Brutaler Tritt: Mann wird am hellichten Tag in Dorsten das Gesicht zertrümmert

mlzGerichtsprozess

Monatelang konnte das Opfer nur Flüssignahrung zu sich nehmen, weil ihm auf offener Straße das Gesicht zertrümmert wurde. Am Mittwoch begann vor Gericht die Aufarbeitung der schlimmen Tat.

Dorsten

, 27.02.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war eine höchst brutale Tat. Am hellichten Tag wurde am 30. November 2018 ein 34-jähriger Dorstener mitten auf der Einkaufsstraße „Im Harsewinkel“ im Dorstener Stadtteil Hervest so übel zusammengetreten, dass sein Gesicht dabei regelrecht zertrümmert wurde. „Ich konnte monatelang nur Flüssignahrung zu mir nehmen“, sagte das Opfer im großen Sitzungssaal des Dorstener Amtsgerichts aus.

„Furchtbare Verletzung“

Vor dem Dorstener Schöffengericht begann am Mittwoch (26. Februar) die juristische Aufarbeitung des schlimmen Geschehens von damals. Das Opfer habe „ein riesengroßes Unglück und eine furchtbare Verletzung erlitten“, sagte Strafrichterin Lisa Hinkers.

Noch heute sind dem Geschädigten die Folgen der Knochenbrüche anzusehen. „Meine rechte Gesichtshälfte ist deshalb so eingefallen, weil die Ärzte meinen Kiefer nicht ganz richten konnten“, erklärte der Mann.

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Am Tattag wollte er mit seiner Freundin gegen 16 Uhr beim dortigen Discounter einkaufen gehen. Nahe der Einmündung zur Burgsdorffstraße kamen ihnen zwei Männer entgegen. Einer von beiden saß am Mittwoch auf der Anklagebank: ein 24-jähriger Kioskbesitzer.

Er war zwar nicht derjenige, der auf den 34-Jährigen eindrosch und zutrat. Aber er soll laut Anklage der Staatsanwaltschaft gemeinsam mit dem Haupt-Tatverdächtigen das Opfer zunächst hin- und hergeschubst haben, bevor es zu der Gewalteskalation kam.

„Wollte Streit schlichten“

Der Angeklagte wies die Vorwürfe von sich: „Ich bin nur dazwischengegangen, weil ich den Streit schlichten wollte.“ Immer wieder regte er sich während der Gerichtsverhandlung lautstark auf. „Ich habe drei Jahre Knast hinter mir, ich will da nicht wieder rein“, begründete er sein impulsives Verhalten.

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Das Opfer erklärte schließlich auf Nachfrage, dass er nicht ausschließen könnte, dass der Angeklagte „mich unabsichtlich gerempelt hat“. Und auch seine Freundin konnte nicht mit Sicherheit bezeugen, dass der 24-Jährige mit dem Schubsen angefangen habe.

Glatter Freispruch

Der 24-Jährige wurde schließlich freigesprochen. Vor allem auch, weil der Haupt-Tatverdächtige, gegen den zu einem späteren Zeitpunkt ein umfangreicheres Gerichtsverfahren anberaumt wird, ihn mit seiner Aussage entlastete. „Er hat überhaupt nichts gemacht“, so der 32-Jährige.

Eigentlich hätte er gar nicht mehr aussagen müssen, um sich im Hinblick auf seine eigene Verhandlung nicht selbst zu belasten - dennoch nahm er schon am Mittwoch alle Schuld auf sich. Zuvor hatte eine Augenzeugin zu Protokoll gegeben, dass „er sein Rad abstellte und dann mussten meine kleine Tochter und ich mitansehen, wie das Blut spritzte“.

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