Claudia Schöne und ihr Mann Norbert betreiben in Holsterhausen eine Fahrschule und müssen sich bald mit der veränderten Fahrprüfung auseinandersetzen. © Marie Rademacher (A)
Geänderte Fahrprüfung

Mehr Transparenz kann Dorstener Fahrschülern nach der Prüfung helfen

Länger, teurer, aber transparenter: Die geänderte praktische Fahrprüfung soll für mehr Sicherheit sorgen. Eine Dorstener Fahrlehrerin weiß, worauf sich Fahrschüler künftig einstellen müssen.

Seit dem 1. Januar gilt bundesweit die „Optimierte Praktische Fahrerlaubnisprüfung“ (OPFEP). Führerscheinprüflinge müssen sich auf einige Änderungen einstellen. Die OPFEP soll unter anderen dazu beitragen, das hohe Unfallrisiko von Fahranfängern zu vermindern.

Die praktischen Erfahrungen mit der neuen Prüfung fehlen Claudia Schöne von der Fahrschule Schöne in Holsterhausen noch. „Wie gelungen das ist, kann ich noch gar nicht sagen“, meint die Fahrlehrerin. Schließlich sind Fahrprüfungen im Rahmen des Lockdowns bis zum 31. Januar gar nicht möglich.

Digitales Prüfprotokoll für Schüler verfügbar

Statt der handschriftlichen Dokumentation gibt der Fahrprüfer während der Prüffahrt die Bewertungen in ein digitales Prüfprotokoll (ePp) auf einem Tablet-Computer ein. Darin werden die durchzuführenden Fahraufgaben sowie die jeweiligen Bewertungskriterien (überdurchschnittliche Leistungen und Fehler) angezeigt.

„Bis jetzt hat der Prüfer den Fahrschülern gesagt, aus welchem Grund sie durchgefallen sind. Jetzt kann sich jeder Schüler das elektronische Protokoll ausdrucken“, erklärt Claudia Schöne. Sie weiß allerdings nicht, ob diese Möglichkeit jemand nutzen wird. Nach Bekanntgabe des Ergebnisses seien die Schüler schließlich in der Regel recht emotional. „Wenn sie bestanden haben, springen sie auf und freuen sich. Ansonsten sind sie frustriert.“ Claudia Schöne kennt die Gefühlswelten nach der Prüfung.

Trotz längerer Prüfung keine inhaltlichen Unterschiede

Die Prüfung wird von 45 auf 55 Minuten verlängert. Die Fahraufgaben während der Prüfung nehmen fünf Minuten mehr Zeit in Anspruch, das anschließende Feedback-Gespräch dauert ebenfalls fünf Minuten. Inhaltlich werde sich aber laut der erfahrenen Fahrlehrerin nicht viel ändern.

„Man muss nach wie vor am Stoppschild anhalten und ‚Rechts vor Links‘ beachten“, so Claudia Schöne. Viel Wert werde in der Prüfung auf die Verkehrsbeobachtung über die Spiegel gelegt, das wird nun im elektronischen Protokoll genauer belegt. Dieses Protokoll könnte sie sich als Fahrlehrerin nachher auch angucken. „Für mich ist das nicht so interessant, ich bin ja dabei“, meint sie aber.

Viele Prüflinge sind während der Prüfung „im Tunnel“

Der eine oder andere Prüfling könne aber davon profitieren. „Viele Prüflinge sind so im Tunnel, 90 Prozent wissen gar nicht, wo sie hergefahren sind“, beobachtet Claudia Schöne. Durch das Protokoll erkennen Schüler und Eltern, wo Defizite liegen. Trotz der Digitalisierung ist es ihr wichtig, dass am Ende der Prüfer entscheidet. „Der Computer sieht den Menschen am Steuer nicht“, meint Claudia Schöne dazu.

Für die Fahrschulen ist die längere Prüfung von Nachteil, sie können an einem Tag nur noch neun statt zuvor zehn Prüflinge vorstellen. Gerade bei den Prüfungen, die aktuell durch Corona ausfallen, kann es so nach dem Lockdown zu Engpässen kommen. „Die Anrufe der Eltern häufen sich derzeit“, berichtet Claudia Schöne.

Digitalisierung und Verlängerung führen auch dazu, dass die Kosten für die praktische Prüfung um etwa 30 Prozent steigen. Die Prüfung kostet dann nicht mehr wie momentan knapp 90, sondern etwa 117 Euro. „Ich glaube nicht, dass das einen davon abhält, die Prüfung zu machen“, sagt die Fahrlehrerin. Schließlich müsse jeder mobil sein.

Verkehrssicherheit „eine Sache der Einstellung“

Ob die Prüfung wirklich zu mehr Verkehrssicherheit führe, werde die Praxis zeigen. „Ich kann als Fahrlehrerin nur ausbilden. Letztlich ist Autofahren aber immer eine Sache der Einstellung“, ist Claudia Schöne überzeugt. Da gebe es viele schlechte Vorbilder, die nicht am Stoppschild anhalten. Völlige Verkehrssicherheit werde es ohnehin nie geben.

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Bastian Becker

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