Mehr Senioren in Unfälle verwickelt

Fahruntüchtigkeit wird bei Auffälligkeiten geprüft

Die Ursache für den Kontrollverlust des 87-jährigen Fahrers über seinen Pkw, der am Montag auf dem Aldi-Parkplatz fünf Fahrzeuge rammte und eine 65-jährige Frau lebensgefährlich verletzte, ist noch nicht geklärt. Jetzt ist aber die Diskussion darüber entflammt, ab wann man seinen Führerschein abgeben solle.

Hardt

, 04.11.2014, 15:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Führerschein abgeben? Eine schwere Entscheidung!

Führerschein abgeben? Eine schwere Entscheidung!

Die Verwicklung älterer Menschen in einen Verkehrsunfall lässt die Diskussion um eine regelmäßige Überprüfung der Fahrtüchtigkeit ab einem bestimmten Alter immer wieder aufleben. „Zurzeit gibt es in Deutschland keine gesetzlichen Grundlagen dazu. Jeder darf so lange fahren, wie er möchte“, weist Inge Such auf die Notwendigkeit einer sehr individuellen Betrachtung hin: Der eine Mensch sei schon mit 60 Jahren eingeschränkt, während ein anderer noch mit 80 sicher unterwegs sein könne.

Die Polizei-Statistik weist für Dorsten bei der Unfallbeteiligung nach Altersgruppen einen Anstieg bei den Senioren aus: Zählte man 2012 insgesamt 26 an einem Unfall beteiligte Senioren, kletterte die Zahl 2013 auf 38 an. Die 5-Jahres-Betrachtung (2009-2013) bestätigt diesen Trend, wie der Verkehrsunfallbericht 2013 zeigt. „Diese Statistik ist aber nicht nach dem Verursacherprinzip erstellt, sondern lediglich nach Beteiligungen, das heißt, Verursacher und Opfer sind zusammengefasst“, erklärt Polizeisprecherin Ramona Hörst. Welche Handhabung hat die Polizei in puncto Fahr(un)tüchtigkeit? „Wenn bei einem Unfall Verdacht auf eingeschränkte Fahrtüchtigkeit vorliegt, läuft das über die Strafprozessordnung“, weiß Hörst. Nach Paragraf 315 c StGB sei eine Ahndung mit Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren möglich. Eine weitere Möglichkeit biete der Verwaltungsweg: „Zweifeln bei einer Verkehrskontrolle die Beamten an der Fahrtüchtigkeit, können sie diese Beobachtung der Führerscheinstelle mit der Bitte um Überprüfung weiter melden“, so Hörst. Der Dorstener Fahrlehrer Heinrich Lüning hat zu diesem Thema eine klare Meinung: „Gesundheitscheck ab 70 und ab 80 Jahren regelmäßige Kontrolle“, lautet sein Vorschlag. Das Reaktionsvermögen nehme bekanntlich im Alter ab. „Wenn ich beobachte, dass sich Leute, die sich kaum bewegen können, hinters Steuer setzen, dann frage ich mich, wie die auf der Straße reagieren. Mein Großvater hat den Führerschein mit 80 abgegeben!“

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