Michael Gerdes am Leo - ein Ort, dem der ehemalige Bergmann sich verbunden fühlt. © Ruhr Medien
Bundestagswahl 2021

Michael Gerdes (SPD) ist nach zwölf Jahren in Berlin noch nicht fertig (mit Videos)

Der Sozialdemokrat Michael Gerdes ist seit 2009 im Bundestag. Da will er unbedingt weitermachen. Am liebsten mit einem Kanzler Olaf Scholz. Aber möglichst nicht in einer Großen Koalition.

Er stammt aus einer Arbeiterfamilie, hat Bergmann und Elektrohauer gelernt, dann unter Tage gearbeitet. Bei der Gewerkschaft und an der Volkshochschule bildete er sich weiter, später kümmerte er sich im Betriebsrat um die Sorgen und Nöte der Kumpel. Bei dieser persönlichen Geschichte konnte der politisch interessierte Bergmann kaum woanders landen als in der SPD.

Für die Sozialdemokraten hat er es 2009 in den Deutschen Bundestag geschafft. Da will er bleiben, stellt sich am 26. September zum vierten Mal zur Wahl, hofft auf ein erneutes Direktmandat. Wenn es klappt, ist das seine erste Legislaturperiode ohne Kanzlerin Angela Merkel. Dass es seine erste mit Armin Laschet als Kanzler oder Annalena Baerbock als Kanzlerin werden könnte, will der Großvater von acht Enkeln sich gar nicht erst vorstellen. „Ich setze voll auf Olaf Scholz.“

Wunsch: Bloß nicht wieder eine Große Koalition

Eine erneute Große Koalition wünscht der 61-jährige Bottroper sich nicht. „Erstmal müssen wir stärkste Kraft werden, dann sehen wir weiter.“ Da will er dabei sein. Vier Jahre auf jeden Fall noch, schließlich gebe es noch eine Menge zu tun. Dem ehemaligen Betriebsrat, der im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestages mitarbeitet und seinen Parteifreund Hubertus Heil für den besten Arbeitsminister hält, den er je erlebt hat, liegen besonders die Themen Rente und Pflege am Herzen.

„Wir brauchen über kurz oder lang ein Rentensystem für alle, in das Beamte, Arbeiter, Freiberufler und auch Abgeordnete gleichermaßen einzahlen. Unser Rentenmodell wird auf Dauer nicht tragen und ist nicht gerecht, da müssen wir frühzeitig die Weichen stellen.“ Gerdes: „Mütterrente und Grundrente sind deutliche Verbesserungen, aber noch immer gibt es Gerechtigkeitslücken. Daran müssen wir arbeiten.“ Bei zurückliegenden Verhandlungsmarathons habe sich die Union eher als Hemmschuh gezeigt, auch deshalb sei es an der Zeit, CDU und CSU abzulösen.

Wasserstoff ist das neue „Schwarze Gold“

Die „großen Themen“ dieser Wochen bricht Gerdes gern auf seinen Wahlkreis herunter. Die Klimakrise um Beispiel. Bottrops gute Erfahrungen mit der Senkung der CO2-Emission in der „Innovation City“ würde er am liebsten über die ganze Emscher-Lippe-Region ausrollen. Gladbeck macht gerade den Anfang.

Wasserstoff hat‘s ihm außerdem angetan. „Eine Wasserstoff-Pipeline ersetzt drei Hochspannungsgleichstromtrassen“, erklärt Gerdes, „da kommt man doch nicht mehr dran vorbei.“

Michael Gerdes beim Nominierungsparteitag in Bottrop. Dort setzte er sich gegen Herausforderer Michael Hübner durch.
Michael Gerdes beim Nominierungsparteitag in Bottrop. Dort setzte er sich gegen Herausforderer Michael Hübner durch. © Petra Berkenbusch (A) © Petra Berkenbusch (A)

Auch für den Schwerlastverkehr und die Gebäudewirtschaft berge das neue „Schwarze Gold“ riesige Chancen, die an Universitäten und Denkfabriken des Reviers erforscht werden könnten. Auch wenn der große Sozialdemokrat Helmut Schmidt mal gesagt hat „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, bewahrt Gerdes sich die Vision, dass wasserstoffbetriebene Kabinen autonom über die alten Bahntrassen fahren oder gar schweben, um Lasten und Personen von A nach B zu bringen.

Seit er rund die Hälfte des Jahres in Berlin verbringt, weiß er einen gut ausgebauten Öffentlichen Personennahverkehr zu schätzen. „Dort brauche ich kein Auto. Wenn ich von der Wohnung zum Arbeitsplatz will, habe ich die Wahl zwischen zwei U-Bahn- und Buslinien, die alle Naselang abfahren. Von Bottrop nach Dorsten ist es da schon schwieriger.“

Hochwertige Arbeitsplätze für ehemalige Bergbauflächen

In Dorsten hat Gerdes ebenso wie im ganzen Wahlkreis ehemalige Bergbauflächen im Blick, „für die wir uns gemeinsam um hochwertige Arbeitsplätze bemühen sollten.“ Mit Groß-Logistikern allerorten sei es in der Nachfolge des Bergbaus nicht getan. Auch nicht, wenn der Mindestlohn endlich ansteigen sollte.

Bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege sind ein weiteres Herzensanliegen des Sozialdemokraten. Tochter, Schwester und Nichte arbeiten in der Pflege, die helfen dem Politiker in der Familie zur Not auf die Sprünge, wenn es um dieses Thema geht.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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