Männer gingen auf monatelange Diebestour durch Geschäfte und Werkstätten in Dorsten

mlzGerichtsprozess

Die Angeklagten waren für eine Menge Einbrüche und Diebstähle in Dorsten verantwortlich. Jetzt machte das Schöffengericht ihnen den Prozess - und fällte ein richtig hartes Urteil.

Dorsten

, 01.02.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gleich fünfmal innerhalb weniger Monate wurde Ende 2017/Anfang 2018 in eine Zahnarztpraxis in Holsterhausen eingebrochen. Der Täter ging immer gleich vor: Er riss die Jalousien aus der Verankerung, schlug ein Fenster ein, entwendete Wertgegenstände und Bargeld in Höhe von jeweils 150 bis 200 Euro. Im März jedoch scheiterte er, als er in die Räume einsteigen wollte - weil das Haus mittlerweile mit besserer Sicherheitstechnik ausgestattet war.

Monatelange Diebestour

Unter dringendem Tatverdacht stand alsbald ein 42-jähriger Landschaftsbauer, der nicht weit entfernt vom Tatort wohnte. Er räumte am Mittwoch im Saal 105 des Dorstener Amtsgerichts die Einbruchserie zum Teil ein. Der Mann gehört zu dem Quartett, das sich seit zwei Wochen vor dem Schöffengericht verantworten muss. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Die Männer sollen alleine und zu zweit in unterschiedlichsten Konstellationen in Dorsten monatelang auf Diebestour gegangen sein.

Sie klauten Textilien aus Ladenlokalen in der Innenstadt, ließen Waren aus Supermärkten mitgehen, brachen in Werkstätten, in Friedhofsgebäude und sogar in die Dorstener Stadtgärtnerei ein, entwendeten dort Werkzeuge, Materialien und rissen einen Tresor aus der Verankerung.

Sie haben Geld für Stoff benötigt

Gut 20 Tatvorwürfe standen im Raum. Die Dunkelziffer ihrer begangenen kriminellen Verfehlungen dürfte aber weitaus höher sein. Denn alle Angeklagten sind rauschgiftsüchtig, „wir haben damals bis zwei Gramm Heroin täglich konsumiert“, sagten zwei der Beschuldigten aus. Der 42-Jährige rechnete vor: „Um meinen Suchtdruck unter Kontrolle zu bringen, brauchte ich jeden Tag 150 bis 250 Euro für Stoff.“

Die Angeklagten legten zum Teil Geständnisse ab, konnte sich an viele Taten kaum noch erinnern, weil sie zu der Zeit zumeist unter schwerem Drogeneinfluss gestanden hätten. Nur so ist die Dreistigkeit zu erklären, die sie an den Tag legten. „Sie haben seelenruhig vor unseren Augen die Sachen mitgehen lassen“, erklärte eine Geschäftskundin, die als Augenzeugin anschließend eine zufällig vorbeiradelnde Streife der Polizei informiert hatte. Die Täter wurden dann mit Schalke-Kappen auf dem Kopf gefasst, die sie kurz vorher in einem Fan-Shop in der Innenstadt gestohlen hatten.

Bohrmaschine über Zaun geworfen

In einem anderen Fall verfolgten Passanten zwei der Täter und beobachten sie dabei, wie sie ihre Beute an einer Eingangstür des Caritas-Gebäudes zwischenlagern wollten. Die schwersten Taten wurden dem 42-jährigen Dorstener Landschaftsbauer vorgeworfen. Er sackte ein TV-Gerät ein, das im Eingangsbereich des Toom-Supermarkts noch verpackt auf einer Palette stand, trug dabei ein Cuttermesser mit sich. In einem Baumarkt packte er sich eine teure Bohrmaschine, warf sie über einen Zaun auf das Außengelände - Pech für ihn, dass ein Autofahrer ihn dabei beobachtet hatte.

Drei Jahre in Haft

Der 42-Jährige war erst vor Kurzem zu einer gut einjährigen Haftstrafe verurteilt worden, zudem stand er zum Zeitpunkt der Taten unter Bewährung. Deswegen stockte das Schöffengericht seine Gefängnisstrafe auf drei Jahre auf. Zwei andere Angeklagte kamen mit 14 beziehungsweise 15 Monaten Haft davon. Der vierte im Bunde hatte sich wegen einer drohenden Halswirbel-OP als verhandlungsunfähig entschuldigen lassen, er wird sich demnächst alleine auf der Anklagebank wiederfinden. Wie auch ein Dorstener Rentner, der laut Aussage des 42-Jährigen ihn zu manchen Taten angestiftet und beauftragt haben soll - wie etwa zum Diebstahl eines Radladers von einer Baustelle auf dem ehemaligen Hervester Zechengelände.

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