Mehr Verkehr wegen Industriepark: Stadt sieht keine Gesundheitsgefahr

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Die Pläne für Industriepark auf der ehemaligen Zechenfläche nehmen die nächste Hürde: Trotz mehr LKW-Verkehr im Ort sieht die Stadt bei Luftschadstoffen keine Gesundheitsgefahr für Anwohner.

Dorsten, Wulfen

, 21.05.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rainer Heimann wollte „diese Werte zunächst gar nicht so recht glauben“, wie der SPD-Sprecher im Dorstener Umwelt- und Planungsausschuss sagte. Auf der jüngsten Sitzung ging es um das geplante Industriegebiet „Große Heide“ auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage Wulfen - und damit auch um die Luftschadstoffe, die im Bereich der Ortsdurchfahrt der B 58 für die Bewohner des Dorfkerns in Altwulfen durch die dadurch erwartete erhöhte Verkehrsbelastung zuzukommen drohen.

Die Stadtverwaltung hatte der Politik in einer Berichtsvorlage mitgeteilt, dass sie durch das Screeningmodell des NRW-Umweltministeriums den Ist-Zustand und auch den „Worst-Case-Fall“ (stark erhöhte Zunahme durch den LKW-Verkehr) in Sachen Feinstaubpartikel, Stickstoffdioxid und Benzol berechnet habe.

„Deutlich unter den Grenzwerten“

Die Werte lägen in beiden Fällen „für alle drei Schadstoffe sogar deutlich unter den zulässigen Jahresmittelwerten“, so die Stadt: Es komme deshalb wegen der Planungen zu keiner gesundheitsgefährdenden Luftbelastung. „Wenn das so stimmt, wäre das ja gut“, meinte Rainer Heimann.

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Stefan Risthaus (CDU) erklärte für seine Fraktion, dass trotz der Bedenken wegen der höheren Verkehrsbelastungen die Vorteile der Planungen überwiegen - immerhin sollen auf dem 25 Hektar großen Gelände bis zu 300 Arbeitsplätze entstehen.

21 Stellungnahmen, zwei Unterschriftenlisten

Der Industriepark nahm mit dem positiven Votum des Ausschusses seine nächste politische Hürde, nachdem Ende des Jahres 2019 die Öffentlichkeit beteiligt worden war. „Dabei wurden 21 Stellungnahmen vorgetragen, zudem zwei Unterschriftenlisten eingereicht, die insgesamt 116 Unterschriften umfassen“, so die Verwaltung.

Auf diesem Gelände soll der Industriepark entstehen.

Auf diesem Gelände soll der Industriepark entstehen. © Hans Blossey

Die Stellungnahmen befassten sich vor allem mit der prognostizierten Erhöhung des Verkehrsaufkommens und den damit einhergehenden negativen Auswirkungen auf den Verkehrsfluss. Aber auch auf die

Lebensqualität im ohnehin jetzt schon durch die stark befahrende B 58 gebeutelten Dorfkern von Altwulfen beschäftigte die Gemüter.

Die Verwaltung teilte mit, dem durch eine Lärmschutzsatzung begegnen zu wollen. Deren Entwurf liege ebenso vor wie der für die vertragliche Regelung der Erstattungsansprüche für Schallschutzmaßnahmen, die die Anwohner beantragen zu können.

Ortsumgehungen haben keine Priorität

Einige Wulfener hatten in den Unterschriftenlisten und Stellungnahmen gefordert, die Pläne für früher mal geplante Ortsumgehungsstraßen neu zu beleben. Die Stadt erklärte jedoch, dass weder die B 58n noch die L 608n in den bestehenden Bundes- und Landesverkehrsplänen die nötige Priorität haben. Außerdem sind die dafür nötigen Flächen nicht im Besitz von Bund und Land.

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Der zunehmende Verkehr durch Wulfen soll auch nach der Fertigstellung des Industriegebiets reibungslos fließen. Dafür gibt es, so teilte die Verwaltung mit, verkehrstechnische Untersuchungen. Darin geht es zum Beispiel um die Schranken-Schließzeiten und den Einbiegestraßen am digitalisierten Bahnübergang. Oder darum, dass es an der Kreuzung B 58/Hervester Straße künftig nicht zu inakzeptalen Stauphasen kommt.

Knotenpunkt wird untersucht

Der Knotenpunkt Dülmener Straße/Fritz-Eggeling-Allee soll nachträglich in das Verkehrsgutachten aufgenommen werden, erklärt die Stadt. Wegen der Coronakrise und des dadurch reduzierten Verkehrsaufkommens war bislang keine vernünftige Verkehrszählung möglich. Diese wird aber nachgeholt.

Sollte die Untersuchung ergeben, dass der derzeitige Ausbauzustand des Knotenpunkts nicht ausreichend ist, soll nachgerüstet werden - durch eine Ampelanlage oder einen Kreisverkehr.

Die RAG Montan als Eigentümerin und Mitentwicklerin der Fläche übernimmt vertraglich sämtliche Kosten, die zur Erschließung des Industrieparks erforderlich sind. Die Stadt beteiligt sich mit 50 Prozent, maximal jedoch mit 900.000 Euro an den Kosten der Entwässerung und übernimmt nach Fertigstellung die Entwässerungsanlagen in ihr Eigentum. Das Geld ist im Haushalt eingestellt.
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