Missglückter Sprüheinsatz: Anklage gegen Mitarbeiterin des Ordnungsamtes

Fahrlässige Körperverletzung

Gegen eine 44-jährige Mitarbeiterin des Dorstener Ordnungsamts hat die Staatsanwaltschaft Essen ein halbes Jahr nach dem missglückten Schädlingsbekämpfungseinsatz an der Hervester Albert-Schweitzer-Schule wegen fahrlässiger Körperverletzung in elf Fällen Anklage erhoben.

Dorsten

von Von Berthold Fehmer

, 20.11.2013, 12:43 Uhr / Lesedauer: 1 min
15 Kinder musste im Mai 2013 nach dem missglückten Sprüheinsatz an der Albert-Schweitzer-Schule ins Krankenhaus gebracht werden.

15 Kinder musste im Mai 2013 nach dem missglückten Sprüheinsatz an der Albert-Schweitzer-Schule ins Krankenhaus gebracht werden.

Da das Sekretariat zu dieser Zeit aber nicht besetzt war, sprach sie die Nachricht auf den Anrufbeantworter, der allerdings bis zur Mittagszeit nicht abgehört wurde. Gegen Ende der zweiten großen Pause flog der Hubschrauber-Pilot dann seinen Sprüheinsatz über der Schule. Die Folge: Mehr als 20 Kinder wurden verletzt, 15 mussten mit Hautreizungen und Atemproblemen ins Krankenhaus. Elf dieser Fälle werden nun angeklagt. Die Ermittlungen gegen den Piloten habe man fallen lassen, sagte Oberstaatsanwältin Anette Milk auf Anfrage der Dorstener Zeitung: „Es konnte nicht geklärt werden, ob er die Kinder auf dem Schulhof beim Sprühen gesehen hat.“ Die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes, so Milk, hätte aber laut Ansicht der Staatsanwaltschaft hingegen mehr Sorgfalt walten lassen müssen.

Die 44-Jährige hätte sicherstellen müssen, dass die Schulleitung über den Sprüheinsatz informiert wird, um geeignete Vorkehrungen treffen zu können. Unerheblich für die Staatsanwaltschaft ist die Frage, ob das gesprühte Mittel „Dipel ES“ oder die aufgewirbelten Raupenhärchen für die Verletzungen der Schüler verantwortlich waren. „Beide verursachen dieselben Symptome“, so Milk. Auch die Frage, ob die Anwendungsbestimmungen für das Insektizid bei dem Einsatz an der Albert-Schweitzer-Schule eingehalten wurden, ist für die Staatsanwaltschaft unerheblich.Wie berichtet, waren die Schutzbestimmungen von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin am 1. Mai verschärft worden. Demnach hätte man während und zwölf Stunden nach dem Einsatz nur noch in Schutzkleidung auf das Gelände gedurft. Der Sprüheinsatz war jedoch gegen Ende April in Auftrag gegeben worden. „Über diese Frage wird vielleicht am Rande des Prozesses diskutiert“, so Milk.

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