Besonderheit: Im Dorstener Raum kracht es besonders häufig. Die Polizei weiß, warum das so ist.

Wenn es scheppert, dann sind die Folgen arg: Bei Unfällen auf der A31, die weite Teile von Dorsten, Bottrop und Kirchhellen als Autobahn durchquert, sind 2019 zwei Menschen ums Leben gekommen, elf schwer verletzt worden und 15 Personen mit leichteren Blessuren davon gekommen.

Massenunfall am 24. Juli 2020 auf der A31, die noch bis nach Mitternacht gesperrt war: Zehn Menschen erlitten Verletzungen.
Massenunfall am 24. Juli 2020 auf der A31, die noch bis nach Mitternacht gesperrt war: Zehn Menschen erlitten Verletzungen. © Guido Bludau (A) © Guido Bludau (A)

Bei 283 Unfällen zwischen dem „Bottroper Ei“ (Auf- und Abfahrt A31/A2) und den Dorstener Ausfahrten bis raus nach Lembeck waren es insgesamt 283 Unfälle von insgesamt 554 auf dem 240 Kilometer langen „Ostfriesenspieß“.

Die aktuellen Zahlen für 2020 konnte die Autobahnpolizei noch nicht liefern. „Wir werden sie Ende Februar vorstellen“, sagte uns Polizeisprecher Andreas Bode. Corona-bedingt sei die Tendenz aber leicht sinkend gewesen: „Es waren weniger Fahrzeuge unterwegs.“

Schnurgerade, langweilig anmutende Streckenführung

Warum auf der schnurgeraden, zweispurigen, sehr übersichtlichen Autobahn 31 zwischen Bottrop und Emden verhältnismäßig viele, zum Teil sehr schwere Unfälle mit Toten und Verletzten geschehen, ist laut Auskunft der Polizei vornehmlich auf drei Gründe zurückzuführen: „Überhöhte Geschwindigkeit, zu geringer Abstand zum Vordermann, Fehler beim Fahrspurwechsel.“ In 58 Prozent der Fälle sei das auf Dorstener Gebiet der Grund gewesen, warum Menschen und Material zu Schaden gekommen seien.

Ein Wochenende, zwei schwere Unfälle: Zwei Autofahrer wurden am 1. Februar 2020 verletzt.
Ein Wochenende, zwei schwere Unfälle: Zwei Autofahrer wurden am 1. Februar 2020 verletzt. © Guido Bludau (A) © Guido Bludau (A)

„Die Unfälle ließen sich leicht verhindern, wenn alle Verkehrsteilnehmer sich an die Regeln hielten“, meint der Polizeisprecher. Heißt also: Genügend Abstand zum Vordermann halten, das Tempo auf eine angemessene Fahrgeschwindigkeit reduzieren und beim Spurwechsel besonders achtgeben.

Individuelles Fehlverhalten führt häufig zu Unfällen

Dass das auf der A31 oftmals nicht klappe, sei auf individuelles Fehlverhalten, eine aggressive und rücksichtslose Fahrweise einiger Fahrer zurückzuführen. „Wenn Unfälle passieren, hatten immer die anderen Schuld“, hören die Beamten regelmäßig bei der Unfallaufnahme.

Schreckliche Folgen einer Hochgeschwindigkeitsfahrt

Mit 250 km/h war am 1. September 2019 ein Autofahrer nachts um 1 Uhr unterwegs, als er in Höhe der Ausfahrt Dorsten-West ein vor ihm fahrendes beleuchtetes Motorrad eines Niederländers bei geschätzten 200 km/h rammte. Die Folgen waren entsetzlich: Der Kradfahrer und seine Sozia starben.

Am 22. Oktober 2020 musste sich der 40-jährige Schermbecker vor dem Dorstener Schöffengericht wegen der fahrlässigen Tötung zweier Menschen verantworten. Der Mann, der so viel Leid verursacht hat, kam mit einer Bewährungs- und Geldstrafe davon. Auf seinen Führerschein muss er fünf Jahre lang verzichten.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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