Lisa Ellermann aus Dorsten kandidiert bei der Bundestagswahl für die Linkspartei. Einer ihrer Lieblingsorte in Dorsten ist der Marktplatz. © Robert Wojtasik
Bundestagswahl 2021

Lisa Ellermann (Die Linke) will der Jugend eine Stimme geben (mit Videos)

Lisa Ellermann hat in der Corona-Pandemie Abitur gemacht und ihren Job verloren. Für die Linkspartei will die 19-jährige Dorstenerin jetzt eine junge Stimme im Bundestag werden.

Das erste Paar Schuhe, das Lisa Ellermann von ihren Eltern bekam, waren Fußballschuhe. „Ich bin mit dem Ball am Fuß aufgewachsen“, sagt die 19-jährige Direktkandidatin der Linken für die Bundestagswahl. Als Abwehrspielerin beim SV Lembeck scheut sie keinen Zweikampf, grätscht auch mal dazwischen und weiß sich zu verteidigen. Eigenschaften, die ihr auch in der Politik zugutekommen.

„Als junge Kandidatin bekommt man viele Sprüche“, sagt Lisa Ellermann. „Da muss man sich wehren und sachlich argumentieren.“ Auch mit ihrem Engagement gegen Rechts eckt die angehende Lehramts-Studentin an. Da kommen schon mal anonyme Hassbotschaften auf Instagram.

Der Kontakt zur Linkspartei kam 2017 während einer Podiumsdiskussion zur Europawahl in ihrer Schule zustande. Politisch aktiv wurde sie danach zunächst in der Bezirksschülervertretung im Kreis Borken. Im vergangenen Jahr trat die gebürtige Bottroperin der Linkspartei bei, landete bei der Kommunalwahl gleich auf Listenplatz 2 für den Stadtrat und erlebte ihren ersten Wahlkampf.

Für ein Ratsmandat reichte es nicht. Lisa Ellermann ist seitdem als sachkundige Bürgerin im Ausschuss für Schule und Weiterbildung und stellvertretendes Mitglied im Jugendhilfeausschuss aktiv.

Schulen modernisieren und Bildungsföderalismus abschaffen

Bildungspolitik ist ihr Steckenpferd. Schulen müssten dringend modernisiert, der Bildungsföderalismus abgeschafft werden – nicht erst seit Corona. Aber die Pandemie hat Defizite noch mal deutlich zutage gebracht. Stress pur sei das – und zwar für alle: „Die Schuld darf man aber nicht bei Lehrkräften oder Schülerinnen und Schülern suchen, sondern weiter oben in der Politik.“

Lisa Ellermann lebt bei ihrer Mutter in Rhade. In dieser „Zweier-WG“ habe sie sich ganz gut aufs Abi vorbereiten können. „Aber ich kenne auch Leute mit vielen Geschwistern. Die hockten dann nur aufeinander. Ganz viele konnten sich nicht hundertprozentig auf die Schule konzentrieren. Das hat man dann an den Noten gemerkt und an der Verzweiflung vor den Abi-Klausuren.“

Musik ist ein Hobby von Lisa Ellermann. Sie war unter anderem Sängerin in einer Schulband. © privat © privat

Aber auch Klimapolitik ist der 19-Jährigen wichtig – und hier besonders der ÖPNV. Die überzeugte Bus- und Bahnfahrerin hat keinen Führerschein und vorerst auch nicht vor, ihn zu machen. Aber sie hat gerade wieder 190 Euro für ihr Ticket im VRR-Bereich bezahlt. „Das merkt man dann schon auf der Tasche!“ Den ÖPNV will sie ausbauen und kostenlos machen.

Im Lockdown war der Minijob schnell weg

Ein anderes Thema begleitet Lisa Ellermann schon ihr ganzes Leben. Als Tochter einer Altenpflegerin habe sie erlebt, was das System mit einem mache. Extrem anstrengend und stressig sei der Alltag in der Branche – und teils entwürdigend sowohl für Pflegende als auch Gepflegte. Sie selbst jobbt, seitdem sie 15 ist, die meiste Zeit in der Gastronomie. Im Lockdown wurde ihr gekündigt. Inzwischen arbeitet sie in einer Corona-Teststation in Borken.

Zur Bundestagswahl angetreten ist sie, um der Jugend im Parlament eine Stimme zu geben. Zwar bemühe sich die Politik inzwischen, auf Sorgen und Ängste der Jugend einzugehen. „Aber sie kann immer nur ahnen, wie junge Leute sich fühlen und am Ende kommt auf Landes- und Bundesebene nichts dabei herum.“

Ihre derzeit knappe Freizeit verbringt sie gerne mit ihrer Partnerin. Auch Musik spielt eine wichtige Rolle im Leben von Lisa Ellermann. Sie war Sängerin in einer Schulband und als Kind Karnevalsprinzessin in Raesfeld-Erle. An der Musik gefällt ihr, dass man so viele Emotionen darin verpacken kann. Um mal richtig Druck abzulassen, sei dann aber doch der Fußballplatz der bessere Ort.

Über den Autor
Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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