Lippetal-Fläche am Rande der Innenstadt: Politik will unschönes Provisorium voranbringen

mlzInnenstadt

Jahrzehntelang wurde das riesige Gelände nahe der Altstadt von Dorsten stiefmütterlich behandelt. Jetzt will die Politik darüber diskutieren, was mit der riesigen Fläche passieren soll.

Dorsten

, 23.03.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Gelände liegt als riesige Schotterfläche vor den Toren der Altstadt. Jahrzehntelang wurde das Grundstück stiefmütterlich behandelt. Im Sommer staubt es dort gewaltig, bei Regen bilden sich große Wasserlachen. Doch jetzt soll das „Dauer-Provisorium Lippetal endlich überplant werden“.

Das regte Dorstens SPD-Fraktionschef Friedhelm Fragemann jüngst im Umwelt- und Planungsausschusses an.

CDU: Antrag noch nicht behandelt

Auch die Dorstener CDU beschäftigt sich derzeit mit dem Lippetal. Sie hatte im Herbst 2019 einen Antrag an den Rat gestellt, der damals aber an den zuständigen Umwelt- und Planungsausschuss weiterverwiesen worden war. Bislang wurde er dort aber noch nicht behandelt.

Politik und Verwaltung wollen bald in nicht-öffentlicher Sitzung beim nächsten Treffen der „Ratskommission Stadtentwicklung“ das Thema voranbringen.

Etwas abseits gelegen, aber dennoch nah an der Fußgängerzone: Die Autofahrer können im Lippetal kostenlos ihre Autos abstellen. Hinten das Feuerwehrgerätehaus des Löschzugs Altstadt.

Etwas abseits gelegen, aber dennoch nah an der Fußgängerzone: Die Autofahrer können im Lippetal kostenlos ihre Autos abstellen. Hinten das Feuerwehrgerätehaus des Löschzugs Altstadt. © Michael Klein

In dem CDU-Antrag hatte Fraktionschef Bernd Schwane gefordert, dass das Lippetal „für die Bürger erhalten bleibt“ und eine „weitere Verdichtung ausgeschlossen ist“.

Dies betont auch Hendrik Schulze-Oechtering, CDU-Ratsherr und Oberst der Bürgerschützen Altstadt, die das Gelände als Festplatz nutzen. „Sollte Friedhelm Fragemann mit Überplanung aber meinen, dass die Fläche lediglich gepflastert und attraktiver gestaltet wird, hätte er dabei unsere Unterstützung.“

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Das Lippetal ist zwar etwas abseits gelegen, aber dennoch nahe der Innenstadt. Vom Lippetor aus müssen Fußgänger ein paar Treppenstufen hinuntersteigen, um dorthin zu gelangen. Autofahrer können nur den Weg über die Schiffbauerstraße oder die Straße „Im Ennewälken“ nehmen.

Genutzt wird die riesige Fläche vor allem als kostenloser Parkplatz. Dennoch hat das Lippetal auch andere Qualitäten - die Fläche grenzt an den Wesel-Datteln-Kanal - mit Blick aufs Wasser.

Wohnbebauung war im Gespräch

Und deshalb bietet sie „ein großes Potenzial, das innenstadtnahe Wohnraumangebot zu verbessern“. So hieß es noch vor fünf Jahren auf der Internet-Seite des damals gestarteten Stadtumbau-Programms „Wir machen Mitte“.

Das „Lippetal“ bebaut mit Wohnhäusern? Gegen diese bereits vor rund 20 Jahren für das Zukunftsprojekt „Stadt am Wasser - Brücken schlagen“ entwickelte und für „Wir machen Mitte“ wieder aus den Schubladen hervor gezogene Idee regte sich alsbald Widerstand.

Denn im Lippetal parken viele Kunden, die in der Innenstadt einkaufen. Hier stellen ebenso die Markthändler ihre Fahrzeuge ab wie eine Menge Angestellte und Mitarbeiter der Büros und Geschäfte in der City.

Während es im Sommer staubt, wird die Fläche bei Regen zur "Seenplatte".

Während es im Sommer staubt, wird die Fläche bei Regen zur "Seenplatte". © Michael Klein

Kritik kam auch von Altstadtschützen, die um ihren Festplatz bangten, vom Angelsportverein ASV Dorsten, der am Kanal sein Vereinsheim betreibt - und der Löschzug Altstadt pochte darauf, dass er weiter vernünftige Zu- und Abfahrten zu seinem Feuerwehrgerätehaus benötigen würde.

Den vor allem von CDU und FDP geäußerten Bedenken schloss sich schließlich auch die SPD an - und so kam es, dass die Wohnbau-Pläne in immer weitere Ferne rückten.

„Soll nicht verkauft werden“

Auch der beim Projekt „Wir machen Mitte“ angestrebte Städtebauliche Wettbewerb für das Lippetal wird seit 2018 nicht mehr weiter verfolgt.

Die CDU fordert in ihrem Antrag dennoch ausdrücklich, dass das Gelände nicht verkauft werden soll. Das lässt vermuten, dass es weiterhin Begehrlichkeiten nach dem Gelände gibt und gab.

Die Bürgerschützen der Altstadt feiern im Lippetal immer ihr Schützenfest (Aufnahme von 2013).

Die Bürgerschützen der Altstadt feiern im Lippetal immer ihr Schützenfest (Aufnahme von 2013). © Privat

SPD-Fraktionschef Friedhelm Fragemann (Vorsitzender des Umwelt- und Planungsausschusses) hofft, dass man mit der von ihm geforderten Überplanung einen „kleinen Kompromiss mit dem damaligen Masterplan Brückenschlag“ hinbekommt. „Zumindest, indem man die Fläche mit Grün aufhübscht und befestigt“, sagt Fragemann. „Vielleicht ließen sich dabei sogar Fördermittel generieren.“

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