Nach Razzia im Cafe Deluxe: „Unser Clan besteht aus Schützenverein und Fanfarencorps“

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Das Cafe Deluxe war am Dienstag Ziel einer Razzia gegen Clan-Kriminalität. Mitarbeiter des Hotels kritisieren das Vorgehen der Behörden - und die anschließende Hetze im Netz.

Dorsten

, 27.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tekin Dagdelen trank gerade Kaffee, als Polizei, Steuerfahndung, Zoll und Ordnungsamt plötzlich das Cafe Deluxe betraten. Er ist der Ehemann von Inhaberin Nuray Dagdelen und arbeitet seit jeher in dem Betrieb mit. Das Hotel-Restaurant am Hellweg war einer von zwei Betrieben in Dorsten, die die Ermittler am Dienstagvormittag bei einer Razzia gegen Clan-Kriminalität ins Visier nahmen (DZ+).

Eine Mitarbeiterin des Cafe Deluxe veröffentlichte noch am Abend eine Stellungnahme auf Facebook: „Wir gehören keinerlei Clan-Kriminalität an! Unser Clan besteht aus Schützenverein, Fanfarencorps Hervest, Dartvereinen, Kegelclubs und Vogelverein“, schrieb sie und kritisierte die Verhältnismäßigkeit der Großkontrolle. „Die Polizei und der Zoll haben uns heute Vormittag in total übertriebener Art kontrolliert.“

Solche Aktionen seien „definitiv geschäftsschädigend“, sagt auch Tekin Dagdelen. Gleichwohl äußerte er Verständnis für die Behörden, die ja „auch nur ihren Job machen“ würden. Die Kontrolle sei absolut routiniert abgelaufen und „bis auf wenige Kleinigkeiten“ sei auch nichts beanstandet worden.

Nach Razzia im Cafe Deluxe: „Unser Clan besteht aus Schützenverein und Fanfarencorps“

Das Hervester Gastronomen-Ehepaar Nuray und Tekin Dagdelen © Michael Klein (Archiv)

Bemängelt wurde etwa, dass zwei Töpfe im Gefrierhaus auf dem Boden standen und nicht im Regal, ein fehlendes Rauchverbotsschild, fehlende Fluchtwegschilder im Bistro-Bereich, die man umgehend bestellt habe, und ein weiteres fehlendes Schild mit Hinweis auf das Jugendschutzgesetz im Imbiss-Bereich.

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Warum also dieses Großaufgebot? Grundsätzlich wisse man bei diesen Kontrollen nicht, was einen erwartet, sagt Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber. In der Vergangenheit habe es bei diesen Kontrollen im Kreisgebiet Situationen gegeben, in denen die Beamten von teilweise bis zu 50 Personen „nicht gerade mit offenen Armen“ empfangen worden waren. „Da wäre es von der Einsatzplanung her schlecht, wenn man sagen müsste, dass wir davon überrascht worden sind. Deshalb müssen wir entsprechendes Personal vorhalten.“

Wenn die Polizei das Thema Clan-Kriminalität besetze, bedeute das nicht, dass Inhaber oder Gäste von kontrollierten Objekten auch etwas damit zu tun haben.

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Was Tekin Dagdelen eigentlich geschockt hat, waren einige Reaktionen im Internet. „Da war sofort wieder die Rede davon, dass ‚dieses Pack raus muss‘“, sagt er. „Dass man uns immer noch als Ausländer sieht, obwohl wir seit 1971 in der Stadt leben und hier viel investiert haben, tut natürlich in der Seele weh.“ Obwohl er seit 1995 die deutsche Staatsbürgerschaft habe, sei er für viele immer noch „der Ausländer, der das Land verlassen soll“.

Von den Behörden wünscht er sich, dass sie überall gleichermaßen kontrollieren und „nicht nur türkische oder allgemein ausländische Betriebe ins Visier genommen werden“.

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