Missbrauchs-Prozess: Mutter weiß nichts über ihren angeklagten Sohn

mlzLandgericht Essen

Ein junger Mann aus Barkenberg vergeht sich an einem Nachbarsjungen. Über das Leben des Angeklagten weiß eigentlich keiner etwas – nicht mal die eigene Mutter.

Wulfen-Barkenberg/Essen

, 21.08.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 1 min

Es war schon ein etwas bedrückendes Bild, als die 54-jährige Frau aus Barkenberg am Mittwoch am Zeugentisch im Essener Landgericht Platz genommen hat. Sie ist die Mutter des Angeklagten, der einen Jungen aus der Nachbarschaft schwer missbraucht und dabei auch noch gefilmt hat. Davon ahnte sie natürlich nichts. Aber das Leben ihres Sohnes schien sie ohnehin nie interessiert zu haben. „Er ist mir keine Rechenschaft schuldig“, sagte sie den Richtern.

Ob ihr Sohn Freunde hatte? Oder eine Freundin? „Kann ich nicht sagen." Doch auch sonst scheint sie gar nicht richtig wahrzunehmen, was um sie herum passiert. „Ich weiß nicht mal, wie der Nachbar neben mir heißt.“

Trennung von ihrem Mann

Auch dass ihr Sohn mal eine Zeit in einer Jugendwohngruppe untergebracht war, scheint sie fast vergessen zu haben. Das war nach der Trennung von ihrem Mann, als der Junge zwölf war. Ob sie ihn dort mal besucht hat? „Ja, ich war manchmal da.“ Warum er überhaupt aus der Familie genommen wurde? „Ich vermutet mal, dass sein Vater keine Zeit hatte. Bei ihm hat er ja damals gelebt." So genau wisse sie das aber nicht.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Auch das Opfer des Angeklagten ist am Mittwoch als Zeuge vor Gericht erschienen. Dessen Aussage fand allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dem Angeklagten, der bereits ein Geständnis abgelegt hat, drohen mehrere Jahre Haft.

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