Mann aus Dorsten onaniert vor Schwestern und geht in Kampfhaltung auf Polizisten los

mlzGerichtsprozess

Todesdrohungen, Exhibitionismus, Widerstand gegen Beamte - die Anklageliste gegen einen Dorstener war lang. Aber der fieseste Vorwurf konnte ihm und seinen Kumpeln nicht nachgewiesen werden.

Dorsten

, 18.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Es war äußerst fies und unappetitlich, was den Angeklagten vorgeworfen wurde. Gemeinsam mit einer damals 47-jährigen Dorstenerin sollen die drei Männer in einer Wohnung in Hervest zunächst dem Alkohol zugesprochen haben. „Irgendwann kippte die Stimmung, die haben mich total erniedrigt“, gab die Frau später der Polizei zu Protokoll.

„Auf Gesicht und Kleidung uriniert“

Einer der Männer habe sie mit der Faust gegen die Schläfe geschlagen, ein anderer auf ihr Gesicht und die Kleidung uriniert, der dritte mit einem Baseballschläger auf ihre Rippen und Beine eingedroschen.

Am Mittwoch mussten sich zwei der Tatverdächtigen (39 und 41 Jahren alt) erneut vor dem Dorstener Schöffengericht für den Vorfall verantworten, der sich im Juni 2016 abgespielt haben soll. Der dritte Mann meldete sich kurzfristig wegen Krankheit ab. „Wenn wir Sie verurteilen würden, kämen sie dafür garantiert ins Gefängnis“, hatte Strafrichterin Lisa Hinkers ährend der Verhandlung angedroht. Doch es kam anders.

Aus der Dorstener Trinkerszene

Denn die Aufarbeitung des Falls - sie war nach dem ersten Prozesstag vor einem Jahr vertagt worden, weil die Angeklagten zuvor noch gutachterlich untersucht werden sollten, gestaltete sich unmöglich - was vor allem damit zu tun hatte, dass alle Beteiligten der Dorstener Trinker- und Obdachlosenszene angehörten. Die Angeklagten konnten sich wegen des damaligen Alkoholkonsums an kaum etwas erinnern, ein weiterer Zeuge lebt inzwischen auf der Straße und konnte von der Polizei nicht ermittelt werden. Und das weibliche Opfer ist inzwischen gestorben.

„Nicht revisionssicher“

„Ein Verurteilung wäre nicht revisionssicher“, so Lisa Hinkers, weshalb dieses Verfahren eingestellt wurde. Bestraft wurden die beiden Angeklagte dennoch: Der 41-jährige für einen Fahrraddiebstahl, der 39-jährige Hauptbeschuldigte dafür, dass er in Kampfhaltung und mit 2,74 Promille im Blut auf Polizisten losgegangen war und wissentlich den Notruf 110 missbraucht hat. Todesdrohungen gegenüber seiner Ex-Frau und einer weiteren Bekannten per SMS und WhatsApp konnten ihm nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Hinter der Scheibe onaniert

Außerdem hatte er sich nachts hinter der Fensterscheibe seiner Wohnung beim Schein einer Stehlampe onanierenderweise der Mieterin einer Wohnung gegenüber gezeigt, die sich mit ihrer Schwester auf dem Balkon aufgehalten hatte. Der Hervester bekam zehn Monate auf Bewährung und hatte dabei Glück, dass die psychiatrische Gutachterin ihm eine verminderte Schuldfähigkeit attestiert hatte.

Lesen Sie jetzt