Mann beobachtet Kind beim Stehlen und hält es fest - jetzt droht ihm ein Strafverfahren

mlzDiebstahl bei Rossmann

Ein Mann beobachtet zwei Kinder, wie sie bei Rossmann klauen. Er rennt ihnen hinterher und hält eines fest, bis die Polizei kommt. Dafür droht ihm jetzt ein Strafverfahren.

Dorsten, Holsterhausen

, 24.10.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mariusz Kolodziejczyk arbeitet als Koch bei Böhmer‘s in Lembeck. Mit seinem Sohn Nathaniel (10) war der Raesfelder am 7. September nachmittags bei Rossmann in Holsterhausen einkaufen. Beide beobachten, wie zwei achtjährige Jungen Spielzeug aus einem Regal klammheimlich in einen Rucksack packen und sich damit aus dem Staub machen.

Er wollte dem Sohn zeigen: Das macht man nicht!

Er reagiert empört: „Schon deshalb, weil ich meinem Sohn zeigen wollte, dass man das nicht machen darf.“ „Ich bin den beiden hinterhergerannt, als die abgehauen sind. Einen habe ich dann in der Nähe von Rossmann erwischt und ihn am Kragen gepackt, um ihn zurück zum Laden zu bringen.“

Das hätte er nicht tun dürfen.

Denn strafunmündige Kinder sind vom Jedermann-Paragraphen (Paragraph 127 der Strafprozessordnung) ausdrücklich ausgenommen, wie Richterin Lisa Hinkers, Vorsitzende des Schöffengerichts am Amtsgericht Dorsten, auf unsere Anfrage sagt. Der sichert nichtamtlichen Personen zu, eine „vorläufige Festnahme auf frischer Tat“ vorzunehmen.

Für strafunmündige Kinder gilt das nicht. „Er hätte die Kinder laufen lassen müssen“, sagt die Richterin nach einem Blick in das Juristen-Handbuch „Becksche Kurzkommentare“.

Keinen Dank, dafür Anzeige wegen Körperverletzung

Für seinen spontanen Zugriff hat Kolodziejczyk keinen Dank erhalten. Aber ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung kassiert. Angehörige des Kindes haben ihn bei der Polizei angezeigt.

Er habe das Kind beim Packen des Jackenkragens in die Höhe gehoben. Dadurch habe es Verletzungen am Hals erlitten. Das geht aus der Anzeige hervor, wie Polizeisprecherin Ramona Hörst auf unsere Anfrage bestätigt. Sie bestätigt auch, dass gegen Kolodziejczyk ermittelt werde.

Die Kinder seien wegen ihres Alters, beide sind acht, strafunmündig. „In solchen Fällen geben wir aber den Jugendämtern einen Hinweis, dass die Kinder aufgefallen sind“, so Ramona Hörst. Sie geht davon aus, dass die Jugendämter dann auch tätig werden.

Kinder kommen ungestraft davon - warum?

Mariusz Kolodziejczyk versteht das nicht: „Man kann doch nicht dulden, dass Kinder klauen und ungestraft davonkommen“, sagt er. Er empfinde das als Unrecht und habe deshalb spontan reagiert. „Werde ich nicht wieder tun“, sagt er jetzt. Beim nächsten Mal schaue er zu, wenn Kinder klauen.

Offenbar sind die beiden Kinder keine unbeschriebenen Blätter: „Die Rossmann-Filialleiterin hat gesagt, beide seien schon einmal beim Klauen in ihrem Geschäft erwischt worden. Dafür haben sie ein Jahr lang Hausverbot“, so Mariusz Kolodziejczyk.

Das habe den Knirps, den er am Kragen gepackt hatte, aber wohl nicht sonderlich beeindruckt . „Der hat sein Handy aus der Tasche gezogen, auf den Kalender geschaut und gesagt: Dann kann ich ja am 30. September 2020 wiederkommen.“

PARAGRAPH 127 StrAFPROZESSORDNUNG

  • Unter Absatz 2 des Jedermann-Paragraphen 127 der STPO wird erläutert, wann eine vorläufige Festnahme auf frischer Tat möglich ist. Der Jedermann-Zugriff ist laut Strafprozessordnung (STPO) erlaubt, wenn eine beobachtete Straftat mutmaßlich zum Erlass eines Haftbefehls oder eines Unterbringungsbefehls führt.
  • Strafunmündige Kinder dürfen nicht festgenommen werden, weil sie von der Straverfolgung aufgrund ihres Alters ausgeschlossen sind.
  • Sie dürfen „auch nicht zu dem Zweck, die Feststellung ihrer Personalien oder diejenigen ihrer Aufsichtspflichtigen zu ermöglichen“, festgehalten werden.
  • In den „Beckschen Kurzkommentaren zur Strafprozessordnung“ wird allerdings darauf hingewiesen, dass dies dem allgemeinen Rechtsbewusstsein abträglich sein könne. Fazit: „Abhilfe kann daher nur der Gesetzgeber schaffen, soll es nicht bei den außerstrafrechtlich Erziehungs- und Fürsorgemaßnahmen bleiben“.“
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