Mercaden-Manager verlässt Dorsten und kritisiert die „Geilheit am Scheitern“

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Die Mercaden in Dorsten brauchen einen neuen Centermanager. Tobias Agthe verlässt nach nur 15 Monaten das Einkaufscenter und die Stadt. Er sagt: „Es war eine harte Zeit.“ Und er übt Kritik.

Dorsten

, 17.05.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seinen Entschluss hat Tobias Agthe seinem Arbeitgeber, der Koprian IQ aus Hamburg, schon vor einiger Zeit mitgeteilt. In einem Brief hat er sich nun von der Dorstener Interessengemeinschaft Altstadt (DIA) verabschiedet, deren Beiratsmitglied er erst seit der Jahreshauptversammlung im März war.

Ende Juni ist für den Familienvater Schluss in den Mercaden und in Dorsten - „aus privaten Gründen“, wie er betont. „Ich habe die Mitarbeiter und einige Mieter wirklich liebgewonnen“, sagt der 34-Jährige, „die Zusammenarbeit mit Koprian war gut.“

Drei Centermanager in drei Jahren

Mit Tobias Agthe verlieren die Mercaden nach Bernard Banning und Sven Schneider (beide hkm) den dritten Centermanager binnen gut drei Jahren. Der Essener wechselt im Sommer zu einem Bauunternehmen in Dinslaken, das die dortige Neutor-Galerie betreibt. Das Einkaufscenter wurde 2014 eröffnet und ist größer als die Mercaden.

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Die Zeit in Dorsten bezeichnet Tobias Agthe als „hart“. Damit meint er nicht nur die Arbeitszeiten, sondern auch die öffentliche Meinung über die Mercaden. „Ich habe eine solch negative Stimmung gegenüber einem Haus bisher nirgendwo erlebt“, sagt er. „Natürlich wäre eine Öffnung zum Kanal hin besser gewesen, aber das haben wir nicht zu verantworten.“

„Das hat das Haus nicht verdient“

Niemand, so Agthe, könne sich vorstellen, was die fortwährende Kritik an den Mercaden und unflätige Äußerungen bei Facebook mit Mitarbeitern und Mietern mache. „Diese Geilheit am Scheitern hat mich fassungslos gemacht.“ Jede Mitteilung in den sozialen Medien sei zerrissen worden. „Wir hätten einen Mülleimer posten können, der wäre wahrscheinlich auch angefeindet worden“, glaubt Agthe. „Das hat dieses Haus nicht verdient. Hier geben sich alle wirklich Mühe.“ Die Mercaden haben aus Sicht von Tobias Agthe „großes Potenzial“. Die Umbaupläne seien gut, mit den richtigen Mietern könne es anschließend einen erfolgreichen Neuanfang geben.

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Tobias Agthe wird es aus der Ferne mit Interesse verfolgen. Seine Aufgaben übernimmt ab Juli kommissarisch Andrea Hegenbarth, die bei Koprian IQ das Centermanagement aller Häuser verantwortet. Das bestätigte Helmut Koprian, der Vorsitzende der Geschäftsführung, auf Anfrage.

Koprian war am Mittwoch in Dorsten, um hinter verschlossenen Türen mit der Stadtspitze Sortimentsfragen zu besprechen. „Alle Fragen konnten beantwortet werden“, bestätigte er später, ohne ins Detail zu gehen. Wann der Umbau des Einkaufscenters beginnt, ist noch immer unklar. Einige Ausschreibungen laufen noch.

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